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Als Frankenbergs Fußgänger erste Überwege bekamen

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Von: Karl-Hermann Völker

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Zebrastreifen bei Zigarren-Krämer: Eingehakt und in Fünfer-Reihen schritten die Mitglieder des Frankenberger Seniorenclubs über die neu angelegten Zebrastreifen in der Bahnhofstraße. Das Foto entstand etwa 1965.
Zebrastreifen bei Zigarren-Krämer: Eingehakt und in Fünfer-Reihen schritten die Mitglieder des Frankenberger Seniorenclubs über die neu angelegten Zebrastreifen in der Bahnhofstraße. Das Foto entstand etwa 1965. © Karl-Hermann Völker (Archiv)

Vor 70 Jahren, im Juli 1952, wurden in München die ersten zwölf Zebrastreifen auf die Straße gepinselt. Frankenberg folgte in den 1960er-Jahren.

Frankenberg – Obwohl die gestreifte Überquerungshilfe schon ein Jahr nach München später in der Straßenverkehrsordnung auftauchte, mussten Autofahrer erst seit 1964 vor den markierten Überwegen verbindlich anhalten. Das ist etwa auch die Zeit, als in Frankenberg, wo sich vor der Umgehung noch der Bundesstraßenverkehr durch die Neustädter Straße wälzte, die ersten Zebrastreifen angelegt wurden. Kaum noch vorstellbar - wenn man dort heute durch die Fußgängerzone geht.

Bis zu den 1960er-Jahren hatten in Deutschland die gestreiften Hilfen mit ihren Fußgängerrechten in vielen Städten schon zu Störungen im Verkehrsfluss geführt, sodass die mit Begeisterung eingeführten Zebrastreifen später schnell wieder reduziert worden. Ihre Genehmigung wird bis heute nicht in das Belieben von Kommunen gestellt, sondern es gibt umfangreiche Richtlinien zum Paragraf 26 der Straßenverkehrsordnung für die Anlage und Ausstattung von Fußgängerüberwegen, die die Hürden für einen Zebrastreifen hoch hängen. Das erlebten auch immer wieder Bürgerinitiativen, die im Frankenberger Land solche Fußgängerüberwege im Bereich von Schulen oder Kindergärten forderten.

Notwendige Streifen: Durch die Neustädterstraße, seit 1979 reine Fußgängerzone, rollte bis dahin noch der Verkehr der Bundesstraße. Stadtpolizist Karl Dalwig sorgte für Verkehrssicherheit.
Notwendige Streifen: Durch die Neustädterstraße, seit 1979 reine Fußgängerzone, rollte bis dahin noch der Verkehr der Bundesstraße. Stadtpolizist Karl Dalwig sorgte für Verkehrssicherheit. © Karl-Hermann Völker (Archiv)

Um einen Zebrastreifen genehmigt zu bekommen, was nur innerhalb geschlossener Ortschaften möglich ist, braucht es in „Spitzenstunden des Fußgängerquerverkehrs“ pro Stunde mindestens 50 Fußgänger und 200 Fahrzeuge. In Tempo-30-Zonen sind Zebrastreifen nicht erwünscht, ebenso nicht in der Nähe von Ampeln.

Auch in Frankenberg war die Skepsis der Passanten vor den Überwegen anfangs groß, da zunächst für Autofahrer nur galt, ihnen das Überqueren der Straße „in angemessener Weise zu ermöglichen“, bevor 1964 dann unbedingt das Anhaltegebot bestand. Der DRK-Kreisverband Frankenberg lud eigene Polizeibeamte ein, die älteren Menschen und Rollstuhlfahrern Empfehlungen zu richtigem Verhalten an den mit dem Verkehrszeichen 350 ausgestatteten Überwegen geben sollten.

Verkehrserziehung: Vorsichtiges Verhalten am Zebrastreifen empfahl Polizeikommissar Bernhard Engel von der Stadtpolizei den DRK-Senioren.
Verkehrserziehung: Vorsichtiges Verhalten am Zebrastreifen empfahl Polizeikommissar Bernhard Engel von der Stadtpolizei den DRK-Senioren. © Karl-Hermann Völker (Archiv)

Damals wurden noch Blickkontakt mit dem Autofahrer und Handzeichen empfohlen, in der Schweiz an Zebrastreifen sogar noch bis 1993 vorgeschrieben. „Auch als wir 1971 im Kreis Frankenberg mit der Jugendverkehrsschule begannen, empfahlen wir Kindern noch, Blickkontakt aufzunehmen und die Hand auszustrecken“, erinnert sich der pensionierte Polizeibeamte Ferdinand Hagenbach (Ernsthausen).

Der DRK-Altenclub Frankenberg erprobte an einem Nachmittag die neuen Fußgänger-Überwege in der Bahnhofstraße in Höhe des Zigarrengeschäfts Krämer. Polizeikommissar Bernhard Engel erläuterte das blaue Verkehrszeichen und die Verhaltensregeln, dann gingen die Senioren in Fünfer-Reihen, stolz und eingehakt, über den neuen Zebrastreifen. Für die junge Generation wurde 1969 mit dem Foto der Beatles beim Überqueren der Straße auf dem Plattencover von „Abbey Road“ in London der dortige Zebrastreifen zur Kultstätte.

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