Gehirn-Jogging mit Autorin Dorn und Moderator Scheck

Profis in der Präsentation von Literatur: Literaturkritiker Denis Scheck und Autorin Thea Dorn, beide auch gewiefte TV-Moderatoren, boten in Frankenberg eine ebenso niveauvolle wie amüsante Einführung in Dorns Roman „Die Unglückseligen“. Foto: Katharina Jaeger

Frankenberg. „Leute, feiert, lebt, lest ein gutes Buch, besauft Euch, aber zählt doch keine Schritte!" So der scherzhafte Appell von Thea Dorn beim Literarischen Frühling.

Mit einem furiosen Ritt durch die Literatur- und Geistesgeschichte der deutschen Romantik bis hin zu Entwicklungen der Gentechnik forderten Autorin Thea Dorn und Moderator Denis Scheck ihr Publikum in der Frankenberger Rathausschirn heraus. Geistreiche und witzige Einschübe der TV-Profis machten das Gehirn-Jogging dennoch zu einem Vergnügen.

Dabei ging es um ein todernstes Thema: das Sterben und die Unsterblichkeit. Thea Dorn las aus ihrem fulminanten Roman „Die Unglückseligen“. Darin trifft die Molekularbiologin Johanna Mawet, die nach genetischen Verfahren zur Erneuerung und damit zum Unsterblichkeit forscht, auf den 240 Jahre alten deutschen Philosophen und Physiker Johann Wilhelm Ritter, der die individualistische Haltung heutiger Wissenschaft kritisiert und - wie in der romantischen Epoche üblich - das sucht, „was alles eint“.

Die beiden Figuren werden im Roman ein Paar und geraten auch im alltäglichen Leben aneinander, zum Beispiel beim Weingenuss: Ihr reicht die Flasche Rotwein für eine ganze Woche, ihm nicht mal für einen Abend. Moderner Sport- und Ernährungswahn sind ebenso Thema wie Faust und der Teufel, Tod und Leben, Thea Dorn sagte deutlich, was sie von Armbändern mit Gesundheits-Apps hält: „Leute, feiert, lebt, lest ein gutes Buch, besauft Euch, aber zählt doch keine Schritte.“ Diesem Appell verpasste Moderator Scheck schnell den Namen „Frankenberger Deklaration“. Inhaltlich schloss er sich an.

Bei der Bewertung des wissenschaftlichen Fortschritts stand Scheck mit einer optimistischen Haltung der von Thea Dorn jedoch diametral gegenüber. Er sprach von einem „Zukunftsloch“, bedauerte, dass Erfindungen wie die Teletransportation (wie im Raumschiff Enterprise) noch auf sich warten ließen. Die Autorin hingegen betonte die Gefahr, dass „die Gentechnik alles umwälzen könnte, was Menschsein bislang bedeutet“.

„Was hat der Verfasserin diese Auseinandersetzung mit dem Tod gebracht?“. Die Antwort und weitere Informationen zum Literarischen Frühling in der gedruckten Montagausgabe der HNA Frankenberger Allgemeine

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