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Der Alltag einer Hausarztpraxis in der Omikron-Welle

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Von: Martina Biedenbach

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Telefon, Coronatests, Rezepte ausfüllen: Den anstrengenden Dienst in einer Hausarzt-Praxis unter Coronazeiten beschreibt die Frankenberger Allgemeinärztin Dr. Ulrike Eckel (vorne Mitte). Sie ist hier inmitten eines Teils ihres Praxisteams zu sehen, zu dem insgesamt elf Arzthelferinnen gehören.
Telefon, Coronatests, Rezepte ausfüllen: Den anstrengenden Dienst in einer Hausarzt-Praxis unter Coronazeiten beschreibt die Frankenberger Allgemeinärztin Dr. Ulrike Eckel (vorne Mitte). Sie ist hier inmitten eines Teils ihres Praxisteams zu sehen, zu dem insgesamt elf Arzthelferinnen gehören. © Martina Biedenbach

Das Telefon steht nicht still. Oft kommen Patienten nicht durch. Wir beschreiben, wie der Alltag in einer Hausarztpraxis in der Pandemiewelle aussieht.

Frankenberg – An der Sprechanlage der Hausarztpraxis Eckel in der Bahnhofstraße 26 stehen zwei junge Frauen. In ihrer Familie gibt es Corona-Fälle, schildern sie dem Praxisteam im ersten Stockwerk. Bei der einen war der Schnelltest positiv, bei der anderen negativ. „Wir machen einen PCR-Test“, sagt die Arzthelferin und dirigiert die Frauen um den Gebäudekomplex herum zum Hintereingang in einen Kellerraum. Der sieht zwar aus wie eine Garage, hat aber den Vorteil, dass Infizierte nicht durchs Treppenhaus gehen müssen und schon gar nicht in die Praxis kommen.

In der Schutzausrüstung nimmt die Allgemeinärztin Dr. Ulrike Eckel dort bei offener Tür die Probe für den PCR-Test. „Es sind derzeit bis zu 20 PCR-Tests pro Tag. Alle zuvor erfolgten positiven Schnelltests bestätigen sich“, sagt die Ärztin.

Omikron-Welle in Frankenberg: Termin für einen PCR-Test im Keller

40 Stufen führen von der Praxis im ersten Stock hinunter zum Kellerraum. „Ich habe mir extra neue Turnschuhe gekauft“, schildert die Ärztin und lacht. „Bewegung zwischendurch tut gut“, sagt die 59-Jährige, die sich mit Leichtathletik und gesunder Ernährung fit hält.

Auf die Schnelle eingerichtet: Dr. Ulrike Eckel nimmt in einem von außen zugänglichen Kellerraum im Haus, wo auch ihre Praxis ist, Proben für PCR-Tests.
Auf die Schnelle eingerichtet: Dr. Ulrike Eckel nimmt in einem von außen zugänglichen Kellerraum im Haus, wo auch ihre Praxis ist, Proben für PCR-Tests. © Martina Biedenbach

Oben am Praxiseingang stehen die Patienten Schlange – bis ins Treppenhaus. Die medizinischen Fachangestellten haben die Sprechzimmer mit Patienten besetzt, damit die Ärztin die Behandlung schnell fortsetzen kann. Am Empfang klingelt das Telefon ununterbrochen. Oft geht es um Corona. „Sie brauchen eine Quarantäne-Bescheinigung vom Landkreis“, rät die Arzthelferin zum Beispiel, oder gibt einen Termin für einen PCR-Test im Keller.

Natürlich gibt es auch die Fälle, die nichts mit der Pandemie zu tun haben. „Ich habe starke Schmerzen in Beinen und Handgelenken und kann nicht mehr auftreten“, bittet ein junger Mann um einen schnellen Termin. Andere brauchen Schilddrüsentabletten oder wollen ihre aktuellen Laborwerte wissen.

Alltag einer Hausarzt-Praxis in der Omikron-Welle: Patienten kommen ohne Termin in die Praxis

Viele Patienten oder Angehörige schauen in der Praxis direkt vorbei, weil sie am Telefon gar nicht durchkommen. „Meine Frau verträgt das Antibiotikum nicht“, sagt ein älterer Herr und möchte ein anderes Medikament verschrieben bekommen. „Meine Mutter ist heute aus dem Krankenhaus entlassen worden und braucht ein Rezept“, sagt eine Frau.

