Mut und Weitblick in vier Generationen

Frankenberger Modehaus Heinze feiert sein 125-jähriges Bestehen

Reicher Girlandenschmuck zum Kaisergeburtstag: So präsentierte die Gründergeneration mit Heinrich und Christiane-Luise Heinze im Jahr 1913 ihr stattliches Wohn- und Geschäftshaus, heute Neustädter Straße 41. Damals wurden im Laden mit einem Schaufenster Manufakturwaren und Zigarren verkauft.
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Reicher Girlandenschmuck zum Kaisergeburtstag: So präsentierte die Gründergeneration mit Heinrich und Christiane-Luise Heinze im Jahr 1913 ihr stattliches Wohn- und Geschäftshaus, heute Neustädter Straße 41. Damals wurden im Laden mit einem Schaufenster Manufakturwaren und Zigarren verkauft.

Das Frankenberger Modehaus wird 125 Jahre alt. Auch durch ein Großbrand ließ sich die Familie Heinze nicht entmutigen.

Frankenberg – Am 1. Oktober 1896 wurde beim „Königlichen Amtsgericht“ in Frankenberg der Kaufmann Heinrich Heinze ins Firmenregister eingetragen. Er war aus Vöhl zugezogen, hat sich in einer Anzeige dem „geehrten Publikum bestens empfohlen“ und „um geneigten Zuspruch und ein gütiges Wohlwollen“ gebeten. Es war der Beginn einer in Frankenbergs Geschäftswelt einzigartigen Erfolgsgeschichte:

An diesem Wochenende kann das traditionsreiche, heute in vierter Generation familiengeführte Modehaus Heinze in der Neustädter Straße 41 sein 125-jähriges Bestehen feiern.

Die aktuelle Botschaft an das „geehrte Publikum“ zum Jubiläumsfest: „Seit 1896 haben Sie uns in all den Jahren auf unserem Weg durch Höhen und Tiefen begleitet und standen stets mit ihrer Treue und Verbundenheit an unserer Seite. Dafür sagen wir im Namen des gesamten Teams und der Familie Heinze ganz herzlich Danke“, so Firmenchef Hans-Heinrich Heinze. Mit vielen Angeboten und einem Rabatt von 20 Prozent auf alle Artikel bis zum 6. November wolle man dieses Ereignis mit den Kunden gebührend feiern.

Zunächst führte Heinrich Heinze (I) das Geschäft im Haus Nr. 428, so wie er es 1896 von Kaufmann Georg Vöhl übernommen hatte, als Gemischt- und Manufakturwarengeschäft weiter. Als es 1928 in die Hände seines Sohnes Heinrich Heinze (II) überging, spezialisierte der sich bereits auf den textilen Einzelhandel und erkannte schon früh die Bedeutung eines Fachgeschäfts mit gut ausgebildetem Personal und kompetenter Beratung.

Vierte Generation: Heute führen Hans-Heinrich Heinze und seine Schwester Christiane, tatkräftig unterstützt von ihrer Mutter Margrit Heinze, das Modehaus Heinze.

Dazu gesellten sich 1963 in der dritten Generation mit Heinrich Heinze (III) und seiner Ehefrau Margrit ausgesprochen unternehmerischer Mut und Weitblick: Sie erwarben das angrenzende Haus des Kaufmanns Wilhelm Mund, legten 1976 den Grundstein für das heutige Modehaus Heinze und ernteten viel öffentliches Lob für ihren Schritt in die moderne Zeit. Eine kleine Sensation war, als Margrit Heinze die erste Mode-Boutique in Frankenberg eröffnete und erstmals zu öffentlichen Modeschauen einlud. Einer der Glanzpunkte 1985 in der Kulturhalle: Stargast Roy Black mit seinem Hit „Ganz in Weiß“.

1989 trat Sohn Hans-Heinrich (IV) in das Unternehmen ein. Unter seiner Regie erfolgten weitere Um- und Ausbauten, beim Schaufenster-Wettbewerb des Kaufmännischen Vereins siegte das Modehaus Heinze.

Alles lief gut - bis zu dem schweren Rückschlag im März 2001, als kurz vor Eröffnung eines zukunftsweisenden Umbaus Geschäfts- und Wohnhaus der Familie Heinze durch ein Flammeninferno total zerstört wurde. Wie durch ein Wunder kamen in der eng bebauten Neustadt weder andere Gebäude noch Personen zu Schaden.

Über Nacht alles zerstört: Von der Brandkatastrophe im März 2001 ließ sich die Familie Heinze nicht entmutigen und baute völlig neu auf. Schon im Oktober 2002 war die Einweihung.

Mit viel Mut, starkem Willen und Vertrauen entschied sich die Familie Heinze für den Neubau eines der modernsten Häuser in Nordhessen. „Gemeinsam wurde angepackt. Der Großbrand hat die Generationen in unserem Haus zusammenrücken lassen“, erinnert sich heute Seniorchefin Margrit Heinze. Sie steht ihren Kindern Hans-Heinrich und Christiane Heinze auch heute im Modegeschäft immer noch zur Seite, wenn Rat gebraucht wird. Nach dem Wiederaufbau 2002 zog als starker Partner auch das Schuhhaus Heinmüller im 2. Obergeschoss ein.

Mit einem großen Erweiterungsbau wuchs das Kaufhaus 2009 weiter. Das prächtige Fachwerkgebäude mit Balkenresten des ehemaligen Rathauses der Neustadt wurde erworben und restauriert, es entstand ein „Herren-Trend-Haus“ mit eleganter Business-Lounge. Auf der ständig erweiterten Verkaufsfläche wuchs ein breit gefächertes Sortiment mit besonderen Marken wie Boss oder MANGO als Alleinstellungsmerkmal. Als 2019 die Corona-Pandemie eine vorübergehende Schließung des Modehauses erzwang, waren wieder Mut und Kreativität gefragt. Neue Wege wurden mit „Click & Meet“ und Online-Handel erschlossen. Im April 2021 standen schließlich den Kunden wieder alle Türen offen, sogar mit eigener, offizieller Corona-Teststelle. Das Bistro „Café ModeRN“ wurde komplett neugestaltet. Von Karl-Hermann Völker

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