Oft bestätigt sich erster Verdacht nicht 

Gewalt gegen Kinder in Waldeck-Frankenberg wird öfter gemeldet

Frankenberg. Beim Jugendamt des Landkreises Waldeck-Frankenberg sind 2016 deutlich mehr Hinweise auf Gefährdung von Kindeswohl eingegangen als im Vorjahr.  

Die Sensibilisierung der Bevölkerung für Kindesmisshandlung ist anscheinend gestiegen: 149 Mal ging im vergangenen Jahr beim Jugendamt im Landkreis Waldeck-Frankenberg die Meldung ein, dass das Wohl eines Kindes gefährdet sei. Das ist ein Anstieg um 31 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Allerdings: Nur in knapp 19 Prozent der Fälle hat sich der Verdacht bestätigt.

Besteht der Verdacht, dass das körperliche, seelische oder geistige Wohl eines Kindes gefährdet ist, muss das Jugendamt Gefährdungsrisiko und Hilfebedarf einschätzen. Während die Meldung solcher Gefahren stark zugenommen hat, ist die Zahl der Fälle, in der eine tatsächliche Gefahr vorlag, konstant geblieben. Sie lag bei 28 Fällen – ein Fall weniger als im Vorjahr. Dieser große Unterschied ist laut Landkreissprecher Dr. Hartmut Wecker darauf zurückzuführen, dass Meldende die Gefahr unterschiedlich einschätzen. „Ferner beruht eine Vielzahl von Meldungen auf Konflikten im sozialen oder familiären Umfeld des Kindes“, sagt Wecker. Eine Anzeige beim Jugendamt diene häufig nicht dem Kinderschutz, sondern werde dazu benutzt, Betroffene zu diskreditieren.

Der Grund für die Gefährdung war bei der Hälfte aller Fälle eine Vernachlässigung des Kindes, teilte der Landkreis mit. In zwölf Fällen wurde ein Kind körperlich misshandelt, in sechs Fällen seelisch. Sexuelle Gewalt gegen Kinder und Jugendliche war den Behörden 2016 nicht bekannt, 2015 gab es einen Fall.

44 Mal musste das Jugendamt im Landkreis im vergangenen Jahr ein Kind aus der Familie nehmen. Auch hier gab es einen Fall weniger als 2015. In den meisten Fällen war Überforderung der Eltern der Grund. Inobhutnahmen kommen auch ohne eine vorgehende Meldung der Kindeswohlgefährdung zustande, etwa wenn das Kind selbst diesen Wunsch äußert, erklärt Wecker.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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