Die Arzthelferinnen sind wie ihre Chefin ununterbrochen im Einsatz. Obwohl am Eingang Schilder hängen, dass Menschen mit Erkältungssymptomen unten bleiben und klingeln, aber keineswegs in die Praxis kommen sollen, steht ab und zu ein Infizierter vor der Empfangstheke. „Im Praxisteam sind alle geboostert, wir tragen FFP-2-Masken“, sagt Ulrike Eckel. „Wir schützen uns. Doch angesichts der ansteckenden Omikron-Variante kann es auch uns treffen.“

Corona-Welle in Frankenberg: „Auch einige unserer Patienten sind an dem Virus gestorben“

Nachdem vor ziemlich genau zwei Jahren Covid-19 im Frankenberger Land ankam, infizierten sich anfangs auch Mitarbeiterinnen des Teams. Die Sorge war groß. „Auch einige unserer Patienten sind an dem Virus gestorben“, sagt die Ärztin.

In der Pandemie gebe es zwar wegen Corona ein hohes Arbeitsaufkommen, aber Maskenpflicht und Lockdown sorgten andererseits dafür, dass die üblichen Grippe-, Erkältungs- und Durchfall-Wellen weitgehend ausblieben, erläutert sie.

Verunsicherung und unnötige Arbeiten verursachten hingegen die sich ständig ändernden Vorgaben – insbesondere, als ab Frühjahr 2021 die Corona-Impfung in der Hausarztpraxis begann. „Wir wussten nicht, wie viel und welchen Impfstoff wir bekamen“, sagt Ulrike Eckel „Ständig mussten wir umdisponieren. Für eine einzige Impfung mussten wir manchmal vier oder fünfmal einen Patienten anrufen. Viel Stress und oftmals null Ergebnis-Qualität. Das Chaos wurde uns von der Politik auferlegt.“

Alltag einer Hausarzt-Praxis in der Omikron-Welle: 140 Impfungen pro Woche

Derzeit ließen sich die Impfungen aber gut organisieren, schildert sie. Zirka 140 Impfungen, darunter auch 10 bis 20 Kinder, absolviere die Praxis nun wöchentlich. Zudem hat das Team auch schon an mehreren Samstagen Impftage angeboten. Dann kommen bis zu 300 Impfwillige pro Tag. „Meistens Boosterimpfungen“, sagt Eckel. „Aber auch etliche bisher Unentschiedene lassen sich nun doch impfen. Ihre Zahl nahm mit den 2G-Regelungen und den damit verbundenen erheblichen Einschränkungen merklich zu.“

Mit Sorgenfalten beobachten sie und ihr Team die Entwicklungen bei den PCR-Tests. Wenn wegen Überlastung der Labore künftig eventuell Antigenschnelltests in der Praxis gemacht werden müssten, dann würde dies enorme Mehrarbeit bedeuten. Statt nur einen Abstrich zu machen, müsste der ganze Test von Mitarbeiterinnen begleitet werden.

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Alltag einer Hausarzt-Praxis in der Omikron-Welle: Viele läuft über E-Mail

Ulrike Eckel und ihre Mitarbeiterinnen – insgesamt elf Arzthelferinnen – haben in den vergangenen beiden Jahren den Praxisablauf geändert. Terminvergabe, Rezepte und Überweisungen werden nun viel öfter über E-Mail versendet. Sie versuchen, die Belastung in der Sprechstunde, in der alles „zack, zack, zack gehen muss“, zu minimieren, indem sie vieles, etwa Formalitäten, auf die Zeit nach der Sprechstunde verschieben.

Das Team arbeitet dann noch vieles nach. Die Ärztin berät Patienten auch am Telefon, nachdem sie sich in Ruhe die Unterlagen angesehen hat. „Es ist wichtig, dass wir uns Freiraum schaffen und die Möglichkeit zu selbstbestimmten Arbeiten erhalten“, sagt sie.

Die tägliche Bewältigung der Arbeit in der Hausarzt-Praxis, die auch schon vor Corona nicht gering war, lasse sich nur im Team schaffen, sagen sowohl die Ärztin als auch die Arzthelferinnen. (Martina Biedenbach)

Weil sich in Waldeck-Frankenberg immer weniger Menschen gegen das Coronavirus impfen lassen, hat der Landkreis die Öffnungszeiten seiner Mini-Impfzentren in Korbach, Frankenberg, Bad Wildungen und Bad Arolsen reduziert. Sie sind ab dem 14. Februar 2022 nur noch samstags offen.

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