Familienstadt-Projekt in Frankenberg endet nach zehn Jahren

Die Hauptakteure der „Familienstadt mit Zukunft“: (von links) Dr. Daniela Sommer, die ehemalige Leiterin des Familienbüros, ihre Nachfolgerin Evelin Jacobs (seit 2011) und Bürgermeister Rüdiger Heß. Foto:  Paulus

Frankenberg. Nach zehn Jahren geht Ende 2015 das hessenweite Modellprojekt „Familienstadt mit Zukunft" in Frankenberg zu Ende. „Es war auf jeden Fall ein Erfolg", sagt Bürgermeister Rüdiger Heß. Die Stadt hat seit 2006 rund drei Mio. Euro Förderung vom Land erhalten, ihr Eigenanteil betrug 180 000 Euro.

Das ursprüngliche Ziel des Landes, die Geburtenrate zu steigern, wurde zwar nicht belegbar erreicht, sagt Evelin Jacobs, Leiterin des Frankenberger Familienbüros, „wir haben aber eine Willkommenskultur, Infrastruktur und Lebensqualität für Familien, Jugendliche und Senioren geschaffen, die täglich in Anspruch genommen wird.“

Über 150 Projekte für Kinder - etwa Einkaufskinderbetreuung, Familienaktionstag und Bewegungskita - wurden in den zehn Jahren geschaffen, fast alle bestehen nach Projektende weiter. „Das bezeichne ich als vollen Erfolg“, sagte Jacobs. Das sieht auch ihre Vorgängerin, Dr. Daniela Sommer, heute Landtagsabgeordnete, so: „Frankenberg hat von dem Modellprojekt profitiert und konnte Projekte und Maßnahmen umsetzen, die es ohne höchstwahrscheinlich nicht gegeben hätte.“ Insgesamt sei „eine ganz neue Stimmung, eine Art familiärer Zusammenhalt zwischen den Altersgruppen entstanden. Wir haben Frankenberg zukunftsfähig gemacht“, sagt Heß.

Und was können andere Orte daraus lernen? Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels „bedarf es neuer kreativer Ideen, um die Folgen dieser Entwicklung zu gestalten“, sagt Daniela Sommer. „Patentrezepte oder Standardlösungen gibt es nicht. Wettbewerbe und Modellprojekte helfen dennoch, neue Wege zu gehen.“

„Grundsätzlich wollen Menschen dort wohnen und arbeiten, wo sie sich wohlfühlen, wo sie eine Zukunft für ihre Kinder sehen. Die Flüchtlinge halten uns in dieser Hinsicht gewissermaßen einen Spiegel vor“, sagt Heß.

Das Projekt „Familienstadt mit Zukunft“ läuft in Frankenberg und Büdingen (Wetterau, noch bis Ende 2016). Es wird wissenschaftlich begleitet, die Vergleichskommunen sind nicht öffentlich bekannt. Das Projektziel wurde oft auf die Steigerung der Geburtenrate verkürzt, sagt das Hessische Sozialministerium: „Ziel war es vor allem, über einen längeren Zeitraum zu beobachten, ob und wie durch familienfördernde Maßnahmen ein familienfreundliches und kinderfreundliches Klima entsteht und wie sich das auswirkt.“ Es sei noch zu früh für Ergebnisse. Ein erster Teil soll im Frühsommer vorliegen - nach einer weiteren schriftlichen Befragung von Familien.

Eine Seite mit einem Interview mit den drei Hauptakteuren zur Bilanz der Familienstadt lesen Sie in der gedruckten Weihnachtsausgabe der HNA Frankenberger Allgemeine.

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