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Nordhessische Bodybuilderin wehrt sich gegen Hass und Beleidigungen bei Facebook

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Von: Lara Thiele, Marie Klement

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Nina Paulus, Bodybuilderin
Nina Paulus, Bodybuilderin aus Waldeck-Sachsenausen © Privat

Die nordhessische Bodybuilderin Nina Paulus war nach einem Artikel über ihr Hobby Beleidigungen und Hass bei Facebook ausgesetzt. Dagegen will sie vorgehen.

„Igitt“, „Hässlich“, „Prachtkerl“, „sieht ja schrecklich aus“: Solche Kommentare – und schlimmere – fanden sich unter dem Facebook-Beitrag zum Artikel über Nina Paulus. Sie ist Bodybuilderin und lebt im Landkreis Waldeck-Frankenberg, genauer in Waldeck-Sachsenhausen. In einem Porträt berichtet sie, warum sie Bodybuilderin geworden ist und wie ihr Traum von einer Karriere langsam wahr wird.

Eigentlich eine schöne Geschichte von einer jungen Frau, die ihre Wünsche verwirklicht – wären da nicht die unzähligen Kommentare unter dem Facebook-Beitrag. „Ich habe schon damit gerechnet, dass es negatives Feedback gibt“, sagt Nina Paulus. Zunächst waren alle Rückmeldungen positiv, die sie über Instagram und Whatsapp erreichten. Doch dann wies ein Freund sie auf die Kommentarspalte unter dem Facebook-Posting hin.

Die 27-Jährige war erschrocken, als sie sich die Kommentare anschaute. „Mich interessiert das nicht“, sagt sie selbstsicher, aber ihre Familie habe sich sehr aufgeregt. Ihre beste Freundin versuche, sie in den Kommentaren zu verteidigen. „Es ist einfach unglaublich diskriminierend“, findet Nina Paulus. „Das habe ich so in dem Ausmaß noch nicht erlebt.“ Die Menschen, die die Beleidigungen veröffentlicht haben, sind vielleicht mit sich selbst unzufrieden und lassen das an anderen aus, mutmaßt sie.

Paulus kann nicht verstehen, warum Menschen so herablassend werden. Von Instagram ist sie das nicht gewohnt: Dort hat sie rund 7000 Follower und bekomme fast nur positives Feedback. Die Intoleranz auf der Plattform Facebook „schockiert mich wirklich“. Sie findet, dass sich das, was in den Kommentaren passiert, nur mit Mobbing und Bodyshaming beschreiben lässt.

Was ist Bodyshaming?

Als Bodyshaming wird die Diskriminierung und/oder Beleidigung von Menschen aufgrund ihres Körpers bezeichnet. „To shame“ ist Englisch und bedeutet, jemanden zu beleidigen, zu beschämen. Beim Bodyshaming werden Menschen, die der idealen Norm „jung, vital, faltenfrei und dünn“ nicht entsprechen, abgewertet, beleidigt und ausgegrenzt. Das trifft vor allem Frauen aufgrund von Schönheits- und Schlankheitsidealen, aber immer wieder geraten auch Männer unter Druck. Bodyshaming passiert vor allem in den Sozialen Netzwerken wie Facebook, Instagram, Twitter und Tiktok, aber nicht nur dort.

Nina Paulus ist sich bewusst, dass sie mit ihrem Körper nicht der Norm entspricht und dass sie mit Gegenwind rechnen muss. Dennoch findet sie, dass es eine Frage des höflichen Umgangs ist, wie man seine Meinung äußert – also ob man sie so formuliert, dass man den eigenen Standpunkt deutlich macht, oder ob man beleidigende und hasserfüllte Worte benutzt.

Die 27-Jährige fragt sich, ob es diesen Menschen wohl egal wäre, wenn sie sie beleidigt oder ihre Körperformen mit abfälligen Kommentaren bewertet. „Wir sind alle Menschen“, sagt sie, und jede Person sollte wissen, dass ihr Aussehen nicht ihren Wert als Mensch bestimmt. Bodyshaming und die damit zusammenhängenden Beleidigungen können schlimme Auswirkungen haben. „Es gibt Menschen, die haben sich wegen solcher Dingen umgebracht“, drückt es Nina Paulus drastisch aus.

