Forstämter versuchen mit Hochdruck, Bäume zu retten

Förster in Not: Borkenkäfer bedroht Fichtenbestände in Waldeck-Frankenberg

Der Rodaer Revierförster Thomas Figge hält ein Stück Fichtenrinde in den Händen, unter die der Borkenkäfer seine Eier gelegt hat. Mit Hochdruck werden befallene Bestände, wie hier zwischen Bottendorf und Ersthausen gefällt, um ein Ausfliegen der nächsten Käfergeneration noch zu verhindern.
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Der Rodaer Revierförster Thomas Figge hält ein Stück Fichtenrinde in den Händen, unter die der Borkenkäfer seine Eier gelegt hat. Mit Hochdruck werden befallene Bestände, wie hier zwischen Bottendorf und Ersthausen gefällt, um ein Ausfliegen der nächsten Käfergeneration noch zu verhindern.

Der Borkenkäfer schlägt in den Fichten in Waldeck-Frankenberg wieder zu – und diesmal geht es ums Ganze: Der gesamte Fichtenbestand im Landkreis ist bedroht.

Waldeck-Frankenberg - Im Forstamt Burgwald und im Upland versuchen Forstleute derzeit mit Hochdruck, zu retten, was noch zu retten ist. Sie haben nur noch wenig Zeit. „Wenn wir es nicht schaffen, bis Ende nächster Woche mindestens 90 Prozent aller frisch befallenen Käferbäume aus dem Wald zu holen, ist es zu spät“, sagt der Rodaer Revierförster Thomas Figge.

Im Forstamt Frankenberg und bei den Stiftungsforsten Kloster Haina hat man den Kampf bereits weitgehend aufgegeben. Denn an den trockeneren Standorten hatte der Schädling in den heißen, regenarmen Jahren 2018 bis 2020 bereits fast alle nennenswerten Fichtenbestände vernichtet – schon Ende 2020 war die Hälfte der Fichtenflächen im Kreis dem Schädling zum Opfer gefallen.

Die feuchteren Flächen im Burgwald und in den Höhenlagen des Uplands waren noch verschont geblieben. Aber auch die bisher starken und älteren Fichten sind durch die Trockenheit vorgeschädigt und können sich nicht mehr durch Harzbildung gegen das Eindringen des Käfers – bei älteren, dickeren Bäume ist es der Buchdrucker – in die Rinde wehren.

Hinzu kommt die „exorbitante Höhe der Population, weil der Käfer sich in den vergangenen Jahr so stark vermehren konnte“, erläutert der Burgwalder Forstamtsleiter Eberhard Leicht. Der Schädling drohe im Burgwald die bislang noch verbliebenen rund eine Million Festmeter Fichtenholz zu vernichten – „ein staatliches Vermögen im hohen zweistelligen Millionenbereich“.

Mit Hochdruck versuchen das Forstamt im Burgwald und die Kommunalwald GmbH im Upland, die befallenen Bäume zu fällen, bevor die Larven unter der Rinde ausschlüpfen, ausfliegen und sich über die nächsten Bäume hermachen. Die gefällten Bäume müssen schnell aus dem Wald gebracht werden. Acht Vollernter sind allein im Revier Roda im Einsatz, sogar ein Unternehmen aus Schleswig-Holstein. „Andere Forstämter stellen uns Personal zur Verfügung, obwohl sie selbst mit Waldschäden zu kämpfen haben“, schildert Leicht.

„Wir können uns nicht in einem Jahr allen Holzvorrat an Fichte auffressen lassen“, sagt Leicht. Zudem gelte es, auch noch in den kommenden Jahren Fichtenholz zur Verfügung stellen zu können“.

Schädling vermehrt sich rasend schnell

Borkenkäfer bohren sich durch die Borke, fressen Gänge unter der Rinde, unterbrechen damit den Nährstofftransport im Baum und bringen ihn zum Absterben. In den Gängen entwickeln sich ihre Larven zu Käfern. Diese fliegen aus und attackieren die nächsten Bäume. Bis zu drei Flugperioden sind pro Jahr möglich. Aus der Brut eines einzigen Weibchens können sich in einem Jahr leicht 100 000 bis 250 000 Nachkommen bilden.

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