Konzert mit Orchester und Solisten in Liebfrauenkirche

Frankenberger Kantorei begeisterte mit Händels "Messiah"

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Der finale Höhepunkt: Das große Halleluja mit den Solisten (rechts im Bild).  

Frankenberg. Händels Oratorium „Messiah“ gilt als eines der wichtigsten Werke der abendländischen Kirchenmusik. Die Kantorei der Frankenberger Liebfrauenkirche hat es am Sonntag als großes Konzertereignis in der vollbesetzten Kirche aufgeführt – mit Kammerorchester und den Gesangssolisten

Mit mehr Messiah als andernorts verwöhnte die Kantorei der voll besetzten Liebfrauenkirche die Zuhörer. Zuhörer, die in erster Linie wegen Georg Friedrich Händels großem Halleluja gekommen waren, mussten sich allerdings 100 Minuten gedulden, wurden am Ende für intensiven Beifall aber auch mit der Wiederholung des Publikumsfavoriten belohnt, die noch einmal eine klare Steigerung in Sachen Halleluja bedeutete.

Auf dem Weg zum bekanntesten Höhepunkt lagen zudem jede Menge kaum minder populäre Klassikhits, die keineswegs durchgehechelt wurden. Nils-Ole Krafft hatte seinen Schwerpunkt klar auf der differenzierten Ausdeutung des Gehalts durch das Kammerorchester, den Chor und die Solisten gelegt. Damit verweigerte sich der Bezirkskantor aktuellen Barock-Trends und bot Innigkeit statt Athletik. In seiner feinsinnigen Interpretation, der die Partitur mit viel Liebe zum Detail ausdeutete, bekam jede Station ihren bezeichnenden Moment im Gesamtgefüge des dreiteiligen Oratoriums. Verheißung/Geburt, Passion und Erlösung bilden die thematischen Schwerpunkte. Bot die Hirtenmusik, dem Kammerorchester eine musikalische Idylle als Spielraum, so konnte die Kantorei der Liebfrauenkirche die Zuhörer mit dem vollen Klagegehalt der Passionsmusik zu Beginn des zweiten Teils erschüttern. Das Kontrastprogramm zu zahlreichen vertrackten Fugen glänzen, die der Chor ebenfalls mit Bravour bestand.

Ein hervorragend ausbalanciertes Solistenquartett passte hervorragend ins differenzierte Klangbild und nutzte die Vorlagen aus dem Orchester zum gelungenen Gesamteindruck. Für das einleitende Rezitativ und die bekannte Arie „Every Valley shall be exalted“ konnte Shawn Mylnek seine Noten sogar am Platz lassen. Der warme Kern in der höhensicheren Stimme verlieh gerade den tröstlichen Partien große Überzeugungskraft. Der Bass kam in der aufgeführten Version vergleichsweise wenig zum Einsatz; Timon Führ nutzte die Gelegenheit, jeder Arie ihr eigenes Gepräge zu geben.

So klang im ersten Teil bei „The People that walked in Darkness“ eher Mitleid mit den Menschen an, denen der Erlöser noch nicht erschienen war. Dagegen ließ der Bassist in der zweiten Arie dem Zorn beim Toben der Völker zur agitato-Begleitung der Streicher freien Lauf und gestaltete das jüngste Gericht zum Triumph.

Die strahlenden Trompetenklänge aus dem Orchester gaben der letzten Arie das Gepräge eines Gipfelmoments. Mit engelsgleicher Klarheit der Stimme und absolut vibratofreiem Vortrag konnte Vanessa Katz die Sympathien der Zuhörer für sich gewinnen und hielt die Aufmerksamkeit stets hoch.

Sopranistin Marion Clausen steuerte die leidenschaftlicheren Momente bei und bildete in Sachen Temperament das Gegengewicht. Ihre Intensität kam der Interpretation der Arie „I know that my Redeemer liveth“ (Ich weiß, dass mein Erlöser lebet) zugute.

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