Sie selbst verdient ihr Geld unter anderem über Soziale Medien wie Instagram und Tiktok, ist also abhängig von den Plattformen, vom Algorithmus und von den Nutzern und ihren Kommentaren. Weil sie weiß, wie schnell man im Internet an den Pranger gerät, überlege sie sich immer ganz genau, was sie online teilt – ebenso wie ihr Freund, der als Youtuber aktiv ist.

Dass die junge Waldeckerin mit verachtenden Kommentaren so gut umgehen kann, liege unter anderem daran, dass sie ein mentales Coaching in Anspruch nimmt, wie sie sagt. Außerdem unterstütze man sich in der Community der Bodybuilder und Fitness-Influencer gegenseitig und teile die Erfahrungen, vor allem unter Frauen. Sie wünscht sich, dass Online-Nutzer etwas mehr nachdenken, bevor sie ihren Kommentar abschicken, und immer auch bedenken, dass es um andere Menschen geht.

So moderiert die HNA Kommentare bei Facebook

Facebook lebt davon, dass seine Nutzer Posts kommentieren, liken und teilen. Facebook selbst greift bei Kommentaren nur selten ein – auch wenn diese dem Unternehmen als unangemessen gemeldet werden. Das ist auch die Erfahrung der HNA-Kollegen, die seit vielen Jahren die Diskussionen moderieren und schon oft Beiträge gemeldet haben.

Auch uns ist eine sachliche Diskussion wichtig. Wir freuen uns, wenn Nutzer unsere Themen diskutieren. Kritik an der HNA ist dabei in Ordnung – so lange diese konstruktiv ist.

Zahlreiche Seiten – darunter auch die HNA – haben freiwillig eine Netiquette online gestellt, in der Regeln aufgestellt werden. So werden beispielsweise Kommentare gelöscht, die Hass und Hetze, Gewaltaufrufe, Fremdenfeindlichkeit, Rassismus oder Rufmord beinhalten.

Die Netiquette bietet Raum für Auslegung, den unsere Kollegen auch nutzen. Wenn etwa eine Debatte einen sehr aggressiven Verlauf nimmt, moderieren wir strenger. Zu entscheiden, was ironisch gedacht ist und wann Kritik zu Beleidigung wird, ist dabei eine der größten Herausforderung. Oft schauen wir daher gemeinsam auf Kommentare. Übrigens auch, um die Kommentatoren zu schützen. Die bedenken oftmals nicht, dass sie für ihre Inhalte durchaus haftbar gemacht werden können.

Die Kommentarmoderation ist nicht immer einfach. Denn nur weil jemand eine andere Meinung hat, löschen wir diese als HNA nicht. Das ist für viele Nutzer – und auch für die Kollegen – teils nur schwer auszuhalten. Etwa dann, wenn sich Kommentare an der Grenze dessen bewegen, was noch zulässig ist. Denn natürlich ist es uns wichtig, unsere Gesprächspartner zu schützen, die in den meisten Fällen keine Medienprofis sind. Dabei müssen wir häufig abwägen, wie wir mit Kommentaren umgehen, die die Person treffen, mit der wir für den Artikel gesprochen haben, die für Unbeteiligte aber noch im Rahmen der Netiquette liegen.

Erfreulich ist, dass die Facebook- und auch die Instagram-Community immer wieder eine Moderationsaufgabe übernimmt – und auf unangemessene Kommentare reagiert. In solchen Fällen lassen wir die unangemessenen Beiträge meist stehen, da die Antworten sehr wertvoll sind.

Es kann auch mal etwas länger dauern, bis alle Kommentare moderiert sind, da es mehrere Tausend sind, die jeden Tag auf den HNA-Seiten abgegeben werden. Bekommen wir Hinweise (beispielsweise per E-Mail an digitalteam@hna.de), haben wir die Möglichkeit, uns den betreffenden Fall zeitnah anzusehen.

Immer wieder müssen wir uns übrigens Vorwürfen stellen, wir würden die Meinungsfreiheit unserer Nutzer beschränken und zensieren. Selbige besagt jedoch lediglich, dass jeder das Recht hat, seine Meinung frei zu verbreiten. Das bedeutet jedoch nicht, dass jeder das Recht auf freie Verbreitung seiner Meinung durch andere – etwa auf den Facebookseiten der HNA oder auf HNA.de – hat.

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