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Hilfe fürs Ahrtal: Ehepaar aus Wollmar bittet um Unterstützung

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Von: Jörg Paulus

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Die nächsten Kartons sind schon gepackt: Christa und Helmut Holzapfel aus Wollmar sammeln ehrenamtlich Spenden für die Menschen im Ahrtal.
Die nächsten Kartons sind schon gepackt: Christa und Helmut Holzapfel aus Wollmar sammeln ehrenamtlich Spenden für die Menschen im Ahrtal. © Paulus, Jörg

Mehr als ein Jahr nach der Flutkatastrophe im Ahrtal brauchen die Menschen dort noch immer Hilfe. Unterstützung kommt auch aus Nordhessen.

Wollmar – Christa und Helmut Holzapfel aus Wollmar fahren alle vier Wochen mit Spenden ins Ahrtal, um die Menschen in dem Flutgebiet beim Wiederaufbau zu unterstützen. Das Ehepaar hat sich an unsere Zeitung gewandt, um auf ihre Aktion aufmerksam zu machen. „Es geht hier aber nicht um uns“, betont Helmut Holzapfel, „sondern um die Menschen im Ahrtal. Die Leute hier sollen sehen, wie es da unten auch heute noch aussieht. Wir wollen Aufmerksamkeit erregen, um weitere Spenden zu bekommen.“

Gut ein Jahr nach der Flutkatastrophe vom 14. Juli 2021 sei das Thema – sicherlich auch wegen des Ukraine-Kriegs – bei vielen Menschen in Deutschland in den Hintergrund getreten, finden die Holzapfels. Sie bekommen bei ihren Besuchen aber immer wieder mit, wie schwer es die Menschen da unten noch haben.

Der Wiederaufbau der Häuser sei noch längst nicht beendet. „Manche haben jetzt gerade den Estrich drin“, erzählt Helmut Holzapfel. Mit seinem Schwager hat er neulich einer Familie geholfen, Fußboden zu verlegen. „Viele sind noch traumatisiert“, berichtet Christa Holzapfel. „Kinder weinen, wenn es regnet, weil sie Angst haben, die Flut kommt wieder.“

Weil Verwandte von ihnen Freunde im Ahrtal haben, die von der Flut betroffen waren, sind Christa und Helmut Holzapfel im vergangenen Jahr zum ersten Mal in das Katastrophengebiet gefahren. „Auf dem Heimweg habe ich bis nach Wollmar geheult. Da war uns klar: Hier müssen wir nochmal hin“, erzählt Christa Holzapfel.

Auch ein Jahr nach der Flutkatastrophe im Ahrtal sind viele Häuser, Straßen und Brücken noch nicht wieder aufgebaut. Die Menschen brauchen weiterhin Unterstützung, sagt das Ehepaar Holzapfel aus Wollmar.
Auch ein Jahr nach der Flutkatastrophe im Ahrtal sind viele Häuser noch nicht wieder aufgebaut. Die Menschen brauchen weiterhin Unterstützung, sagt das Ehepaar Holzapfel aus Wollmar. © Christa Holzapfel

Seitdem fahren sie in der Regel ein Mal im Monat mit einem Kleinbus voller Spenden ins Ahrtal. Unentgeltlich in ihrer Freizeit. An Bord haben sie vor allem Lebensmittel. „Neulich hatte ich 6000 Eier und 50 Kuchen, Mehl und Zucker dabei“, sagt Helmut Holzapfel. Die Lebensmittel geben sie entweder direkt bei Familien ab oder in den Versorgungszelten für Bedürftige, die zum Beispiel noch keine Küche in ihrem Haus haben. Etwa 40 Familien betreuen die Holzapfels in Orten auf einer Länge von gut 30 Kilometern im Ahrtal. „Eine Familie mit zwei kleinen Kindern hat ihr ganzes Haus verloren“, erzählen sie.

Man sieht, wie sich die Leute über die Hilfe freuen. Die gucken dich an und haben Tränen in den Augen und dann heulst du auch.

Helmut Holzapfel

Die Spenden werden gezielt verteilt. Das Ehepaar aus Wollmar ist dafür bei der Hilfsorganisation „Flutengel“ organisiert. „Die schreiben uns ein paar Tage vorher, was sie brauchen“, erklärt Helmut Holzapfel. Ihnen sei wichtig, dass alles gezielt bei den Menschen ankommt, die es brauchen. Denn von den großen Spendenaktionen für das Flutgebiet, zu denen bundesweit aufgerufen wurde, komme nur wenig konkret bei den Leuten an, so ihre Erfahrung.

Viele Brücken im Ahrtal sind noch zerstört.
Brücken und Straßen im Ahrtal sind noch immer zerstört. © Christa Holzapfel

Neben Lebensmitteln haben sie auch schon Kleidung, Bettdecken und Geschirr in ihrem Bus mitgenommen. Wenn sie Geld als Spenden bekommen, geben sie es direkt den Familien oder kaufen vor Ort frische Lebensmittel. „Man sieht, wie sich die Leute über die Hilfe freuen“, berichtet Helmut Holzapfel. „Die gucken dich an und haben Tränen in den Augen und dann heulst du auch.“

Neue Sammelstelle für Spenden in Rosenthal

Christa und Helmut Holzapfel wünschen sich noch mehr Spenden für die Menschen im Ahrtal, sie haben aber auch schon viel Unterstützung von Privatleuten, Firmen und Vereinen bekommen, berichten sie. Beim Pizzabacken in Oberasphe sei zum Beispiel für die Spendenaktion gesammelt worden, auch bei den Landfrauen in Münchhausen. Der Geflügelhof Engelbach in Wollmar hat einige Tausend Eier mit ins Ahrtal gegeben. Auch andere Firmen – vom Metzger bis zum Bauunternehmer – haben gespendet. Vom SV Wollmar gab es Fußbälle.

1000 Euro haben kürzlich Ingo Schmidt und Ralf Köster gespendet: Sie hatten Geld für Flüchtlinge aus der Ukraine gesammelt, die in Wollmar untergekommen sind. Nachdem die Flüchtlinge versorgt waren, war Geld übrig geblieben, mit dem nun Menschen im Ahrtal geholfen wird.

Um ihre eigene Spendenaktion für die Flutopfer auszubauen, haben die Holzapfels jetzt eine neue Anlaufstelle für Spenden in Roda bei Ilona Binzer eingerichtet. Ilona Binzer ist Arbeitskollegin von Christa Holzapfel bei der Firma Viessmann in Allendorf. „Wer etwas spenden will, kann sich gerne an uns wenden“, sagt Helmut Holzapfel. Der Termin für die nächste Fahrt ins Ahrtal steht aber noch nicht fest. Einige Tage, bevor sie losfahren, schreiben sie in ihren Whatsapp-Status, was aktuell an Spenden gebraucht wird. „Wenn viele spenden, muss jeder nicht viel geben“, sagt er.

Kontakt zu den Sammelstellen für Spenden ins Ahrtal: in Wollmar: Helmut und Christa Holzapfel, Tel. 0173/3466365 und 0172/6714402; in Roda: Ilona Binzer, Tel. 0173/5274655.

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