Barbershops boomen

Friseurinnung Waldeck-Frankenberg diskutiert über Barbiere 

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Vier Fachkräfte: In den neuen Räumen in der Bahnhofstraße in Frankenberg sind (stehend von links) Yavuz, Mohammad, Deniz sowie Inhaber Battal Karacoban für die Kunden da.

Barbershops – Friseure für Männer, vor allem für den Bart – kannte man bisher vor allem aus Großstädten. Jetzt gibt es sie immer mehr auch bei uns auf dem Land. Auch die Friseur-Innung in Waldeck-Frankenberg hatte die Barbershops kürzlich auf der Tagesordnung.

Frankenberg – Der Barbershop von Battal Karacoban brummt: Nachdem der Friseurmeister, der sein Hauptgeschäft im Frankenberger Schnödeweg neben Thonet betreibt, erst im Februar einen zweiten Laden nur für Männer in der Röddenauer Straße eröffnet hatte, verlegte er diesen aus Platzgründen jetzt in die Bahnhofstraße 6, in Räume des ehemaligen Reformhauses Schulz.

„Ich habe innerhalb kurzer Zeit festgestellt, dass das in der Röddenauer Straße zu klein wurde, deswegen bin ich umgezogen mit dem Barbershop“, sagt der 44-jährige gebürtige Türke.

Der Laden sei am alten Standort „sehr gut“ gelaufen, obwohl er eher versteckt gewesen sei. „In Frankenberg spricht sich offensichtlich alles schnell rum“, sagt Karacoban. Von vorher 20 Quadratmeter habe er den Barbershop auf 80 Quadratmeter Fläche vergrößert.

Zu den Kunden gehören alle Altersklassen. Neu hinzugekommen ist eine Abteilung speziell für Kinder. „Dort gibt es Spielsachen und einen Fernseher“, sagt Karacoban. Mit den zwei neuen Kinderstühlen verfüge der Salon damit jetzt über sieben Plätze. „Seit November sind wir hier im Barbershop mit vier Mitarbeitern für die Kunden da.“

Das Besondere am Barbershop ist, dass die Männer keinen Termin brauchen. Zudem wird neben dem Haareschneiden ein „Rundumprogramm“ angeboten, das unter anderem Rasieren, Ohrhaare wegflämmen und Gesichtshaare entfernen umfasst. Der Laden sei nicht nur für Bartträger gedacht, wie manche denken würden, betont der Barbier.

„Das hat in Frankenberg gefehlt: Schnell reinkommen, Haare schneiden und wieder weg“, sagt Karacoban. Seine Zukunftsidee sei, dass die Kunden nicht länger als zehn Minuten warten müssen. „Ohne Termin heißt aber nicht, dass nur der Lehrling die Kunden bedient“, stellt der Friseurmeister klar.

Sein Motto sei: „Man muss immer anders sein als die anderen.“ So benutze er zum Beispiel eine spezielle Fadentechnik zur Haarentfernung oder flämme Gesichtshaare ab. „Ich will den Kollegen keine Kunden wegnehmen. Konkurrenz belebt das Geschäft.“

Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 9 bis 18 Uhr, Samstag 9 bis 14 Uhr. 

Über Barbershops wurde auch in der jüngsten Jahreshauptversammlung der Friseur-Innung Waldeck-Frankenberg diskutiert. Warum das Thema auf die Tagesordnung kam, erklärt der Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft, Gerhard Brühl.

„In letzter Zeit verzeichneten die Gewerbeämter vermehrt Betriebsgründungen, die den Barbershops zugeordnet werden können. Das kannten wir bisher nur aus den Ballungsräumen und ist jetzt auch auf dem Land angekommen“, sagt Brühl.

Angemeldete Barbershops dürften allerdings ohne Meistertitel oder Ausnahmegenehmigung keine Haare schneiden oder formen, sondern nur Barthaare schneiden oder sich um Bartpflege oder Gesichtspflege kümmern. „Dieses beschränkte Angebot ist dann auch in der Preisleiste anzugeben. Dies ist aber nicht immer der Fall, es werden hierbei auch Haarschnitte oder andere Dienstleistungen zusätzlich angeboten“, berichtet der Hauptgeschäftsführer.

„Wenn ein Barbier Dienstleistungen ausübt, die nicht mit dem angemeldeten Barbier-Gewerbe übereinstimmen, oder ohne Meistertitel oder Ausnahmegenehmigung arbeitet, dann wird das von den Friseuren als Wettbewerbsverzerrung in der Branche angesehen“, sagt Gerhard Brühl. „Auch diese Barbiere sind an Handwerksordnungen und Sozialgesetze gebunden. Einzelfälle sorgen deshalb in der Friseurbranche für Unmut.“ Zudem befürchteten die etablierten Friseure zusätzliche Konkurrenz. „Auf einem stagnierenden Markt, der ohnehin von Schwarzarbeit und Billigfriseuren gebeutelt ist, bedeutet jeder zusätzliche Wettbewerber, dass die Kuchenstücke kleiner werden und alteingesessene Betriebe möglicherweise verdrängt werden“, so Brühl.

Auf die Frage, ob sich Friseure generell anders aufstelen müssten, weil auch die Männer anspruchsvoller geworden sind, erwidert Brühl: Männer seien möglicherweise eine „in Vergessenheit geratene Klientel“ gewesen. Das hätten sich Barbiere zunutze gemacht.

„Es gibt Barbershops mit Meister-Qualifikation, die sich für einen echten Herrenhaarschnitt viel Zeit nehmen und dann eine entsprechend angepasste Vergütung verlangen. Das ist ein denkbares Geschäftsmodell. Angebot und Nachfrage regeln das.“

Es gebe auch potenzielle Kunden, die bereit seien, Geld für den Haarschnitt oder die Bartpflege zu investieren, die – je nach Perspektive – ja unterhalb oder oberhalb des Brillenbügels nicht aufhöre. 

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