Die Wurst ruhig mal weglassen

Fastenzeit ohne Fleisch: Frankenberger Ernährungsberaterin rät zu Verzicht

Fleisch ade: Weck, Worscht und Wein gehören zum Karneval, der früher die Fastenzeit einläutete. Denn carne vale heißt übersetzt: Fleisch ade. Das Foto zeigt den Thüringer Bratwurstkönig Gerhard Herbs und die Wurstkönigin Anne Sonntag. Foto: dpa

Frankenberg. Karneval war gestern. Heute am Aschermittwoch, beginnt die Fastenzeit. Carne vale heißt übersetzt: Fleisch ade. Wie wäre es in der Fastenzeit einmal mit Fleischverzicht? Darüber haben wir mit der Frankenberger Ernährungsberaterin Dr. Gabriele Knipp gesprochen.

„Allgemein essen wir heute weniger Fleisch als noch vor 20 Jahren. Dennoch kommt Fleisch bei uns noch gern und viel auf den Tisch. Die Hälfte davon wird in verarbeiteter Form als Wurst oder sonstige Fleischwaren verzehrt.“ 

Das sagt die Ernährungsberaterin Dr. Gabriele Knipp. Sie empfiehlt durchaus, einmal längere Zeit – etwa in der 40-tägigen Fastenzeit bis Ostern – auf Fleisch zu verzichten, wie sie im Interview sagt.

Frau Dr. Knipp, wie gesund oder ungesund ist Fleischkonsum?

Dr. Gabriele Knipp: Im Fleisch stecken viele Nährstoffe, es ist ein Eiweißlieferant und enthält unter anderem für unseren Körper leicht verfügbares Eisen und viele B-Vitamine, z. B. Vitamin B12. Als eher negativ für die Gesundheit wird Fleisch nicht nur aufgrund seines Fett- und Cholesterinanteils und der Fettqualität bewertet. Es gibt Hinweise, dass insbesondere rotes Fleisch, also Rind, Schwein, Schaf und Ziege, Erkrankungen wie Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes mellitus begünstigt. Die Menge entscheidet.

Wie viel Fleisch und Wurst sollten wir höchstens essen?

Knipp: Der Welt-Krebs-Bericht formuliert die Menge ganz genau: Wir sollten nicht mehr als 500 Gramm Fleisch pro Woche essen und verarbeitetes Fleisch – Pökelwaren wie Wurst, Aufschnitt und Bratwürste –, in denen viel Schweinefleisch steckt, vermeiden. Diese Produkte spielen bei uns in der schnellen Imbissküche eine große Rolle. Bei einer fleischreichen Kost kommen außerdem Obst und Gemüse oft zu kurz. Ich empfehle maximal zwei handtellergroße Fleisch-Portionen, das sind zirka 300 Gramm Fleisch pro Woche.

Bringt es gesundheitliche Vorteile, in der Fastenzeit auf Fleisch zu verzichten?

Knipp: Es macht durchaus Sinn, einmal 40 Tage auf Fleisch zu verzichten, sich vegetarisch zu ernähren. Es sollte aber nicht nur beim Weglassen bleiben. Es ist wichtig, alternative Eiweißquellen wie Milch- und Milchprodukte, Nüsse oder Hülsenfrüchte –etwa Erbsen, Bohnen, Linsen – zu essen und mehr Gemüse auf den Speiseplan zu holen. Wer die Zeit nutzt, um neue vegetarische und vegane Rezepte für sich zu entdecken, hat auch langfristig gesundheitliche Vorteile. Er kann auch nach der Fastenzeit den Fleischkonsum deutlich reduzieren. Natürlich können 40 Tage ohne Fleisch auch kurzfristig positive gesundheitliche Auswirkungen haben, zum Beispiel bei Patienten mit rheumatoider Arthritis oder Gicht.

Leben Veganer und Vegetarier generell gesünder?

Knipp: Sie leben meist bewusster. Neben der gezielten Nahrungsauswahl liegt das oft an der insgesamt gesunden Lebensweise. Allerdings ist eine vegane oder vegetarische Ernährung durch das Weglassen von tierischen Produkten bzw. Fleisch und den Einsatz von Ersatzprodukten nicht automatisch eine gesunde.

Wie sollte man die Umstellung auf vegane Kost angehen? Wie gesund sind eigentlich Ersatzprodukte wie etwa Tofu oder Soja-Würstchen? Was sagt die Expert zur gesundheitlichen Gefahr durch den Einsatz von Antibiotiak in der Tiermast? Die Antworten lesen Sie in der gedruckten Mittwochausgabe der HNA Frankenberger Allgemeine

www.gabriele-knipp-ernährung.de

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