Forstanwärter Niclas Aue berichtet

Forstamt Frankenberg-Vöhl: So läuft die Ausbildung zum Förster

Auf dem Weg zum Förster: Niclas Aue ist Forstanwärter und bereitet sich im Forstamt Frankenberg-Vöhl auf seine Abschlussprüfung vor. Die Waldbaufibel hat er immer dabei.
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Auf dem Weg zum Förster: Niclas Aue ist Forstanwärter und bereitet sich im Forstamt Frankenberg-Vöhl auf seine Abschlussprüfung vor. Die Waldbaufibel hat er immer dabei.

Wald und Jagd begeistern den knapp 24-jährigen Niclas Aue. Der Forstanwärter im Forstamt Frankenberg schildert, wie man Förster wird und warum er es werden will.

Frankenberg/Vöhl – Die Waldbaufibel hat er immer griffbereit. Sie beinhaltet die Grundsätze und Leitlinien zur naturnahen Wirtschaftsweise im hessischen Staatswald. Niclas Aue, der am Samstag 24 Jahre alt wird, bereitet sich im Forstamt Frankenberg-Vöhl auf seine Abschlussprüfung vor.

Nach dem Studium der Forstwissenschaften in Göttingen ist er seit April diesen Jahres als Forstanwärter im Forstamt tätig. Er wohnt in Rengershausen, nahe am Revier Bromskirchen. Denn Revierleiter Fabian Krämer ist sein Ausbilder. Aue begleitet ihn bei allen Tätigkeiten: von Waldbau und Forstnutzung bis Naturschutz und Jagd.

Mit 16 Jahren schon den Jagdschein

„Mir macht gerade die praktische Arbeit und das Draußensein viel Spaß“, sagt der junge Mann, der in Jesberg aufgewachsen ist und seit seinem 16. Geburtstag einen Jagdschein hat. Umgekehrt als man es kennt, hat er seinen Vater angeregt, auch den Jagdschein zu machen.

Niclas Aues Interesse an Wald und Jagd gefördert hat sein derzeitiger Chef, Forstamtsleiter Andreas Schmitt. „Er war damals in Jesberg unser Nachbar und hat mich oft mit in den Wald und auf die Jagd genommen“, schildert der heutige Forstanwärter.

Nach dem Abi in Oberurff wollte der junge Mann sich an der Uni Göttingen zunächst auf die reine Forstwissenschaft konzentrieren. Bei seinen Praktika in verschiedenen Forstämter zog es ihn aber eindeutig zur praktischen Forstarbeit hin. „Auch als Förster muss man zwar viel Schreibtischarbeit erledigen, aber man ist doch mehr draußen und man kann sich die Arbeit selbst einteilen: Und man sieht am Ende des Tages, was man getan hat“, sagt er. Ein Förster habe zudem die Möglichkeit, in unserer schnelllebigen Zeit an einem langfristigen Projekt zu arbeiten. „Eichen wachsen bis zur Erntereife im Schnitt 240 Jahre. Man übernimmt den Wald von Vorgängern und pflegt ihn für die Zukunft“, schildert Aue, was ihn am Försterberuf gefällt.

Wenn der Forstanwärter alle Prüfungen, die von Januar bis März anstehen (Artikel unten), bestanden hat, ist ihm eine Försterstelle sicher. Aufgrund des demografischen Wandels gehen viele Revierleiter derzeit in den Ruhstand. Ihre Stellen werden gar nicht alle besetzt werden können. Und das obwohl das Interesse am Försterberuf unter jungen Leuten groß ist. „Das Umweltbewusstsein und der Wunsch, einen Beitrag um Erhalt der Wälder leisten zu können“, sind laut Aue Gründe für das Interesse,

Der schlechte Zustand des Waldes, die zum Großteil vom Borkenkäfer vernichteten Fichtenbestände und das voranschreitende Buchensterben machten auch dem angehenden Förster große Sorge, aber entmutigten ihn nicht. „Ich verstehe, dass die Kollegen, die jetzt in Ruhestand gehen, frustriert sind, wenn nach jahrzehntelanger Arbeit Teile ihres Waldes vernichtet sind“, sagt Aue. Den Nachwuchskräften, die mit dieser Erfahrung nicht belastet seien, falle es leichter, nach vorne zu blicken. „Die entstandenen Freiflächen bieten auch neue Chancen, einen artenreichen möglichst starken und klimaresistenten Mischwald aufzubauen. Die Wissenschaftler liefern mit Klimatabellen und Empfehlungen zu anzupflanzenden Baumarten dafür eine gute Basis.“

