Nach dem Schnee nun das Tauwetter

Eisregen im Frankenberger Land: Nicht so schlimm wie befürchtet

Eisregen bestimmte  das Wetter in Hessen am Montag
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Symbolbild

„Wir sind glimpflich davongekommen!“ So lautet am Dienstag die Eisregen-Bilanz von Harry Kirschner, dem Leiter der Straßenmeistereien Frankenberg und Korbach. „Es wurde frühzeitig vor dem Eisregen gewarnt. Wir konnten uns gut darauf einstellen.“

Frankenberg - Die Straßenmeistereien haben laut Kirschner am Montag ab 3 Uhr morgens vorgelegt, dass heißt: Sie haben die Straßen im Voraus mit Salz abgestreut. Wenn das Salz zwischen Fahrbahndecke und Eisschicht liege, wirke es besser als auf dem Eis.

Der Eisregen war in Waldeck-Frankenberg für Montag 11 Uhr angekündigt, er kam etwas später, zwischen 13 und 14 Uhr. Die nächste Arbeitsschicht habe ab 11 Uhr nachgestreut, so dass die Straßen bei Einsetzen des Regens befahrbar blieben. „Glücklicherweise gab es keine großen Niederschlagsmengen“, sagt Kirschner. Sonst wäre ein viel größeres Problem hinzugekommen: Eisbruch. Denn dann hätten sich Eisschichten auf den Bäumen gebildet, denen diese nicht standhalten könnten.

Bis Dienstagvormittag seien keine Beschwerden über schlecht geräumte Straßen bei Kirschner eingegangen. Auch für den ganzen Dienstag und Mittwoch bleibe die Straßenmeisterei am Ball, kündigte er an.

Der Straßenmeister appelliert an Grundstückbesitzer, den Schnee nicht auf die Straßen zu schieben, sondern in den Vorgarten. Somit behindere er nicht den Verkehr und das Wasser könne beim Tauen ins Erdreich sickern und die trockene Erde durchfeuchten. Der tauende Schnee auf der Straße fließe hingegen über die Kanalisation in die Vorfluter in Bäche und Flüsse ab, was zur Hochwasser beitrage könne.

Trotz des zeitweiligen Eisregens sei die Situation in Frankenberg nicht so schlimm gewesen wie befürchtet, sagt Martin Hecker, der Leiter des Betriebshofs der Stadt Frankenberg. „Wir hatten erwartet, dass die Pflaster und Kopfsteinflaster glatt werden – so war es dann auch. Vor allem die Bereiche in der Altstadt und das neue Pflaster in der Uferstraße und am Bahnhof seien am Montagnachmittag sehr vereist gewesen. „Dort mussten wir auch am späten Abend noch mal nachlegen, weil es wieder gefroren war. Die anderen Flächen gingen. Wir erwarten jetzt auch nichts Großes mehr.“ Salzvorräte seien noch genügend da. Am Bahnhof sei am Dienstagmorgen leider ein Fußgänger zu Fall gekommen und habe ärztlich behandelt werden müssen.

„Derzeit räumen wir in den Wohngebieten den tauenden Schnee weg“, sagt Hecker und wirbt um Verständnis bei den Anliegern: „Die ärgern sich natürlich, wenn vor ihrer freigeräumten Einfahrt wieder Schnee landet. Aber irgendwie müssen wir es ja machen.“

Streusalz ist Mangelware

Streusalz ist derzeit Mangelware. Vor dem Leergut-Automaten des Frankenberger Edeka-Marktes Schwebel – dem gewohnten Platz für Streusalz – stehen die Kunden seit vergangener Woche vor leeren Paletten.

Ausverkauft: Abteilungsleiterin Heike Oehl von Edeka Schwebel in Frankenberg an einer leer gekauften Streusalz-Palette.

Wie groß die Nachfrage ist, erläutert Jannik Schwebel-Schmitt: „Wir haben am Donnerstag eine Lieferung Streusalz erhalten. Innerhalb von zwei Stunden waren 120 Packungen à 10 Kilogramm weg.“ Die nächste Lieferung war für den Abend des gestrigen Dienstags angekündigt.

„Normalerweise reichen 40 große Tüten (25 Kilogramm) und 20 bis 50 kleine (10 Kilogramm) im Winter etwa für eine Woche“, sagt Heike Oehl, Abteilungsleiterin im Edeka-Getränkemarkt, der auch für den Streusalzverkauf zuständig ist. „Aber manchmal ist die Menge, die sonst für eine ganze Woche reicht, innerhalb von einer Stunde weg.“

Ähnlich sieht es mit Vogelfutter aus. Sonnenblumenkerne in großen und kleinen Tüten, Meisenringe und -knödel – alles weg. „Wir haben die Ware bestellt, aber es geht jetzt auch Richtung Saisonende“, sagt Heike Oehl. Wann die nächste Vogelfutter-Lieferung in Frankenberg eintreffe, könne sie nicht sagen.

Auch im Raiffeisen-Markt in Geismar war Streusalz gestern nicht mehr erhältlich. „Vorige Woche hatten wir nur noch Reste, diese Woche sind wir blank“, sagt Mitarbeiter Jörg Gücker auf Nachfrage der HNA. „Wir haben für nächste Woche noch mal eine Ladung geordert“, ergänzt sein Kollege Jörg Zarges. Es sei allerdings im Moment schwierig, Streusalz zu bekommen. „Kali und Salz liefert im Moment zuerst an die Kommunen“, sagt er.

„Bei Schnee kaufen die Kunden mehr Vogelfutter als sonst“, sagt Jörg Gücker vom Raiffeisen-Markt in Geismar.

Auch Schneeschieber sind in Geismar ausverkauft: „Die sind aktuell auch im Großhandel nicht mehr zu kriegen. Wir haben schon im Januar keine mehr bekommen“, sagt Gücker.

Vogelfutter sei allerdings vorrätig, berichtet Gücker. „Bei Schnee kaufen die Kunden mehr Vogelfutter als sonst.“

Das sagt die Polizei

Verkehrsunfälle auf vereisten Straßen im Zusammenhang mit dem einsetzenden Regen sind der Polizei nicht bekannt. Dies berichtete Hauptkommissar Dirk Richter, Pressesprecher der Polizeidirektion Waldeck-Frankenberg, auf Anfrage. Lediglich zwischen Rosenthal und Bracht sei ein Pkw am Montag um 18 Uhr gegen eine Leitplanke geprallt, weil der Fahrer Wild ausweichen musste.

Richter: „Offenbar waren die Autofahrer in großer Zahl so vernünftig, dass sie mit dem einsetzenden Regen ihre Wagen stehenließen. Und wenn sie dennoch unterwegs sein mussten, sind sie sehr vorsichtig und den Witterungsverhältnissen angepasst gefahren.“

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