Senioren bis Januar ohne Mittagessen

Frankenberg: Altenzentrum stellt Essen auf Rädern vorerst ein

Auf die Lieferung von Essen auf Rädern (Symbolbild) des Frankenberger Altenzentrums Auf der Burg müssen 120 Kunden vorübergehend verzichten.
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Auf die Lieferung von Essen auf Rädern (Symbolbild) des Frankenberger Altenzentrums Auf der Burg müssen 120 Kunden vorübergehend verzichten.

Senioren ohne Mittagessen: Das Altenzentrum Auf der Burg in Frankenberg stellt kurzfristig „Essen auf Rädern“ bis Januar ein. Betroffen sind 120 Kunden.

Frankenberg – Das Altenzentrum Auf der Burg stellt ab kommenden Montag bis voraussichtlich 7. Januar sein „Essen auf Rädern“ ein. Personalmangel, insbesondere wegen schwerer Erkrankung von Mitarbeitern, nennt Oswald Beuthert als Grund. Er ist Sprecher der Holdingsgesellschaft Diako Waldeck-Frankenberg gGmbh, der die Altenheimbetreiberin Hospital St. Elisabeth gGmbH angeschlossen ist.

Den 120 Essen-Abnehmern wurde Anfang dieser Woche mitgeteilt, dass sie ab Montag kein Essen geliefert bekommen können. Eine Alternative zu finden, ist jedoch nicht einfach. „Menschen, wie meine 93-jährige Mutter in Frankenberg, freuten sich bisher über das Essen auf Rädern der Diakonie Frankenberg, das ihnen ein selbstständiges Leben zu Hause ermöglicht hat,“ schreibt ein Mann der HNA – und kritisiert insbesondere die kurzfristige Mitteilung, zumal es an anderen Angeboten fehle.

Die einzige Alternative, der Lieferdienst des DRK-Kreisverbands Frankenberg mit Tiefkühlkost, komme für seine Mutter nicht in Frage, denn sie sei nicht in der Lage, sich selbst das Essen aufzuwärmen, sagt der Sohn, der nicht mehr in Frankenberg wohnt.

„Wir wissen um die Not der Kunden und verstehen auch ihren Unmut. Wir haben aber leider keine andere Möglichkeit gesehen“, sagt Diako-Sprecher Beuthert. Es hatte im Laufe des Jahres Kündigungen aus persönlich Gründen gegeben. Durch Erkrankungen habe das Küchenteam in den letzten zwei Monate am Limit gearbeitet. Nun seien kurzfristig weitere Mitarbeiter erkrankt.

„Neue Kräfte, insbesondere Hilfskräfte für die Küche, zu bekommen, ist nicht einfach“, sagt Beuthert. „Weder die Agentur für Arbeit noch Leiharbeiter-Firmen konnten uns kurzfristig Personal vermitteln.“ Das noch vorhandene Team müsse in erster Linie die Versorgung der 81 Bewohner des Altenzentrums Auf der Burg gewährleisten.

Oswald Beuthert, Sprecher Diako Waldeck-Frankenberg 

Neues Personal für die Küche sei nun zwar gefunden. Es starte zum 1. Januar. Doch die neuen Hilfskräfte müssten zunächst eingearbeitet werden.

Essen auf Rädern sei ein sehr zeit-, personal- und kostenintensiver Service. Insbesondere die Konfektionierung, also die Verteilung der Essenportionen in die Behälter, erfordere einen hohen hygienischen Standard. Für die Auslieferung brauche es entsprechende Fahrzeuge und Zeit, denn in manchen Orten im Altkreis gebe es nur ein, zwei Kunden.

Seit ein privater Anbieter vor zwei Jahren sein Essen-auf-Rädern-Angebot eingestellt hatte, sei die Nachfrage beim Altenheim enorm angestiegen, auf zirka 120 Kunden. „Wir haben die Küche und Personal entsprechend aufgerüstet“, schildert Beuthert die Entwicklung. Mittlerweile sei das Altenzentrum der einzige Anbieter, der täglich frisch zubereitetes Mittagsessen als Essen auf Rädern im Südkreis anbiete. Es gebe allenfalls noch einige Gasthäuser, die einen Abholservice für Senioren böten.

Und was passiert mit dem Fahrpersonal?“, fragt der Sohn der 93-Jährigen. Diese Mitarbeiter bauten Urlaube ab oder seien in anderen Bereichen tätig, antwortete der Diako-Sprecher.

Glück in der unglücklichen Situation hatte ein 94-Jährige aus Frankenberg. Ein befreundetes Ehepaar kocht in der Übergangszeit für die Seniorin mit und bringt ihr das Essen vorbei. „Ich bin ihnen so dankbar“, sagt die Frau der HNA. (Martina Biedenbach)

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