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Museum im Kloster Frankenberg eröffnete Philipp-Soldan-Ausstellung

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Von: Karl-Hermann Völker

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Alte Balkenköpfe, moderne Kunstwerke: Der Kreuzgang im ehemaligen Klosterdormitorium weckt derzeit auf Groß-Collagen mit strahlender Leuchtkraft viele kreative Assoziationen zu Philipp Soldans Originalen. Hier im Museum und im Haus am Geismarer Tor sind aber auch die Originale der Tse-Tse-Künstler zu sehen.
Alte Balkenköpfe, moderne Kunstwerke: Der Kreuzgang im ehemaligen Klosterdormitorium weckt derzeit auf Groß-Collagen mit strahlender Leuchtkraft viele kreative Assoziationen zu Philipp Soldans Originalen. Hier im Museum und im Haus am Geismarer Tor sind aber auch die Originale der Tse-Tse-Künstler zu sehen. © Karl-Hermann Völker

Seit dem Wochenende hat Philipp Soldan (1500-1570), der bedeutende Frankenberger Renaissance-Bildhauer, in seiner Heimatstadt nach dem Reformations-Jubiläum 2017 wieder einmal eine große Bühne: Eine „intensive Auseinandersetzung mit dem Ort einer künstlerischen Intervention, einen lebhaften Austausch zwischen Besuchern, der Kunst und den Künstlern“ – das wünschte am Samstag Dr. Birgit Kümmel, Leiterin des Museums im Kloster Frankenberg, als sie auf dem Klosterhof die Ausstellung der TSE-TSE-Gruppe „Philipp-Soldan-Projekt“ mit mehr als 40 Arbeiten eröffnete und die fünf beteiligten Künstler Petra Spielmann, Bastian Raiss, Hadi Knütel, Jörg Brandt und Sabine Reyer vorstellte.

Frankenberg – Bereits seit einigen Tagen hatte sich das Soldan-Projekt im öffentlichen Raum in Form großer Kultur-Cubes am Eder-Park mit Abbildungen von Kunstwerken ausgebreitet (HNA berichtete). Pünktlich zum Internationalen Museumstag am Sonntag wurden nun auch das Museum im Kloster und das Haus des Kunsttreffs am Geismarer Tor mit Originalen aus ganz unterschiedlichen Materialien und Präsentationsformen „bespielt“. Das Vernissage-Publikum empfand sie als kreativ und klug ausgewählt, inspirierend und voll kontextreicher Konfrontationen von Soldanschen Renaissance-Motiven mit modernen, großformatigen Bildschöpfungen voll wunderbarer Farbkraft.

„Die Welt der Renaissance war bunt, aber im Lauf ihrer Geschichte verloren die Kunstwerke ihre Farbigkeit“, erläuterte Kunsthistorikerin Kümmel. „Und nun finden sie die in anderer Form in Werken zeitgenössischer Kunst wieder, die auf die historischen Geschichten Bezug nehmen und ihre eigenen Geschichten erzählen. Ein breites Spektrum, das den Betrachter anregen möchte“, lobte Dr. Birgit Kümmel.

„Hier hat eine neue Perspektive begonnen“, meinte auch Landrat Jürgen van der Horst und deutete dabei bereits auf die in Vorbereitung befindliche Neukonzeption des ehemaligen Kreis-Heimatmuseums auf das Schwerpunktthema Philipp Soldan hin. „Diese Ausstellung ist ein spannendes Projekt!“ Bürgermeister Rüdiger Heß freute sich, dass der große Künstler und Namensgeber der Stadt in diesem Kulturangebot künftig im Mittelpunkt stehe und Besucher zum Verweilen auffordere.

