Frankenberger Publikum bejubelte den Franzosen Alfons mit Puschelmikrofon

Ein alter, zerknautschter Fußball: TV-Kabarettist Alfons holte ihn aus der Ecke, als er von seiner Kindheit erzählte, und das Beweisstück wurde zur Reliquie. Foto: Völker

Frankenberg. „Ich bin Alfons“, sagt er, „und ich bin Franzose.“ Das reicht dem Frankenberger Publikum, um ihn wie einen alten Bekannten von nebenan zu begrüßen. Auch ohne sein Puschelmikrofon.

Das kommt erst später am Abend ins Spiel. Auf der Bühne der Ederberglandhalle gibt es erst mal politisches Kabarett, offenbar spontan. Das angekündigte Programm „Wiedersehen macht Freunde“ muss warten.

Und da zeigte sich, dass „Alfons“ alias Emmanuel Peterfalvi, 1967 in Paris geboren, mehr drauf hat als seine TV-Figur des Reporters, der seit den 1990ern mit französischem Akzent scheinbar unbeholfen mit Ulk-Befragungen manches deutsche Unwesen entlarvt. Er schäkerte mit den Frankenbergern, Zuspätkommer begrüßte er persönlich und hinten links entdeckte er eine Dame aus der Picardie.

Zudem bot er eine kurze Tour d’Horizon zwischen den Peinlichkeiten von Donald Trump und François Hollande, den Briefkastenfirmen und der Breite des Panamakanals, dem reichen Cello-Freund des „lupenreinen Demokraten“ Putin (Gerhard Schröder) und der Buch-Koproduktion der Finanzminister Wolfgang Schäuble und Michael Sapin – „Anders gemeinsam“.

Dann wurde es richtig französisch. Alfons hielt Rückblick auf seine Kindheit im 13. Pariser Arrondissement, wo Karussells noch echte Attraktionen waren. Er erzählte von seinen Schulfreunden Jérome und Jean-François, die er 20 Jahre nicht mehr gesehen hatte. Sie schwänzten den Sportunterricht mit Attest, gingen hinter dem Rücken der Politesse bei Rot über die Kreuzung („In Frankreich ist eine rote Ampel nur ein Vorschlag!“), erhielten mit ihrem Fußball Hausverbot im Rathaus und ließen sich von dem Obdachlosen Archimedes letzte Weisheiten verkünden. Einer von ihnen wurde später Bürgermeister, der andere Literat.

Dabei zeigte sich Peterfalvi auch als begabter Theaterspieler, der Vergangenheit mit viel Imagination in die Gegenwart holen und in Szenen voller Melancholie und Poesie umsetzen kann, akustisch untermalt durch einen Hauch von Musette oder seinen Beatles-Lieblingssong „Hey Jude“. Das Publikum summte ihn mit, als wäre es damals auch schon dabei gewesen.

Nicht nur die Deutschen nimmt der Satiriker auf den Arm, sondern auch die Franzosen, die zum Beispiel „überall ihren Müll hinterlassen“. Sprach’s und öffnete ein rauchendes Fass mit Warnaufkleber „Radioaktiv“. Oder zu einem Drogenversteck hinter der Deckenverkleidung: „In Deutschland würde das der Brandschutz gar nicht erlauben.“

Es gab am Schluss in der Ederberglandhalle jubelnden Beifall für Deutschlands Lieblingsfranzosen. Und als kleines Geschenk vom Gastgeber Kulturring eine Flasche Rotwein. Französischen.

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