Interview mit Brigadegeneral Peter Richert

Frankenberger Eloka-Bataillon steht unter neuem Kommando 

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Neues Fahnenband für die Frankenberger Truppenfahne: Brigadegeneral Peter Richert (links) und der Frankenberger Kommandeur, Oberstleutnant Meik Kotthoff. 

Frankenberg. Die Soldaten des Frankenberger Eloka-Bataillons wurden zum 1. Juli dem Kommando „Cyber- und Informationsraum“ unterstellt. Mit Brigadegeneral Peter Richert ist nun zum ersten Mal ein General Kommandeur aller Eloka-Truppen.

Wir sprachen mit Richert über Hintergründe und mögliche Folgen dieses Wechsels.

Herr General, Sie waren von 2003 bis 2005 Kommandeur der Burgwaldkaserne. Welche Erinnerungen haben Sie an diese Zeit?

Peter Richert: Ich erinnere mich an eine hoch spannende und sehr motivierende Zeit. Ich hatte als Bataillonskommandeur ein leistungsfähiges Team mit engagierten Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen. Wir haben in dieser Zeit permanent die Einsätze in Afghanistan und Bosnien-Herzegowina unterstützt. Überschattet ist die Kommandeurszeit in Frankenberg durch den Terroranschlag vom 7. Juni 2003 mit vier Gefallenen und 29 Verwundeten. Das kriegt man nicht mehr aus dem Kopf heraus und ich denke noch oft an die Betroffenen und ihre Familien.

Zum Zeitpunkt der Bundeswehr-Reform 2011 waren knapp 1100 Soldaten in Frankenberg stationiert. Wie viele sind es heute?

Richert: Nach heutigem Stand sind rund 700 Soldaten in der Burgwaldkaserne stationiert. Es hat eine Auftragsverlagerung gegeben. Andere Bataillone haben Aufgaben übernommen. Die rund 700 Soldaten in Frankenberg sind für die Sicherstellung unseres Auftrages unendlich wichtig.

Wie erklären Sie einem militärischen Laien den Auftrag eines Eloka-Bataillons?

Richert: Ich sehe drei wesentliche Aufgaben: Das eine ist die Schutzfunktion. Mit den Aufklärungsergebnissen ist es möglich, Soldaten im Einsatz vor Gefahren zu warnen und zu schützen. Das Zweite: Mit den Aufklärungskräften aus dem Bereich der Eloka ist es möglich, ein Lagebild zu erzeugen, das den eingesetzten Kräften ermöglicht, Entscheidungen zu treffen und ihre Operationen zu planen. Das Dritte ist ein Wirk-Anteil. Das Bataillon verfügt über Systeme, mit denen zum Beispiel Funkverbindungen gestört werden können, um die Führungsfähigkeit eines potenziellen Gegners zu beeinträchtigen und so gegebenenfalls eigene Kräfte schützen zu können.

Die Soldaten des Eloka-Bataillons 932 wurden zum 1. Juli dem Kommando Cyber- und Informationsraum unterstellt. Was ändert sich dadurch?

Richert: Bisher war das Eloka-Bataillon der Streitkräfte-Basis unterstellt. Aufgrund der besonderen Bedeutung der Digitalisierung und der Dimension Cyber hat die Verteidigungsministerin entschieden, einen neuen, eigenständigen Organisationsbereich zu schaffen.

Cyber bedeutet, Angriffe durch Computer-Viren oder Trojaner abzuwehren?

Richert: Der Cyberraum ist der virtuelle Raum aller weltweit auf Datenebene vernetzten IT-Systeme, zum Beispiel im Internet. Sie wissen, was Sie tun müssen, um ihren privaten PC vor Angriffen zu schützen, indem Sie einen Virenscanner oder eine Firewall einsetzen. Das gilt vergleichbar auch für die Bundeswehr-Netze. Die Bundeswehr hat ein sehr großes IT-Netz. Dieses gilt es zu schützen. Das machen wir vergleichbar mit einer Firewall.

Stimmt es eigentlich, dass selbst Offiziere in der Kaserne das Handy abgeben müssen? Ist die Arbeit hier in Frankenberg so geheimnisvoll?

Richert: Jedes Handy kann allein durch seinen Aufbau von außen abgehört werden. In Räumlichkeiten, in denen geheime Unterlagen bearbeitet werden, dürfen Sie keine Handys dabei haben. Das gilt bei jeder Dienststelle der Bundeswehr. In anderen Bereichen der Kaserne haben wir alle unsere Handys dabei.

Was die Besonderheit des Eloka-Standorts Frankenberg ist und, ob sich durch das neue Kommando etwas am grundsätzlichen Auftrag des Frankenberger Bataillons ändert, lesen Sie in der Mittwochausgabe.

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