Ergebnisse vorgestellt

Große Schäden am Dach der Frankenberger Liebfrauenkirche

Über den Dächern Frankenbergs: Um die Schäden am Dachstuhl der Liebfrauenkirche ging es am Donnerstagabend bei einer Informationsrunde im Gemeindehaus.
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Über den Dächern Frankenbergs: Um die Schäden am Dachstuhl der Liebfrauenkirche ging es am Donnerstagabend bei einer Informationsrunde im Gemeindehaus.

Das Butzbacher Ingenieurbüro Konbau hat den Dachstuhl der Frankenberger Liebfrauenkirche auf Schäden untersucht. Das Ergebnis ist gravierend.

Frankenberg - Zerstörte Schiefergefüge, Fehlstellen auf der gesamten Dachfläche, Höhenversprünge im Chorraum, nicht fachgerecht ausgeführte Reparaturen, korrodierte Schiefernägel und Dachhaken, gerissene Dachrinnen und Mauerabdeckungen, zu dünne Schalung, viele Feuchtigkeitsspuren: Der Dachstuhl des Langhauses der Liebfrauenkirche in Frankenberg befindet sich in einem „sehr schlechten Zustand“. Das ist das Ergebnis von Untersuchungen des Butzbacher Ingenieurbüros Konbau im vergangenen halben Jahr.

Über die „spannende Gesamtschau der Schadenslage“ informierten Projektleiter Professor Ulrich Grimminger sowie die Holzbauingenieure Felice Körner und Malte Schneevogt am Donnerstagabend im Gemeindehaus auf der Burg. Zu dem Infoabend hatte die evangelische Kirchengemeinde Frankenberg eingeladen. An der Veranstaltung nahmen auch Sven Rühlmann und Christiane Dilling vom Landeskirchenamt teil. „Körner und Schneevogt haben die Schadenskartierung im Frühjahr im Staub des Dachstuhls vorgenommen“, merkte Pfarrer Christoph Holland-Letz bei der Begrüßung an.

Dachstuhl neigt sich in Richtung Langhaus

„Der Dachstuhl neigt sich immer mehr Richtung Langhaus. Das ist erkennbar. Die beeindruckende Konstruktion weist alle Merkmale eines hölzernen Dachstuhls im Wandel der Jahrhunderte auf“, stellten die Experten fest.

Bei der Liebfrauenkirche sprach Professor Grimminger von einem „beeindruckenden Bauwerk“. Der Zustand des Tragwerks der Kirche sei in den vergangenen Monaten genau begutachtet worden: „Einige Rätsel konnten wir lösen, einige nicht“, sagte er.

Konkret wurde seine Mitarbeiterin Felice Körner: „Über die Dacheindeckung muss man ein vernichtendes Urteil fällen. Wo das Dach undicht ist, tritt das Wasser ein. Durch Pilze wird das Holz abgebaut.“ Auch der direkte Kontakt von Holz zu Beton sei denkbar schlecht, merkte Malte Schneevogt an. „Es gibt dort keine strömende Luft, die Feuchtigkeit abtransportieren könnte.“

„Die Schäden wurden in der Kartierung zusammengefasst, auch um den Aufwand der Sanierung bewerten zu können“, berichtete Grimminger. Um die Schäden zu reparieren, „muss man noch tiefer eingreifen“. Eine „partielle Dachreparatur“ werde nicht funktionieren, machte Grimminger bereits deutlich.

Pfarrer Holland-Letz: Wir sind nicht begeistert

„Wir sind nicht begeistert über die Ergebnisse“, sagte Pfarrer Hollanz-Letz, die Präsentation sei an Anschaulichkeit aber nicht zu überbieten gewesen. Dabei ärgerte er sich vor allem über die „unfachgemäße und dilettantische Reparatur“ von Schäden in der Vergangenheit.

„Wir haben hier einen Patienten mit einem großen Dachschaden. Wie lange geben Sie dem Patienten denn noch?“, wurde in der Infoveranstaltung auch über den weiteren Werdegang des Gotteshauses diskutiert.

Ein Jahr für die Planungsphase

„Nach der Anamnese kommen die Diagnose und die Therapie“, blieb Professor Grimminger in der medizinischen Fachsprache. Als nächstes müsse eine Expertenrunde stattfinden. Beispielsweise müsse geklärt werden, wie man mit den „vielfältigen Schädigungen“ umgeht. Erst dann könne ein Sanierungskonzept aufgestellt werden, erst danach könnten die Kosten ermittelt werden. Allein die Planungsphase gab Grimminger mit rund einem Jahr an.

„Das Hauptproblem ist, dass wir für die Kirche keine gesetzliche Krankenversicherung haben“, sagte Grimminger zu den Kosten und zur Finanzierung. Sein spontaner Hinweis: „Die Kirche wird auch weiter so stehen bleiben, aber eben in einem schlechten Zustand.“  mjx

Sie berichteten über den Dachstuhl der Liebfrauenkirche: (von links) Malte Schneevogt, Felice Körner und Professor Ulrich Grimminger vom Butzbacher Ingenieurbüro Konbach und Pfarrer Christoph Holland-Letz.

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