Schandfleck 

Denkmalgeschütztes Haus in Frankenberg zu verschenken

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Ehemaliges Forsthaus: Das denkmalgeschützte Gebäude aus dem Jahr 1660 an der Linnerstraße 50 in Willersdorf steht seit rund 50 Jahren leer. 

Ginge es nach Familie Feisel, wäre das Fachwerkhaus in Willersdorf schon längst abgerissen. Aber der Denkmalschutz macht den Eigentümern einen Strich durch die Rechnung.

„Schon mein Onkel hat versucht, es abzureißen“, sagt Markus Feisel, der das heruntergekommene ehemalige Forsthaus an der Linnerstraße 50 vom Bruder seines Vaters geerbt hat, aber selbst keine Verwendung dafür hat. Den Gedanken an Abriss hat auch der Oberholzhäuser, da das Gebäude schon seit 50 Jahren leer stehe und keinen schönen Anblick bietet.

„Ich habe vor vier Jahren schon mal Anlauf genommen, den Abriss anzugehen, aber da war ein Sachbearbeiter vom Regierungspräsidium in Kassel da und hat uns darüber aufgeklärt, dass das Haus aus dem Jahre 1660 stamme und erhaltenswürdig sei“, berichtet Markus Feisel der HNA. Das Anwesen, zu dem noch landwirtschaftliche Nebengebäude gehören, sei damals auch in ein Buch aufgenommen worden, in dem erhaltenswerte Gebäude aufgelistet wurden.

Haus zu verschenken - Grund zu bezahlen

„Wir würden das Haus verschenken, lediglich das Grundstück müsste bezahlt werden“, merkt Gustav Feisel an. Der 79-Jährige ist der Vater von Markus Feisel und in dem Haus aufgewachsen. „Die Eichenbalken innendrin sind noch hundertprozentig in Ordnung“, betont er. Zu dem Gebäude gehörten noch Stallungen und zehn Hektar Land. Die Nebengebäude seien vermietet, sagt Markus Feisel.

Um auch das Wohnhaus vermieten zu können, müsste man nach seiner Einschätzung 400.000 bis 500.000 Euro investieren. „Das rechnet sich aber nicht.“

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"Älteste Haus im Ort"

Auch ein Verkauf gestalte sich schwierig: „Das Problem ist, dass es mitten in enger Bebauung steht und noch dazu direkt an der Straße“, so Feisel. Auch der zuständige Sachbearbeiter beim Regierungspräsidium habe gesagt, wenn es  irgendwo frei im Grünen stände, hätte sich wahrscheinlich schon längst ein Käufer gefunden. „Wir bräuchten kapitalstarke Investoren“, sagt Feisel.

HNA-Leserin Eva Baumann, die uns auf den Schandfleck in Willersdorf aufmerksam gemacht hat, findet es schade, dass das „älteste Haus im Ort“ so heruntergekommen ist. „Es wäre natürlich schön, wenn es wieder zurechtgemacht werden könnte“, sagt sie. Auch Ortsvorsteher Willi Hildebrandt sähe es gerne, wenn das Haus wieder instand gesetzt würde: „Wenn sich da was tun würde, wäre keiner im Dorf böse drum.“

Kontakt: Wer Interesse an dem alten Haus in Willersdorf hat, kann sich telefonisch beim Eigentümer Markus Feisel melden, 06458/1090.

Das sagt der Landkreis:

Nach Angaben von Kreis-Pressesprecher Dr. Hartmut Wecker darf aus denkmalpflegerischer Sicht mit einem denkmalgeschützten Haus alles gemacht werden, was nach § 18 Hessischem Denkmalschutzgesetz genehmigt wird bzw. werden kann, also von der Sanierung und Instandsetzung bis zu Nutzungsänderungen oder gar Abbruch, insofern sich eine Erhaltung und Sanierung „wirtschaftlich zumutbar“ nicht darstellen lässt.

In jedem Fall bedarf es vor Eintritt in ein denkmalschutzrechtliches Verfahren allerdings einer individuellen Bewertung und Einschätzung des jeweiligen Objektes. Dies erfolgt in der Regel – und falls es erforderlich ist – durch eingehende Inaugenscheinnahme der geschützten Kulturdenkmäler und Objekte innerhalb einer Gesamtanlage (Vor-Ort-Begutachtung).

Jedes Objekt ist einzeln zu betrachten, pauschale Aussagen, was „beim Denkmalschutz“ machbar und/ oder möglich ist, können nicht getroffen werden. Das Haus in Willersdorf ist in einer Auflistung der Kulturdenkmäler in Hessen als Einzelkulturdenkmal aufgeführt.

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