Bürgerforum der EU mit Jörg Näther

So gestaltet ein Frankenberger die Zukunft Europas mit

Zwei EU-Flaggen wehen im Wind.
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Konferenz zur Zukunft Europas: Eine gemeinsame Initiative des Europäischen Parlaments, des Europäischen Rats und der Europäischen Kommission

Jörg Näther ist Teil eines Bürgerforums der „Konferenz zur Zukunft Europas“. Hier wird in verschiedenen Bürgerforen über die zukunft Europas diskutiert.

Frankenberg - „Die Konferenz ist eine gemeinsame Initiative des Europäischen Parlaments, des Europäischen Rats und der Europäischen Kommission. Sie soll bis April 2022 die Leitlinien für die künftige Politik der EU erarbeiten. Die Bürgerforen sind ein wichtiger Teil der Konferenz“, heißt es in der offiziellen Pressemitteilung des Parlaments.

Wir treffen Jörg Näther an einem kalten Dezembermorgen zu einem Spaziergang durch Frankenberg. Der 53-Jährige spricht in den höchsten Tönen von der Europäischen Union.

Zufällig ausgewählte EU-Bürger

An den vier Bürgerforen nehmen 800 repräsentativ, aber zufällig ausgewählte EU-Bürger teil. Rund zwei Drittel seien unter 25 Jahre alt, erzählt Näther, „weil es ja um die Gestaltung der Zukunft geht.“ Pro Forum gibt es 27 deutsche Teilnehmer, dem Verhältnis des Anteils Deutschlands in der EU entsprechend. Jörg Näther ist einer von ihnen. Er ist Teil des Forums, das sich mit Fragen rund um Digitalisierung, Bildung, Kultur und Arbeit beschäftigt.

Jörg Näther aus Frankenberg nimmt an der Konferenz zur Zukunft Europas teil.

Der 53-Jährige, der als Event- und Projektmanager bei der Stadt Frankenberg arbeitet, bekam irgendwann einen Anruf aus Bonn, dass das Los auf ihn gefallen sei. Er sagte zu. „Die Gruppen sind durchmischt, was hochspannend ist, weil man mit Leuten zusammenkommt, mit denen man so nichts zu tun hat.“

Die Treffen

Das erste Treffen fand im September in Straßburg statt. Dort wurden Thesen zur Zukunft Europas aufgestellt. Etwa, dass alle Schulabschlüsse EU-weit vereinheitlicht werden sollten. Die Thesen wurden von den Mitgliedern nach Bedeutung gewichtet. „Es gab auch Thesen, die sich nicht bewahrheitet haben. Die flogen dann raus.“

Die fünf Thesen mit der höchsten Bewertung schafften es bis zum zweiten Treffen. Das fand coronabedingt virtuell statt. Die Teilnehmer führten nun eine Diskussion, ob die aufgestellten Thesen belast- und begründbar sind. Für eventuelle Probleme standen den Teilnehmern immer ein Teamleiter sowie Experten zur Verfügung. Die Diskussionen wurden von Dolmetschern begleitet, damit sich die Teilnehmer der 27 EU-Mitgliedstaaten verständigen konnten.

Das dritte und letzte Treffen sollte eigentlich am ersten Dezember-Wochenende in Dublin stattfinden, es wurde wegen Corona auf Anfang des kommenden Jahres verschoben. Dann wird es vor allem um die Konkretisierung der Ideen gehen, sodass daraus Arbeitsweisen erwachsen können, erklärt Näther.

Kontakt zur Politik

Pro Forum stehen 20 von den Teilnehmern gewählte Vertreter in ständigem Kontakt zu den Politikern. Diese wiederum sollen die Ergebnisse der Bürgerforen als Arbeitsauftrag im EU-Parlament aufnehmen. Es sei versprochen worden, dass die Europäischen Institutionen den Empfehlungen dieser Foren bei der Planung der künftigen Politik Europas folgen.

Positive Zwischenbilanz

Jörg Näther zieht eine positive Zwischenbilanz über seine bisherige Teilnahme. „Hierdurch ist mir zum ersten Mal die europäische Idee richtig klar geworden. Man bekommt mit, was Europa bedeutet – auch mit all seinen Problemen.“ Und davon sieht Näther einige: Ihm sei durch seine Teilnahme klar geworden, dass die EU ein massives Marketing-Problem habe. „Die EU kann sich nicht verkaufen. Angebote müssen auch als Bringschuld verstanden werden“, sagt Näther. Viele EU-Bürger wüssten gar nicht, welche Angebote es in der EU gebe. Da müsse dringend nachgebessert werden, damit die Angebote auch ankommen, findet er.

Teilweise sei die Organisation der Treffen etwas chaotisch gewesen, resümiert Näther. Vermutlich, weil es die erste Durchführung eines Projektes dieser Art auf EU-Ebene sei. Die organisatorischen Schwierigkeiten nimmt er jedoch in Kauf: „Leibhaftig zu erleben, wie ein Gesetz auf EU-Ebene entsteht, ist hochspannend.“

Teilnahme in Freizeit absolviert

Unser Rundgang durch Frankenberg ist beendet. Auch nach beinahe zwei Stunden des Erzählens merkt man Jörg Näther seine Begeisterung für das Projekt an. Die Teilnahme an dem Bürgerforum habe er in seiner Freizeit ohne Sonderurlaub absolviert. Er sei nun so motiviert, Veränderungen zu bewirken, dass er sich aktuell zum Klima- und Umweltmanager weiterbilden lasse. Die Fortbildung bezahle er aus eigener Tasche.

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