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Frankenberger Pfingstmarkt: Schaustellerpfarrer Drewes für 30. Gottesdienst geehrt

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Von: Karl-Hermann Völker

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Mit dem Herzen in Frankenberg: Bürgermeister Rüdiger Heß ehrte den Schaustellerpfarrer Volker Drewes, der am Pfingstsonntag seinen 30. Gottesdienst im Festzelt beim Frankenberger Pfingstmarkt hielt.
Mit dem Herzen in Frankenberg: Bürgermeister Rüdiger Heß ehrte den Schaustellerpfarrer Volker Drewes, der am Pfingstsonntag seinen 30. Gottesdienst im Festzelt beim Frankenberger Pfingstmarkt hielt. © Karl-Hermann Völker

Schaustellerpfarrer Volker Drewes hielt seinen 30. Gottesdienst auf dem Frankenberger Pfingstmarkt und wurde dafür von Bürgermeister Heß geehrt.

Frankenberg – Das Kreuz und brennende Kerzen im Festzelt, statt eines Altarbehangs ein Karussellpferdchen, davor ein Pfarrer im Talar, der auf der Drehorgel zum Gottesdienstbeginn „Von guten Mächten wunderbar geborgen“ spielt - diesen Moment der besonderen Begegnung mit dem Schaustellerpfarrer Volker Drewes (Bad Hersfeld) kennen die Frankenberger nun schon seit 30 Jahren. Für Bürgermeister Rüdiger Heß war dies am Pfingstsonntag der Anlass, Pfarrer Drewes im Anschluss an seinen 30. Pfingstmarkt-Gottesdienst in Frankenberg mit einer Ehrenurkunde und einem Geschenk besonders zu danken.

„Ich bin ein Stück Frankenberg geworden, wenn auch nicht hier lebend, aber doch in meinem Herzen“, hatte der Pfarrer zu Beginn des Gottesdienstes bei seiner Begrüßung gesagt. Und es war ihm die Erleichterung anzumerken, dass endlich wieder nach einer Corona-Zwangspause von drei Jahren eine solche Feier gemeinsam mit den örtlichen Kirchengemeinden und den Schaustellerfamilien stattfinden konnte. Nach dieser besonders harten Zeit, in der keine Feste und Märkte veranstaltet möglich waren, habe ihn der Anblick von fröhlich feiernden Menschen im Festzelt am Auftaktabend des Pfingstmarktes besonders glücklich gemacht.

Während dieser Krisenzeit war der Dienst von Volker Drewes, offiziell als „Beauftragter für Circus- und Schaustellerseelsorge der Evangelischen Landeskirche von Kurhessen-Waldeck“, weiter gegangen. Eigentlich ist er ja schon pensioniert, aber er betreut die ihm schon seit vielen Jahren vertraute, fahrende Gemeinde ehrenamtlich weiter, hörte in der Pandemiezeit auf die großen Sorgen der Schausteller, freute sich aber auch über „erstaunlich viele Taufen“. In sein Schausteller-Gebet beim Frankenberger Pfingstmarkt schloss Drewes „besonders die Jugend, die Einsamen und diejenigen, die vom Glück benachteiligt sind“ ein.

Bürgermeister Heß würdigte in seiner anschließenden Ehrung gerade diese Eigenschaft von Pfarrer Drewes, „Nöte zu sehen, in Seelsorge Leid und Freude mit Menschen zu teilen“.

In seiner Predigt stellte der Geistliche dem Vergnügen im Autoscooter („mit anderen zusammenstoßen, Kontakt finden, ohne Pflichten zu übernehmen“) das Bild vom „Steuerrad des Lebens“ gegenüber. Drewes forderte die Christen auf, gerade jetzt „im Meer der Unwägbarkeiten“ Verantwortung zu übernehmen, dabei Gottes Geist als Lotse zu erfahren und für Gemeinschaft und Frieden zu beten. Dekanin Petra Hegmann, die ihm als Liturgin im Gottesdienst zu Seite stand, wünschte, dass der Geist Gottes an diesem Pfingstfest den Menschen helfe, neue Kraft, Liebe und Besonnenheit zu finden und in Frieden miteinander zu leben.

Festliche Bläsermusik des großen evangelischen Posaunenchors Frankenberg unter Leitung von Kantorin Beate Kötter begleitete den Gottesdienst am Sonntag im Festzelt mit etwa 200 Besuchern. Die kleine Drehorgel von Schaustellerpfarrer Drewes spielte zum Ausklang. Später zog er mit ihr noch einmal durch die Budengassen, vorbei an Fahrgeschäften und riesigen Lautsprecherboxen, immer gern zum Gespräch bereit. (Karl-Hermann Völker)

Hintergrund: Seelsorge für Schausteller

Die evangelische Circus- und Schaustellerseelsorge besteht seit über 70 Jahren und betreut 22 000 Gemeindemitglieder auf der Reise. Am 19. März 1996 wurde Pfarrer Volker Drewes offiziell von der evangelischen Kirche Kurhessen-Waldeck und der EKD zum Circus- und Schaustellerseelsorger berufen. Aber schon lange vorher hatte er als Pfarrer von Gudensberg erste Kontakte mit Schaustellerfamilien auf dem nahegelegenen Festplatz. Seit 1992 begleitete er regelmäßig die Schausteller auf dem Frankenberger Pfingstmarkt und in Alsfeld. Sein Markenzeichen ist die Drehorgel, mit der er die Gottesdienste auf den Volksfesten musikalisch untermalt. Daneben engagiert er sich für das Bad Hersfelder Lullusfest im Lullusfestverein. Außerdem ist er Ehrenmitglied im Schaustellerverband Kassel-Göttingen e.V.

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