Glockenturm kaputt: Hauberner müssen noch immer von Hand läuten

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Nicht mehr sicher: Um diesen, inzwischen über 50 Jahre alten, Glockenturm drehen sich die Diskussionen in Haubern. Der Turm steht direkt neben der Hauberner Kirche.

Haubern. Die Proteste der 417 Kirchenmitglieder in Haubern werden immer lauter: Auch an Heiligabend und an den Weihnachtsfeiertagen musste die Kirchenglocke des Dorfes per Hand geläutet werden.

Nun schon seit mehr als zwei Jahren kann der Glockenturm neben der Kirche nicht mehr genutzt werden - im Herbst 2014 hatten Fachleute festgestellt, dass die 50 Jahre alte Konstruktion des Turms mit seinem Holzaufbau nicht mehr sicher sei. Mehr als 20 Monate sind seither vergangen - getan hat sich seitdem nichts.

„Hier wird das Ehrenamt mit Füßen getreten“, regt sich der Hauberner Holger Pärnt über das Nichtstun der Landeskirche auf: „Überall werden Kirchen renoviert. Und bei uns passiert nichts. Dabei sprudelt die Kirchensteuer wie noch nie.“

Pärnt gehört zu denjenigen starken Männern, die die vor dem Gotteshaus provisorisch auf einem Holzgestell aufgehängte Kirchenglocke per Hand und ausschließlich mit Muskelkraft zum Klingen bringen - drei Mal bei jedem Gottesdienst. Zudem muss die schwere, gusseiserne Last zu jedem Gottesdienst aus der Kirche getragen und aufgehängt werden. Aus Sicherheitsgründen wird die Glocke im Gotteshaus aufbewahrt.

Ein Architekt hatte vor zwei Jahren festgestellt, dass die Sanierung des Glockenturms etwa 186 000 Euro kosten würde. Daran will sich die Landeskirche aber noch nicht beteiligen: Von der Kirchengemeinde Haubern solle zunächst ein kostengünstigerer Vorschlag gemacht werden, forderte die Landeskirche. „Mit dem Geld für das Gutachten hätte die Sanierung zum Teil schon bezahlt werden können“, meint Holger Pärnt. In Haubern wird vor allem das Gutachten des Architekten angezweifelt, einige Fachleute unter den Kirchgängern schätzen die Kosten für die Renovierung selbst auf einen wesentlich geringeren Betrag.

„Wir bekommen vom Landeskirchenamt immer neue Aufgaben gestellt“, kritisiert Hauberns Kirchenältester Jürgen Naumann. „Wir fühlen uns im Stich gelassen.“ Es sei grundsätzlich nicht Aufgabe des Kirchenvorstandes, nach Alternativen zu suchen, macht der Kirchenälteste deutlich. Die Worte Naumanns unterstreicht auch Claudia Ochse-Pärnt vom Kirchenvorstand: „Hier werden Arbeiten auf uns abgewälzt, die von Fachleuten gemacht werden müssen. Wir sind nur Laien.“ Für das Gebäudemanagement sei das Landeskirchenamt zuständig.

Aus eigenem Antrieb wurde vom Kirchenvorstand in Haubern inzwischen schon viel in Bewegung gesetzt: So hofft der Kirchenvorstand, zu Jahresbeginn einen Alternativvorschlag zu bekommen - und zwar in Form eines kostengünstigeren Glockenträgers. „Dann müsste der alte Glockenturm stillgelegt oder abgerissen werden und die Glocke in einen Glockenträger gehängt werden“, berichtet Jürgen Naumann. Ein Baubeginn steht für ihn aber noch in den Sternen: „Wir hoffen, dass im Sommer etwas passieren wird.“ Die Landeskirche müsse endlich einmal eine Entscheidung treffen. Naumann: „Für so eine große Kirchengemeinde ist es nicht normal, dass die Glocken nicht läuten.“

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