An Hans-Viessmann-Schule in Frankenberg

Panne bei Abschlussprüfung: Schüler spricht von "Eklat" - Klausur wird nachgeschrieben 

An der Hans-Viessmann-Schule in Frankenberg werden Berufsschüler und Fachoberschüler unterrichtet. 
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An der Hans-Viessmann-Schule in Frankenberg werden Berufsschüler und Fachoberschüler unterrichtet. 

An einer Schule in Frankenberg gab es eine Panne bei einer Abschlussprüfung. Die Aufgaben sind zuvor in einer WhatsApp-Gruppe aufgetaucht.

  • Panne an einer Schule in Frankenberg und Bad Wildungen.
  • Eine Abschlussprüfun g muss nachgeschrieben werden.
  • Die Schüler wendeten sich sogar an das Kultusministerium

An der Hans-Viessmann-Schule in Frankenberg und Bad Wildungen muss die Abschlussprüfung der Fachoberschul-Klassen im Fach Deutsch neu geschrieben werden. Grund ist eine Panne, ein Schüler spricht sogar von einem „Eklat“.

Was war passiert? Die Aufgaben für die landesweit einheitliche Deutsch-Klausur für das Fach-Abi am 15. Mai kursierten unter Schülern schon vor der Prüfung als Foto bei Whatsapp. „Es waren die kompletten Aufgabenstellungen im Originalwortlaut bekannt“, bestätigte das Kultusministerium auf Nachfrage. Woher das Foto stammt, wisse man nicht. 

Frankenberg: Panne an Schule - Kultusministerium reagiert

Das Kultusministerium habe noch am Morgen des Prüfungstages vor Beginn der Klausur reagiert: „Die Schulen wurden per Mail aufgefordert, die Aufgaben im Fach Deutsch zu tauschen.“ Zunächst hieß es vom Ministerium, keinem Schüler sei ein Nachteil entstanden.

 Doch an der Hans-Viessmann-Schule kam es zu einem folgenschweren Fehler: „Die Schulleitung hat nicht, wie per Erlass vorgeschrieben, regelmäßig alle 15 Minuten das Postfach abgerufen. Daher ist der Tausch der Aufgaben dort nicht vorgenommen worden“, teilte das Ministerium nun mit. Von weiteren Schulen sei dies nicht bekannt. Die

Frankenberg: Nach Schul-Panne - Schüler ärgern sich

Schulleitung der Hans-Viessmann-Schule verwies auf unsere Nachfrage an das Staatliche Schulamt in Fritzlar, das wiederum an das Ministerium. Aus Wiesbaden hieß es dazu: „Die Schule wurde am Prüfungstag nach Bekanntwerden des Fehlers aufgefordert, die geschriebenen Prüfungsaufgaben sicher zu verwahren. Von der Schule wurden Berichte angefordert, um zu analysieren, wie es zu dem Fehler kommen konnte. Danach wurde ein Erlass versendet, der ein Nachschreiben vorsah.“ Termin dafür ist Freitag, 5. Juni. 

Laut einem Schüler, der anonym bleiben möchte, seien in Frankenberg etwa 70 Fachoberschüler aus drei Klassen plus weitere aus den Techniker-Klassen betroffen. Die Schüler ärgere, dass sie nun für Fehler anderer bestraft würden. Ein Schüler versicherte, dass keiner von ihnen vorher von den Prüfungsaufgaben gewusst habe. 

Wegen der Corona-Einschränkungen herrschten derzeit ohnehin besondere Prüfungsbedingungen, durch die Nachschreibe-Klausur werde der psychische Stress nun nochmals erhöht, sagte ein Schüler. Die Abschlussklassen aus Frankenberg haben deshalb beim Kultusminister Einspruch eingelegt und bitten, die geschriebene Klausur vom 15. Mai anzuerkennen.