Auf dem Weg zum Förster: Prüfungen schriftlich, mündlich und im Wald 

Ein Jahr dauert die Forstanwärterzeit. Neben der Arbeit im Revier Bromskirchen besucht Niclas Aue auch Lehrgänge, vor allem im Forstlichen Bildungszentrum von Hessen-Forst in Weilburg, und wird bei einem vierwöchigen Innendienst verschiedene Bereiche im Forstamt kennenlernen – das Holzbüro, das für den Vertrieb des Holzes zuständig ist, das Büro des Produktionsleiters, der die Kaufverträge mit den Kunden aushandelt, das Büro des für die Verwaltung zuständigen Büroleiters und das Büro des Forstamtsleiters.

Von Januar bis März stehen für Niclas Aue die Abschlussprüfungen in Weilburg an. Sie setzen sich aus mehreren Bereichen zusammen:

Im Januar beginnt der Prüfungsreigen mit den schriftlichen Laufbahnprüfungen: vier Klausuren an vier Tagen, die alle Themenfelder, mit denen ein Förster zu tun hat, betreffen. Waldbau ist Aues Lieblingsthema, Recht und Verwaltung mag er nicht ganz so gerne.

Im Februar folgt die Projektprüfung: Der Forstamtsanwärter betreut auf einem sechs Hektar großen Bereich die komplette Holzernte. Er schlägt dafür – in Absprache mit Lehrförster Krämer – zwei Areale vor. Sobald er Bescheid bekommen hat, welches Areal es sein soll, hat er zwei Wochen Zeit: Er prüft zuerst, ob Rückegassen vorhanden sind oder erst hergestellt werden müssen. Dann markiert er die zu fällenden Bäumen, eine Arbeit von zwei, drei Tagen.

Bei seinem Projekt wird es sich um einen Laubholzbereich handeln und darum gehen, Kronenpflege der Eichen zu betreiben, sagt er. Ziel ist es, das Wachstum älterer Eichen zu fördern und zu verhindern, dass die schnell wachsenden Buchen den Eichen das Licht nehmen.

Aue muss die Forstwirte beziehungsweise Unternehmen mit der Fällung beauftragen. Dann folgt die Erfassung des an die Wege gerückten Holzes und die „wertschöpfende Sortierung“ – also die Klassifizierung in Stammholz, Brennholz oder Industrieholz. Die Eingabe erfolgt per Tablett und kann dann vom Forstbüro direkt für den Verkauf eingeplant werden. Das Konzept und die Ausführung muss er auch schriftlich vorlegen Zwei Prüfer, meist erfahrene Förster aus anderen Forstämtern, schauen sich dann das Ergebnis vor Ort an und bewerten Aues Arbeit.

Im März folgen dann die mündlichen Prüfungen, die einen ganzen Tag lang dauern. Er bekommt sechs Themen gestellt, hat jeweils 15 Minuten Zeit, sich vorzubereite und wird jeweils 15 Minuten dazu geprüft.

Und zum Abschluss erfolgt die Waldprüfung: Dabei werden Stationen im Wald bei Weilburg abgegangen. Der Prüfling muss unter anderen konkrete Waldsituationen erkennen und beschreiben und auch eine Bodenanalyse vornehmen.

Wer insgesamt acht Punkte erhalten hat, hat den Abschluss geschafft und kann ins Beamtenverhältnis überführt werden, sprich als Revierleiter oder zunächst als Betriebsassistent tätig sein.

Aue möchte gerne im Bereich Nordhessen als Förster arbeiten – gerne auch im Forstamt Frankenberg. Er kann mittels einer Zielbewerbung sein Wunschforstamt nennen. Es kommt dann darauf an, wer sich noch für den Bereich bewirbt. (Martina Biedenbach)

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