Gericht: 30 Arbeitsstunden nach Faustschlag

Frankenberger Land. Gegen Ableisten von 30 gemeinnützigen Arbeitsstunden hat das Amtsgericht Frankenberg ein Strafverfahren gegen einen 20 Jahre alten Mann vorläufig eingestellt.

Die Staatsanwaltschaft hatte dem jungen Mann vorgeworfen, einem anderen Mann im Februar mit der Faust ins Gesicht geschlagen zu haben. Weiterhin soll er an den folgenden Tagen mehrere Personen mit Handy-Nachrichten bedroht und beleidigt haben. Die Anklage lautete daher auf vorsätzliche Körperverletzung und Bedrohung in Tateinheit mit Beleidigung.

Der Mitschüler habe ihn „provoziert“ und seine Ex-Freundin „angemacht“, sagte der Angeklagte vor Gericht. Er habe seinen Mitschüler zur Rede stellen wollen. Dieser habe ihn jedoch am Kragen gepackt und gegen eine Wand geschleudert. „Ich habe mich verteidigt und ihm aufs Auge gehauen“, so der 20-Jährige.

Nach Verlesen eines Gutachtens über seine familiären Verhältnisse - Richterin Andrea Hülshorst hatte dafür die Öffentlichkeit ausgeschlossen - und einem intensiven Gespräch mit seinem Verteidiger Robert Ingenbleek und seinem Betreuer gestand der Angeklagte die Taten ein.

„Er hat überreagiert. Wenn er gereizt wird, hat er momentan keine andere Kompetenz der Konfliktlösung“, sagte Rechtsanwalt Ingenbleek. Auch die Bedrohungen und Beleidigungen per whatsApp bzw. sms seien passiert, „weil er sich nicht anders zu helfen wusste.“ Fazit des Verteidigers: „Es ist so passiert, wie es angeklagt ist.“

Nach diesem Geständnis verzichteten Richterin und Staatsanwältin auf die Vernehmung von sieben geladenen Zeugen. Alle Beteiligten verständigten sich auf eine Einstellung des Verfahrens, sofern der Beschuldigte 30 Stunden gemeinnützige Arbeit leistet.

„In der Fußballer-Sprache ist das eine gelbe Karte“, gab Richterin Andrea Hülshorst dem Angeklagten noch mit auf den Weg. (off)

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