Kunden kaufen im Moment lieber beim Bauern vor Ort

Fipronil-Skandal: Nachfrage nach heimischen Eiern extrem gestiegen

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„Mehr legen können wir nicht“: Darauf weist Johannes Rodewyk vom Gut Kappel in Bad Arolsen-Mengeringhausen hin. Seinen Betrieb erreichen wegen des Fipronil-Skandals verstärkt Anfragen nach Bio-Eiern. 

Waldeck-Frankenberg. Der Skandal um mit Fipronil verseuchte Eier sorgt für eine erhöhte Nachfrage bei heimischen Hühnerhaltern in Waldeck-Frankenberg. Das ergab eine Umfrage unserer Zeitung.

„Unsere Landwirte spüren die Unsicherheit der Verbraucher, die Nachfrage nach regional erzeugten Eiern ist aktuell sehr hoch“, sagt Stephanie Wetekam, Geschäftsführerin des Kreisbauernverbands Waldeck. Wünschenswert sei es, wenn dies nachhaltig zu einer hohen Wertschätzung der heimischen Produktion beitrage.

„Es wird mehr bestellt. Allerdings können die Hennen nicht mehr Eier legen“, sagt Johannes Rodewyk vom Gut Kappel in Mengeringhausen.

Die Familie Engel in Röddenau verzeichnet eine „extrem gestiegene Nachfrage“. Dort werden 480 Hühner gehalten, die dank eines Hühnerstalls auf Rädern, der wöchentlich auf eine andere Weidefläche gezogen wird, viel Freilauf bekommen. Die Eier werden über einen Automaten vor dem Hof verkauft. „Wir könnten momentan das Vierfache verkaufen“, sagt Nebenerwerbslandwirt Helmut Engel.

Auch im Hofladen Möbus in Gemünden ist die erhöhte Nachfrage spürbar. „Der Verbraucher ist verunsichert und kauft lieber heimische Produkte“, sagt Jens Möbus. In seinem mobilen Stall mit 800 Hühnern werden keine Putzmittel mit Fipronil eingesetzt.

Nach Auskunft von Stephanie Wetekam setzen die Hühnerhalter in Waldeck-Frankenberg bei der Stallhygiene in der Regel Silikatstaub oder Gesteinsmehle ein. „Wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass die betroffenen Landwirte in den Niederlanden und Niedersachsen nicht wissentlich ein nicht zugelassenes Mittel verwendet haben“, sagt Wetekam. Fipronil sei verbotenerweise einem zugelassenen Desinfektionsmittel beigemischt worden. Ähnlich drückt es Matthias Eckel vom Kreisbauernverband Frankenberg aus: „Die Bauern, um die es beim Skandal geht, sind Opfer, die wussten nicht, was sie benutzen.“ 

In Waldeck-Frankenberg gibt es 51.864 Legehühner bei 972 Haltern – in zwölf Betrieben gibt es mehr als 400 und bis zu 12.000 Hühner. 

Um sicherzugehen, dass keine Insektizide wie Fipronil in die Eier gelangen, wird bei Hühnerhaltern Einsicht in Lieferlisten verwendeter Reinigungsmittel genommen – das geschieht durch Amtstierärzte und Tiergesundheitsaufseher gemeinsam mit Tierarzneimitteltierärzten des RP. Derzeit werden auch verstärkt Eier-Proben genommen. Ob es Spuren von Fipronil gibt, ist noch nicht klar. „Unsere Lebensmittelkontrolleure sind erst seit Montag unterwegs. Ergebnisse liegen noch nicht vor“, sagt Dr. Martin Rintelen vom Landkreis.

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