Schul-Panne in Frankenberg: Schüler schreiben an Kultusminister

Nach der Panne bei der Deutsch-Abschlussprüfung an der Fachoberschule der Hans-Viessmann-Schule haben sich die betroffenen Frankenberger Abschlussklassen mit einem gemeinsamen Schreiben an Kultusminister Alexander Lorz gewandt und Einspruch gegen eine Wiederholung der Klausur eingelegt. 

Die Prüfung nochmal schreiben zu müssen, sei für sie „absolut unangemessen und unverhältnismäßig“. Und die Frankenberger Schüler versichern dem Kultusminister, dass sie von den vorab bekannt gewordenen Prüfungsaufgaben nichts gewusst hätten. Sie seien sogar bereit, dies an Eides statt zu erklären.

Frankenberg: Aufgaben tauchten in WhatsApp-Gruppe auf

Sämtliche Prüfungsaufgaben waren schon vor Beginn der Prüfung in einer Whatsapp-Gruppe aufgetaucht: als Foto von einer Tafel, die die Prüfungsfragen zeigt. Deshalb hatte das Ministerium alle Fachoberschulen in Hessen an dem Morgen etwa 40 Minuten vor Prüfungsbeginn per E-Mail informiert und gebeten, die Ersatz-Klausur an die Schüler auszugeben. 

Das hätten auch 93 der 94 Schulen getan, nur die Hans-Viessmann-Schule habe es versäumt, das Postfach, an das die Korrekturmeldung versendet wurde, wie vorgeschrieben alle 15 Minuten abzurufen, teilte das Kultusministerium mit. Deshalb wurde an der Hans-Viessmann-Schule die nun beanstandete Prüfung geschrieben.

Schüler sauer nach Schul-Panne: „Die Leidtragenden sollen jetzt wir sein"

„Die Leidtragenden sollen jetzt wir sein, obwohl uns für das Versäumnis der Schule keinerlei Schuld trifft“, schreiben die Schüler in ihrem Brief. Einige Schüler haben sich auch persönlich an die HNA gewandt, allerdings anonym, weil sie sonst schulische Nachteile befürchten. Es sei ihnen aber wichtig, „dass die Vorgänge an die Öffentlichkeit gelangen“, sagt ein Schüler. Die Schulleitung antwortete auf HNA-Nachfrage nicht, sondern verwies an das Schulamt, das wiederum an das Kultusministerium.

Die Schüler kritisieren nicht nur die Panne am Prüfungstag, sondern auch, wie danach mit dem Fehler umgegangen worden sei. Ein Schüler berichtet, dass schon direkt nach der vierstündigen Klausur Informationen „durchgesickert“ seien, „dass es wohl Probleme mit der Geheimhaltung“ der Aufgaben gegeben habe. Doch erst am 26. Mai, also elf Tage nach der Prüfung, seien die Hans-Viessmann-Schüler von der Schule per E-Mail informiert worden, dass sie am nächsten Tag zu einer Besprechung kommen sollten. Erst dort hätten sie erfahren, dass ihre Deutsch-Klausur wiederholt werden müsse.

Frankenberg: Prüfung soll noch einmal stattfinden

Die Prüfung soll nun am 5. Juni mit neuen Aufgaben nochmal geschrieben werden. Die Schüler befänden sich aber bereits im „Abschalt-Modus“, schreiben sie dem Kultusminister, denn ihre letzte Prüfung für das Fach-Abitur sei schon am 19. Mai gewesen. Und durch die Corona-Einschränkungen an den Schulen seien die Schüler in den Prüfungen ohnehin „extrem verunsichert“ gewesen, sagt ein Schüler der HNA. Viele würden sich auch Sorgen um ihren Ausbildungs- und Studienplatz machen.

Dass die Schüler mit ihrem Einspruch Erfolg haben werden, ist fraglich. Das Kultusministerium teilte auf HNA-Nachfrage mit, dass die Klausuren des Nachholtermins bewertet würden. Die geschriebenen Klausuren vom 15. Mai sind damit also wohl wertlos – selbst, wenn die Schüler die Aufgaben vorher nicht kannten.

Von Jörg Paulus

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