Öffentliches Leben eingeschränkt

Frankenberg in der Corona-Krise: „Wie in einer Geisterstadt“

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Niemand zu sehen: Normalerweise ist die Frankenberger Innenstadt bei schönem Wetter gut besucht. Am Donnerstagvormittag um kurz vor halb 12 war jedoch niemand in der Fußgängerzone unterwegs. 

Um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen, wird das öffentliche Leben in Deutschland immer mehr eingeschränkt. Das spürt man derzeit auch in Frankenberg. 

  • Das Coronavirus breitet sich in Nordhessen aus.
  • Auch der Kreis Waldeck-Frankenberg ist betroffen.
  • Das öffentliche Leben kommt fast vollständig zum Erliegen.

Normalerweise sind Bahnhöfe Orte der Hektik und des Wartens. Die Züge und Busse, die dort abfahren, verbinden Städte und Dörfer miteinander, bringen die Menschen von A nach B – eigentlich ist auf Bahnhöfen immer ziemlich viel los.

In Zeiten der Corona-Krise wirkt der Bahnhof in Frankenberg allerdings besonders trostlos. Auf den Gleisen wartet die Regionalbahn nach Marburg auf Fahrgäste – sie kommen nicht. Beim Blick in den Zug herrscht Leere. Nur zwei Leute sitzen bereits im Zug, weit getrennt voneinander.

Coronavirus in Frankenberg: Ganz allein an der Haltestelle

An der Bushaltestelle sitzt ein 59-jähriger Herr. Ganz allein. Obwohl er sich selbst zur Risikogruppe zählt, fährt er noch fast täglich mit dem Bus in die Stadt, um Besorgungen zu machen. „Momentan bin ich häufig der einzige Fahrgast“, sagt er.

Abgesperrt: Rot-weißes Flatterband in einem Bus.

Nur wenige hundert Meter entfernt macht Markus Winter gerade Mittagspause. Der Stadtbusfahrer sitzt hinter rot-weißem Absperrband in seinem Bus. „Das Band ist nötig, damit der Kundenkontakt vermieden wird. Aktuell sollen die Gäste nur hinten einsteigen“, sagt Winter. Das Busfahren ist in Frankenberg momentan kostenlos, zu groß ist die Ansteckungsgefahr beim Ticketverkauf mit dem unsichtbaren Virus. Auf den Fahrten durch die Stadt ist der Bus meist leer, nur zwei bis drei Gäste fahren mit Winter in diesen Zeiten durch Frankenberg. „Ich habe das Gefühl, in den letzten zwei Tagen ist es noch leerer geworden“, sagt er.

Coronavirus: Geschäfte zu im Frankenberger Tor

In direkter Bahnhofsnähe befindet sich das Frankenberger Tor. In dem Einkaufszentrum haben viele Geschäfte vorübergehend geschlossen, wie Hinweisschilder an den Schaufensterscheiben verraten. Lebensmittel- und Drogeriemarkt sind aber beispielsweise geöffnet, ein paar wenige Menschen sind dort unterwegs.

Einer, der sofort auffällt, ist Rainer Hähnelt. Aufgrund einer Vorerkrankung trägt er beim Einkaufen einen grünen Mundschutz und blaue Gummihandschuhe. „Ich habe kein Corona, das sind für mich reine Vorsichtsmaßnahmen“, versichert er.

Trägt Maske und Handschuhe lediglich zum Schutz vor einer Corona-Ansteckung: Rainer Hähnelt beim Einkaufen.

Nicht nur am Bahnhof und im Frankenberger Tor ist wenig los, auch in der Innenstadt ist es deutlich ruhiger als sonst. Beim Bummeln ist das Zwitschern der Vögel in diesen Tagen besonders gut zu hören, ab und zu brummt ein Auto über die Straße. Ein Gespräch, ein Lachen, ein Fluchen, vielleicht auch das Schreien eines Babys oder das Bellen eines Hundes – all das ist nahezu nicht zu vernehmen. Das öffentliche Leben ruht, es herrscht beinahe gespenstische Stille. 

„Es ist hier fast wie in einer Geisterstadt“, sagt Frank Malewschik, der als einer von wenigen gemütlich durch die Fußgängerzone schlendert. Angst vor dem Virus habe er keine, auch wenn er sich selbst zur Risikogruppe zählt. Er hoffe, dass das öffentliche Leben in der nächsten Zeit nicht gänzlich zum Erliegen kommt. „Das wäre wirklich schlimm“, sagt er, während um ihn herum bereits viele Geschäfte geschlossen sind.

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