„Popelfrau“ ist willkommen

Frankenberger Ärztin: Corona-Schnelltests bei Kindern mit Behinderung kein Problem

Corona-Schnelltest an der Kegelbergschule: Die Kinder haben damit keine Probleme, sagt die Ärztin Babette Blotenberg aus Rennertehausen. Hier testet sie ihren Sohn Johannes. Für ein Foto mit einem anderen Kind hätte erst das Einverständnis der Eltern vorliegen müssen. 
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Corona-Schnelltest an der Kegelbergschule: Die Kinder haben damit keine Probleme, sagt die Ärztin Babette Blotenberg aus Rennertehausen. Hier testet sie ihren Sohn Johannes. Für ein Foto mit einem anderen Kind hätte erst das Einverständnis der Eltern vorliegen müssen. 

Die Ärztin Babette Blotenberg übernimmt die Corona-Schnelltests an der Frankenberger Kegelbergschule für Kinder mit geistigen und körperlichen Einschränkungen. „Es gibt dabei keine Probleme“, hält sie Querdenkern entgegen.

Frankenberg – „Ja, testen“ ruft der neunjährige Lukas und geht freudig auf Babette Blotenberg zu. Die Ärztin übernimmt die Corona-Schnelltests bei zirka 30 der 60 Schüler der Frankenberger Kegelbergschule, einer Schule mit Förderschwerpunkt geistige Entwicklung. „Die Kinder haben mit dem Testen keine Probleme, weder psychischer noch körperlicher Art“, hält die Ärztin Einwänden aus der Querdenker-Szene entgegen.

Babette Blotenberg ist ausgestattet mit Einweg-Handschuhen, FFP-2-Maske und Visier. Sie führt ein Teststäbchen in Lukas rechtes Nasenloch, dreht es an der Nasenwand entlang und zählt „1,2,3,4,5“, dann folgt das nächste Nasenloch und „fertig“. Strahlend läuft Lukas wieder zu den anderen.

Eine Klassenkameradin ist nicht so begeistert. Sie verzieht etwas das Gesicht, als ihre Betreuerin sie zum Test führt. Doch sie hält still. „Sie macht es nicht gerne, aber gut!“, lobt die Betreuerin.

Coronatests: Nicht alle Schüler können sie selbst machen

Seit das Hessische Kulturministerium im Frühjahr 2021 die Testpflicht an Schulen verhängt hat, ist die Ärztin an der Kegelbergschule im Einsatz. „Viele unserer Kinder mit geistiger und teilweise mehrfacher Behinderung sind nicht in der Lage, den Schnelltest selbst zu machen“, erläutert Schulleiter Harald Vogler. Das Testpatenprogramm, mit dem Schüler und Lehrer anfangs in die Tests eingeführt wurden, reichte für seine besondere Schule nicht aus. Aber mit dem Einsatz von Babette Blotenberg sei schnell eine Lösung gefunden worden.

Die 42-Jährige hat ihre Tätigkeit als Ärztin im Kreiskrankenhaus für die Betreuung ihres Sohns Johannes, der die Kegelbergschule besucht, aufgegeben. Da die Rennertehäuserin den Neunjährigen selbst in die Schule fährt, kann sie dort täglich Tests vornehmen. Haupttesttage sind Montag, Mittwoch und Freitag. Wenn ein Kind an einem dieser Tage nicht da war, testet sie es am nächsten. Denn das Ergebnis darf nach aktueller Coronabestimmung nicht älter als 48 Stunden sein. Die Tests erfolgen morgens. Die Kinder gehen erst in ihre Klassen, wenn das Ergebnis vorliegt.

Coronatest an Schulen: Skepsis der Eltern ist gewichen

Als die Testpflicht im Frühjahr eingeführt wurde, seien etliche Eltern skeptisch gewesen, hätten ihre Kinder aus Sorge zunächst gar nicht mehr in die Schule geschickt, schildert Babette Blotenberg. Mittlerweile sei das Testen ganz selbstverständlich. In Elterngesprächen und durch den guten Verlauf der ersten Testungen sei die Skepsis gewichen.

„Es ist wichtig, den Kindern keine Angst davor zu machen“, sagt Blotenberg. Anfangs gab es für die Schüler nach dem Test eine Belohnung: erst popeln, dann Smarties. Die Smarties seien nun meist gar nicht mehr nötig. Die Kinder freuten sich sogar, wenn die „Popelfrau“ kommt, wie sie Babette Blotenberg nennen. „Man darf und sollte den Kindern etwas zumuten. Die kommen gut damit zurecht“, sagt die Ärztin und Schulleiter Vogler pflichtet ihr bei. Für Lehrkräfte, die behaupteten, Tests seien schädlich, wie es an Schulen in Ernsthausen und Birkenbringhausen vorkam (HNA berichtete), haben sie keinerlei Verständnis.

Förderschule braucht fachliche Hilfe beim Testen

Die Testtätigkeit von Babette Blotenberg an der Kegelbergschule lief bis vor kurzem über ein zwischen dem Land Hessen und dem DRK abgeschlossenes Testpatenprogramm. Über den Frankenberger DRK-Kreisverband als lokaler Anbieter war die Arbeit von Frau Blotenberg versichert und sie bekam dafür auch ein Honorar.

Doch nun ist das Testpatenprogramm laut Schulleiter Harald Vogler leider ausgelaufen. Anders als an Regelschulen seien viele Kegelbergschüler aus geistigen oder körperlichen Gründen gar nicht in der Lage, sich selbst zu testen. Es sei zudem bei gesundheitlich stark vorbelasteten oder körperbehinderten Kindern von großem Vorteil, wenn, wie an der Kegelbergschule, eine medizinisch ausgebildete Fachkraft die Selbsttests begleitet und gegebenenfalls durchführt. Dass Lehrkräfte den Test bei Schülern machen, sei weder vorgesehen noch dienstrechtlich abgesichert. „Ein solcher Eingriff in den Körper sollte von medizinisch ausgebildeten Personal vorgenommen werden“, sagt Schulleiter Vogler.

Derzeit wird die Test-Tätigkeit über Spenden weitergeführt. Die Hessische Staatskanzlei habe dem Förderverein Kegelbergschule dafür 500 Euro überwiesen. „Zusammen mit dem Staatlichen Schulamt in Fritzlar arbeiten wir intensiv an einer Dauerlösung“, sagt Vogler. Er ist zuversichtlich, denn der Bedarf sei nun bei den Verantwortlichen bekannt.

Der Schutz der Kinder werde an dieser besonderen Schule sehr ernstgenommen, betont er. Das sei wichtig, denn bei der Betreuung der Kinder könnten Abstandsregeln gar nicht eingehalten werden. „Im schulischen Bereich versuchen wir alles, was möglich ist. Das Lehr- und Betreuungspersonal ist zu 97 Prozent geimpft. Das häusliche Umfeld können wir jedoch nicht im Blick haben“, sagt Vogler.

Und dass, wie kürzlich, ein in der Betreuung Eingesetzter sich trotz Impfung und eingehaltener Testpflicht übers Wochenende als infiziert herausstellte, das lasse sich leider nicht verhindern.

Dass immer genug Testsets zur Verfügung stehen, darum kümmert sich Stufenleiter Mike Möller. „Das ist viel Verwaltungsaufwand“, würdigt Vogler die Arbeit des Lehres. (Martina Biedenbach)

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