Flüchtlingsheim mit 66 Bewohnern: Betreiber stellt sich Fragen der Nachbarn

Am Kegelberg in Frankenberg: Das ehemalige EAM-Gebäude wird ein Flüchtlingsheim. Nachbarn fühlten sich allerdings schlecht informiert. Die Betreiber haben sich nun öffentlich den Fragen, aber auch Anregungen gestellt. Foto:  Biedenbach

Frankenberg. Die Betreiber des künftigen Asylbewerberheims am Kegelberg in Frankenberg haben in einem Bürgergespräch ihre Pläne konkretisiert. Anwohner zeigten sich besorgt, dass bald 66 Flüchtlinge in dem Wohngebiet leben.

Wie berichtet, will das Ehepaar Ahlborn in dem Gebäude, das es von der EAM gekauft hat und derzeit umbaut, bis zu 66 Flüchtlinge unterbringen. Die Genehmigungen von Stadt und Kreis liegen vor. Bis zum 1. November sollen die ersten 22 Flüchtlinge im Obergeschoss einziehen, bis zum 1. Dezember alle weiteren.

Betreiber Günter Ahlborn entschuldigte sich dafür, dass er nicht alle Nachbarn in dem Wohngebiet vor dem ersten Zeitungsbericht informieren konnte. „Uns ist klar, dass die Nachbarn erstmal geschockt waren. Das wäre mir im ersten Moment vielleicht auch so gegangen“, sagte der 61-Jährige. „Aber wenn man die Entwicklung auf der Welt sieht, muss man was tun.“

Es gehe ihm und seiner Frau nicht darum, Geld mit der Einrichtung zu verdienen - laut Landrat Kubat könne man damit auch gar nicht reich werden - sondern darum, dass die Leute unterkommen.

„Muss das denn so konzentriert auf einem Fleck sein?“, fragte ein Mann im Publikum. Die Betreuung in einer Gemeinschaftsunterkunft sei in der Anfangszeit einfacher, antwortete Elke Rajeski, stellvertretende Leiterin des Fachdienstes Soziales. „Wovor haben Sie Angst, wenn dort Flüchtlinge hinkommen?“, fragte eine Frau in die Runde. „Das werden Sie schon sehen, wenn da 60 auf einmal sind“, antwortete ein Mann.

Ein Anwohner beschrieb das Wohngebiet als ein „Aufkommen von besonderen Menschen“ und nannte die Lebenshilfe, die Kegelbergschule und die Friedrich-Trost-Schule. „Ich finde es ungerecht, dass dieses Wohngebiet so kaputt gemacht wird“, sagte er. Zudem würden die Wohnhäuser an Wert verlieren, wenn dort ein Asylbewerberheim hinkomme. „Ich kann nicht nachvollziehen, dass das Wohngebiet durch unsere Schüler oder Besucher mehr belastet sein soll“, antwortete Martin Henke, der Leiter der Lebenshilfe-Werkstätten.

„Unsere Ängste sind, dass es da oben unruhig wird, um es vorsichtig auszudrücken. Die Wohnqualität wird leiden“, sagte ein anderer Mann aus dem Publikum. „Uns ist wichtig, dass die Menschen betreut werden, Beschäftigung haben und nicht rumlungern.“

Er könne verstehen, dass es Ängste gebe, wenn so etwas geplant werde, sagte Bürgermeister Rüdiger Heß. „Wir haben aber eine Verpflichtung, diese Menschen unterzubringen. Ich bitte alle Frankenberger, offen damit umzugehen.“

Auf Offenheit legen auch Günter und Anne Ahlborn großen Wert. Sie hatten ihre Baupläne mitgebracht und beantworteten die Fragen aus dem Publikum. „Wir müssen im Dialog bleiben“, sagte Günter Ahlborn. „Jeder kann ins Haus kommen und gucken, was geplant ist. Wir sind für jeden Ratschlag dankbar.“

Von Jörg Paulus 

Wie die Flüchtlinge betreut werden sollen und welche Ideen aus dem Bürgergespräch entstanden sind, lesen Sie in der gedruckten Freitagsausgabe der HNA Frankenberger Allgemeine.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.