1. Startseite
  2. Lokales
  3. Frankenberg / Waldeck
  4. Frankenberg (Eder)

Frankenberger Bürgermeister: Kein Wohnraum mehr für Geflüchtete

Erstellt:

Von: Martina Biedenbach

Kommentare

Das Dorfgemeinschaftshaus in Frankenberg-Willersdorf.
Wird als Flüchtlingsunterkunft genutzt: das Dorfgemeinschaftshaus in Frankenberg-Willersdorf. © Hoffmeister, Thomas

Frankenbergs Bürgermeister kritisiert den Landkreis Waldeck-Frankenberg. Er weise der Stadt Flüchtlinge zu, obwohl derzeit keine Unterkünfte mehr vorhanden seien.

Frankenberg – Die Stadt Frankenberg hat vom Landkreis Waldeck-Frankenberg erneut eine Zuweisung Geflüchteter bekommen. Kommende Woche sollen weitere Menschen kommen, obwohl bekannt sei, dass in der Stadt keine Unterbringungsmöglichkeiten vorhanden seien, kritisierte Bürgermeister Rüdiger Heß am Freitag.

Er stimme zu, dass die Mittelzentren bei der Unterbringung vorangehen müssten. „Das wollen wir auch, und die Verteilquote ist für mich unerheblich. Dafür muss aber der Landkreis seine Aufgabe erfüllen und eine Gemeinschaftsunterkunft in Frankenberg aufbauen“, sagte er.

In der Zwischenzeit habe es ein gutes Gespräch mit Landrat Jürgen van der Horst gegeben hinsichtlich des Aufbaus von zwei Gemeinschaftsunterkünften in Frankenberg. Doch offensichtlich ignoriere der zuständige Dezernatsleiter, Erster Kreisbeigeordneter Karl-Friedrich Frese, mit der erneuten Zuweisung den Sachverhalt des nicht vorhandenen Wohnraums für menschenwürdige Unterbringung, „Die Zuweisung kommt, obwohl die Geflüchteten derzeit in anderen Kommunen untergebracht werden könnten. Für mich ist das Willkür“, sagte Heß.

Eine Nachbarkommune habe kürzlich über ausreichend freie Plätze berichtet, und gemäß der Darstellung des Landkreises hätten andere Kommunen ebenfalls noch Kapazitäten. „Der Landkreis hat hier das notwendige Ermessen bei der Entscheidungsfindung nicht ausgeübt, kritisierte Heß. Alternativ seien auch die Immobilien des Landkreises zu prüfen.

Heß beklagte: „Der Landkreis hat seit 2015 seine Hausaufgaben nicht gemacht und bringt uns damit jetzt an den Rand der Verzweiflung. Nach sieben Jahren starker Zuwanderung gibt es hier keinen Wohnraum mehr, den wir anmieten könnten.“

Auch die Unterbringung in städtischen Gebäuden funktioniere nicht. Bereits Anfang Oktober wurden im Dorfgemeinschaftshaus in Willersdorf 27 Geflüchtete einquartiert. Das DGH sei jedoch das einzige städtische DGH, das über Duschen verfügt. „Duschcontainer sind auf dem Markt nicht zu bekommen“, erklärte Heß. „Wir können kein weiteres DGH unter menschenwürdigen Bedingungen zu einer Gemeinschaftsunterkunft umfunktionieren.“

Zuletzt hatte es schon eine erneute Zuweisung mit sechs Personen gegeben. Eine Frau musste mit ihrem Sohn mangels Alternativen sogar in der städtischen Obdachlosenunterkunft einquartiert werden. Das sei bereits grenzwertig, die Stadt habe aber keine andere Möglichkeit gesehen. „Es ist zynisch, einerseits die menschenwürdige Unterbringung der Geflüchteten einzufordern, andererseits mit dem Wissen von nicht vorhandenen Kapazitäten weitere Personen zuzuweisen.“ Auch der Vorschlag, innerhalb der wenigen zur Verfügung stehenden Tage Tiny Houses oder Wohnmodule aufzustellen, sei vollkommen realitätsfern.

„Wir wollen ja Geflüchtete aufnehmen“, betonte der Bürgermeister und begrüßt die mit dem Landrat abgestimmte Idee, in der Stadt zwei Gemeinschaftsunterkünfte für bis zu 200 Menschen aufbauen zu wollen. Bei der Schaffung einer neuen Gemeinschaftsunterkunft gehe ihm jedoch alles zu langsam.

„Wir haben dem Landkreis zuletzt Anfang November eine Containerlösung auf dem Gelände der privaten Gemeinschaftsunterkunft Haus Ahlborn vorgeschlagen. Der Eigentümer ist offen für Gespräche und Erweiterungspläne.“ Auch eine bauliche Lösung auf dem Nachbargrundstück sei denkbar. Zudem solle geklärt werden, ob und in welcher Weise auf dem Stoelcker-Gelände in Schreufa eine Gemeinschaftsunterkunft gebaut werden könnte.     (mab)

Auch interessant

Kommentare