Ständige Impfkommission empfiehlt Vakzin bis Mitte Dezember

Grippe-Impfung auch in Waldeck-Frankenberg gefragt

Husten, Schnupfen, Kopfschmerzen: Eine junge Frau liegt zugedeckt auf einem Sofa in ihrer Wohnung und leidet unter einer Erkältung und hat zahlreiche Medikamente und Hausmittel wie Tee, Honig, Nasentropfen um sich aufgestellt.
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Husten, Schnupfen, Kopfschmerzen: Eine junge Frau liegt zugedeckt auf einem Sofa in ihrer Wohnung und leidet unter einer Erkältung und hat zahlreiche Medikamente und Hausmittel wie Tee, Honig, Nasentropfen um sich aufgestellt.

Vermutlich infolge der Corona-Pandemie wächst bei den Menschen in Hessen die Bereitschaft, sich auch gegen Grippe impfen zu lassen.

Waldeck-Frankenberg – Nach einer Untersuchung der Techniker-Krankenkasse ließ sich im Winter 2020/21 jeder Sechste gegen Grippe impfen. In den beiden Jahren zuvor war es nur jeder Neunte.

Besonders stark ist demnach die Nachfrage nach Grippeschutz-Impfungen in der Altersgruppe der Über-60-Jährigen. Vor dem Winter 2020/2021 ließ sich fast jeder zweite Über-60-Jährige gegen Influenza impfen; im Jahr zuvor nur jeder Dritte.

Ärzte in Waldeck-Frankenberg bestätigen die wachsende Nachfrage nach Grippe-Impfungen. Viessmann-Betriebsarzt Dr. Bernd Gömpel erwartet „etwa dreimal so viele“ Grippe-Impfungen wie im Vorjahr. Dabei muss man berücksichtigen, dass vor einem Jahr deutlich mehr Viessmann-Mitarbeiter Corona-bedingt mobil bzw. im Homeoffice gearbeitet haben.

„Es ist von einer starken Nachfrage auszugehen, da dieses Jahr zwei Impfstoffe zur Verfügung stehen: Einmal für Über- und einmal für Unter 60-Jährige. Momentan ist eine wachsende Nachfrage bei Patienten unter 60 Jahren zu verzeichnen“, berichtet Dr. Mahmoud Alsallal, Hausarzt in Diemelsee-Adorf.

„Wir gehen davon aus, dass sich die Nachfrage nach Grippe-Impfstoff um 50 bis 100 Prozent erhöht“, sagt der Frankenberger Hausarzt Stephan Eisfeld. Er erwartet für den Winter „eine starke Krankheitslast, weil wir alle aus dem Training sind und die Hygiene gelockert wird.“

Die Praxis Eisfeld-Sarac hat ihre Patienten frühzeitig gefragt, ob sie eine Grippe-Impfung wünschen. Ergebnis: Aus der Gruppe der Über-60-Jährigen gibt es rund 400 Anmeldungen, bei jüngeren Patienten etwa 200. Stephan Eisfeld: „Um dem Bedarf gerecht zu werden, richten wir Impftage ein, an denen wir nichts anderes machen.“

Wegen der coronabedingten Hygieneregeln war die Grippewelle 2020/21 quasi „ausgefallen“. Experten befürchten aber, dass unser Immunsystem nun weniger gut auf die Influenzaviren des Winters vorbereitet sein könnte. „In der kälteren Jahreszeit wächst die Gefahr, sich mit Grippe zu infizieren. Gerade ältere Menschen sollten sich rechtzeitig Gedanken über eine Impfung machen“, sagt Dr. Barbara Voß, Leiterin der TK-Landesvertretung Hessen. Die Ständige Impfkommission empfiehlt, sich zwischen Oktober und Mitte Dezember gegen Grippe impfen zu lassen.

Eine echte Virusgrippe (Influenza) ist keine einfache Erkältungskrankheit, sondern eine schwerwiegende Erkrankung. Insbesondere chronisch Kranke, Menschen ab 60 Jahren sowie Schwangere sollten sich impfen lassen, da bei diesen Bevölkerungsgruppen ein erhöhtes Risiko besteht, dass die Erkrankung schwerwiegende Folgen hat, schreibt die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung auf ihrer Internetseite.

Für medizinisches Personal sowie Bewohner von Alten- und Pflegeheimen gilt die Impfempfehlung gleichermaßen, da durch die Vielzahl enger Kontakte eine erhöhte Ansteckungsgefahr besteht.

Kleiner Piks: Ein Arzt impft eine Person gegen Grippe.

Nach einer Grippe-Schutzimpfung dauert es etwa 10 bis 14 Tage, bis der Körper einen ausreichenden Schutz vor einer Ansteckung aufgebaut hat. Die meisten Ärzte empfehlen eine Grippeschutz-Impfung in der Zeit von Ende Oktober bis Mitte Dezember. Aber auch eine spätere Impfung kann noch sinnvoll sein.

In diesem Winter gibt es den Sonderfall, dass die Influenza im vergangenen Jahr durch die zahlreichen Kontaktsperren und Hygienemaßnahmen im Zuge der Corona-Pandemie nahezu komplett „ausgefallen“ ist.

Der Frankenberger Hausarzt Stephan Eisfeld erwartet für den kommenden Winter „eine starke Krankheitslast, weil die Hygiene gelockert wird.“ Eisfeld geht davon aus, dass sich die Nachfrage nach dem Grippe-Impfstoff „um 50 bis 100 Prozent“ erhöhen wird.

Die meisten Arztpraxen verimpfen einen Vierfach-Impfstoff, der Schutz gegen vier verschiedene Virussubtypen bietet. Über 60-jährige Patienten erhalten in diesem Jahr ein besonderes Vakzin mit der vierfachen Antigenmenge (Hochdosisimpfstoff).

„Aus meiner Sicht ist die Grippeimpfung von medizinischem Personal besonders wichtig“, sagt Stephan Eisfeld. „Man muss davon ausgehen, dass die allgemeine Sterblichkeit von Patienten, die von nicht Grippe geimpften Personal betreut werden, um zehn Prozent höher ist, als die von Patientinnen und Patienten, die von grippegeimpftem Personal betreut werden.“

Der Frankenberger Hausarzt wirbt auch für Grippeimpfungen von schwangeren Frauen ab dem zweiten Trimenon, also der zweiten Schwangerschaftsphase.

Noch skeptisch ist Stephan Eisfeld bezüglich einer gleichzeitigen Impfung gegen SARS-CoV-2 und saisonale Influenza, die nach einer Studie aus England ebenfalls möglich wäre.

„Wir achten sehr darauf, einen zeitlichen Abstand von Grippe- und Coronaimpfung einzuhalten, weil die medizinischen Erfahrungen hier noch begrenzt sind“, sagt Stephan Eisfeld.  

Wer sollte sich gegen Grippe impfen lassen?

Personen ab 60 Jahren und Schwangere ab der 13. Schwangerschaftswoche sollten sich impfen lassen, empfiehlt Dr. Mahmoud Alsallal, Hausarzt in Diemelsee-Adorf. Weiterhin Menschen, die an Erkrankungen der Atmungsorgane, Stoffwechselkrankheiten (Diabetes), Hypertonie, Leber- oder Nierenkrankheiten, Herz- oder Kreislaufkrankheiten oder Immunschwächen leiden. Ratsam sei die Impfung auch für Bewohner von Altersheimen sowie medizinisches Personal. 

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