Freya Ziegler wünscht sich weniger Bürokratismus

Frankenberger Friseursalon versucht vergeblich, Corona-Teststation zu werden

Sie ist bereit: Friseurmeisterin Freya Ziegler (rechts) bietet in ihrem Salon in Frankenberg Corona-Schnelltests an und möchte auch als offizielle Teststelle anerkannt werden. Hier mit ihrer Mitarbeiterin Paula Koch.
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Sie ist bereit: Friseurmeisterin Freya Ziegler (rechts) bietet in ihrem Salon in Frankenberg Corona-Schnelltests an und möchte auch als offizielle Teststelle anerkannt werden. Hier mit ihrer Mitarbeiterin Paula Koch.

Ein Frankenberger Friseursalon möchte als offizielle Corona-Teststation anerkannt werden, scheitert bislang aber an Bürokratismus.

Frankenberg – Freya Ziegler versteht die Welt nicht mehr: Die Frankenberger Friseurin kämpft seit mehreren Wochen darum, dass ihr Salon in der Untergasse als offizielle Corona-Schnellteststation anerkannt wird. Vergeblich.

Unzählige Telefonate mit dem Gesundheitsamt und entsprechende Anfragen seien erfolglos verlaufen. Mit einer „testenden Friseuse“ seien die Mitarbeiter beim Landkreis anscheinend überfordert, kritisiert sie.

„Mir geht da ehrlich gesagt so langsam das Verständnis aus. Zu Anfang hatte ich wirklich gedacht, es würden sich alle freuen, wenn ich Eigeninitiative zeige“, sagt Freya Ziegler gegenüber der HNA. Nach einer entsprechenden Schulung habe sie den Sachkundenachweis, dass sie medizinische Tests (keine Laientests) einkaufen und auch verwenden dürfe.

„Mittlerweile betreiben mehrere Kollegen von mir ein Testzentrum, und zwar aus reinem Idealismus. Selbst wenn man über die Kassenärztliche Vereinigung abrechnen kann, verdient man damit kein Geld“, betont sie. Es gehe dann halbwegs null auf null auf. „Mein Wunsch wäre, dass der Landkreis diese Idee einfach mal mit mir bespricht. Diese Unflexibilität in Verbindung mit einer Pandemie ist total unpassend. Hier wäre doch schnelles, unbürokratisches Handeln oberstes Gebot.“

Ihrer Ansicht nach ist es sinnvoll, den Bürgern das Testen so niedrigschwellig wie möglich anzubieten. „Es sind doch ohnehin alle genervt. Wenn man Menschen erst noch zu einem anderen Termin schickt, um sich testen zu lassen, werden sie dazu neigen, Dinge lieber nicht wahrzunehmen.“

Sie verstehe auch die Haltung des Landkreises nicht. „Das Testen ist ja wirklich kein Geschäftsmodell. Mein Geld verdiene ich mit meinem Beruf. Das Testen ist für mich im Moment das Gegenteil – es kostet mich Geld. Ich hatte innerhalb eines Geschäftsjahres meinen Betrieb 17 Wochen auf Anordnung geschlossen, dennoch war ich bereit, noch einmal zu investieren – in Schulung, Schutzkleidung, Arbeitsmaterial und Tests.“

Das sagt der Landkreis:

Antrag ist möglich - es gelten aber hohe Voraussetzungen

Auf unsere Nachfrage hat der Landkreis mitgeteilt: „Der Landkreis Waldeck-Frankenberg hat Zahnärzte, ärztlich oder zahnärztlich geführte Einrichtungen, medizinische Labore, Apotheken sowie Rettungs- und Hilfsorganisationen – auf Grund ihrer medizinischen Ausrichtung – per Allgemeinverfügung ermächtigt, als offizielle Teststellen kostenlose Bürgertests durchzuführen. Alle anderen Anbieter, die nicht zu diesen medizinischen Einrichtungen gehören, können einen Antrag beim Landkreis stellen, um diese Leistung ebenfalls anbieten zu dürfen. Hierfür sind hohe Voraussetzungen unter anderem zu Hygiene, Qualifizierung des Personals sowie entsprechende Räumlichkeiten erforderlich. Der Landkreis entscheidet dann im Einzelfall nach Prüfung über eine Beauftragung – und ob die Anbieter offizielle Teststelle werden dürfen. Nach den Regelungen der Bundes-Notbremse dürfen in offiziellen Teststellen durchgeführte Schnelltests als Nachweis genutzt werden – für beispielsweise den Besuch beim Frisör, der Fußpflege oder fürs Termin-Shopping.“

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