Startsignal in der Altstadt

Grundsteinlegung für Frankenberger Stadthaus fand vor 50 Jahren statt

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Neubau des Stadthauses 1967: Innerhalb weniger Monate nach der Grundsteinlegung vor 50 Jahren entstand der Verwaltungsbau auf dem Obermarkt 13 zwischen dem historischen Rathaus und dem Haus Barthel/Trost.

Frankenberg. Im Herbst 1966 wurde das imposante „Dilloffsche Fachwerkhaus“ auf dem Obermarkt neben dem zehntürmigen Rathaus abgebrochen.

Am 21. März 1967 legte der im Jahr zuvor gewählte Bürgermeister Sepp Waller in Anwesenheit von Landrat Heinrich Kohl an dieser Stelle den Grundstein für den Neubau eines Stadthauses, indem er dort eine Kunststoffhülse mit Urkunde und einer Tagesausgabe der Lokalzeitung einmauerte: Das war zugleich das inoffizielle Startsignal für die Frankenberger Altstadtsanierung vor 50 Jahren.

Vorausgegangen waren lange Diskussionen, ob man ein neues Verwaltungsgebäude irgendwo am Rand der Stadt „auf der grünen Wiese“, oder aber im Herzen der Stadt neben dem historischen Rathausbau von 1509 errichten sollte. Alternativ diskutiert wurden Standorte wie das Teich-Gelände, die Burg, der alte Friedhof, die Ritterstraße und die so genannte Schwiedersche Wiese neben dem Thalia-Filmtheater. Ein Beschluss, dort zu bauen, musste im Juni 1965 wieder aufgehoben werden.

Wortführer des Widerstandes gegen Pläne, die Verwaltung aus dem Stadtkern abzuziehen, war der Großhandelskaufmann Herbert Hübner, parteilos und ohne Mandat. Seiner Einladung zu einer Bürgerversammlung folgten 300 Stadtbewohner im März 1965 in die Sonnenlichtspiele – Bürgermeister Falkenstein und die meisten Stadtverordneten blieben aus Protest fern. Auch Landeskonservator Dr. Feldkeller versagte zunächst seine Genehmigung für einen Neubau neben dem Fachwerkrathaus aus städtebaulichen Gründen. Zahlreiche Leserbriefe erschienen in der Frankenberger Allgemeinen/HNA, der große Komplex Altstadtsanierung war nun ganz eng an das Stadthausprojekt gekoppelt.

Am 18. Juni 1965 hieß es in einem Kommentar unserer Zeitung: „Ende gut, alles gut“. Einstimmig hatten die Stadtverordneten entschieden, das als „baufällig“ eingestufte Dilloffsche Haus und das benachbarte Lagerhaus durch einen dreigeschossigen Neubau zu ersetzen, Kosten: 900 000 DM.

Aber durch dieses Todesurteil für das stattliche Fachwerkhaus Dilloff und die Verschieferung des Balkenwerks Barthel/Trost begann der Untergang eines über Jahrhunderte gewachsenen Häuserensembles am Obermarkt. Ein Gutachten der Hessischen Heimstätte bewertete zu diesem Zeitpunkt schon die Hälfte von 703 Häusern der Altstadt als abbruchreif – gegen soviel Kahlschlagpolitik endlich regte sich schärferer Protest der Bürger.

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