Im Namen der Veranstalter des „Philipp-Soldan-Projektes“, dem Museum im Kloster Frankenberg, dem Museumsverein und dem Kunsttreff Frankenberg, die den Hauptteil der Finanzen bereitstellten, dankte Dr. Birgit Kümmel allen Sponsoren: der Sparkassenversicherung mit „art regio“, dem Hotel „Sonne Frankenberg“ und Annette Viessmann. „Sie hat ein besonderes Herz für Philipp Soldan und beschirmte schon im Jahr 2017 die Philipp-Soldan-Ausstellung.“ Der Stadt Frankenberg dankte sie für die Bereitstellung und den Aufbau der Cubes, Lothar Finger für seine Arbeit im Bereich der Vermittlung und Vorbereitung

Service: Die aktuellen Ausstellungen sind bis 24. Juli zu den Öffnungszeiten des Museums im Kloster Frankenberg, Bahnhofstraße 10, und des „Kunsttreffs“ im Haus am Geismarer Tor, Geismarer Straße 3, samstags und sonntags von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Im Museum werden Rundgänge mit Einführungsvorträgen und Bildpräsentationen am Samstag, 21. Mai, sowie an den Sonntagen 29. Mai, 12. Juni, 26. Juni und 10. Juli jeweils ab 15 Uhr angeboten. Sonderführungen können unter 05691/625734 vereinbart werden. Der Eintritt ist frei.

Fünf Künstler und ihre Meinung zum Meister

Petra Spielmann studierte Mode-Design in Hamburg. Nach dem Diplom ging sie nach New York und besuchte dort das Fashion Institute of Technology. Fünf Jahre lang arbeitete sie als freischaffende Illustratorin und Designerin an der Ostküste der USA. 1994 kehrte sie nach Hamburg zurück und gründete dort ihr Atelier für freie und angewandte Kunst. Sie sagt: „Ein Ansatz im Dialog mit Soldans Kunst ist für mich die Auseinandersetzung mit den menschlich existenziellen Themen. Darüber hinaus der Bildaufbau und die Einbindung von Schrifttafeln.“

Bastian Raiss wurde in Hamburg geboren, verbrachte die ersten 17 Jahre seines Lebens in Rio de Janeiro und später in Sao Paulo, danach zwei Jahre in Wales. Er studierte dann Economics/Volkswirtschaft in Nashville, Tennessee. Er sagt: „Mich interessieren Soldans Kompositionen, der Bildaufbau und das Erzählerische. Reizvoll wäre es, einzelne Motive herauszunehmen und diese neu oder anders zu gestalten.“

Hadi Knütel malt und zeichnet seit seiner frühen Kindheit. Gegen Ende seiner Schulzeit entschied er sich, Maler zu werden. 1984 hat er sich als Autodidakt selbstständig gemacht und künstlerisch vieles ausprobiert. Der Schwerpunkt seiner Arbeit ist die Fantasy- und die surrealistische Malerei, dazu Auftragsarbeiten wie Wandgestaltungen, digitale Kunst, 3D-Animation und Grafik. Er sagt: „Ich setze mich mit der Symbolik der Soldanschen Balkenköpfe auseinander. Dabei wurde mir bewusst, wie sehr die heutige Fantasy-Malerei von Motiven aus dem Mittelalter beeinflusst ist.“

Jörg Brandt ist auf seinem Haupt-Lebensweg mit Malerei seit gut 50 Jahren verbunden. Es gab etliche Nebenwege. Er war u. a. Handwerker, staatl. gepr. Techniker und Grafiker. Daraus resultieren viele künstlerische und Lebenserfahrungen, die sein Schaffen geprägt haben. Er sieht sich als Allround-Künstler. Seit mehr als 20 Jahren lebt und arbeitet er in Berlin. Er sagt: „Für mich sind die damaligen Themen Soldans auf die heutige Zeit angewendet ein sehr interessanter Aspekt. Wie wäre heute ein jüngstes Gericht oder wie sähe ich heute auf die Geschichte von der ersten Liebe ‚Adam und Eva’?“

Sabine Reyer wuchs in Frankenberg auf, studierte nach dem Abitur an der Edertalschule zunächst Medizin und arbeitete als promovierte Ärztin im Fachbereich Psychiatrie und in der Allgemeinmedizin. Ihre künstlerische Ausbildung erhielt sie an der Werkkunstschule Lübeck. Obwohl sie seit 1996 Schülerin der chinesischen Künstler Shan Zhou und Da Huang Zhou im Fach experimentelle Malerei war, galt ihre Liebe auch der italienischen Renaissancemalerei. Sie sagt: „Ich liebe Soldans Humor, die verspielten Details, die selbstbewusste Platzierung seiner Selbstbildnisse. Ich möchte Soldan bildnerisch verbinden mit Frankenberg, unserer beider Heimatstadt.“

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