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Integrationskommission Frankenberg unterstützt ausländische Mitbürger

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Von: Martina Biedenbach

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Mit den Flyern der Integrationskommission Frankenberg: die Vorsitzenden Bürgermeister Rüdiger Heß (links) und Ali Korkmaz.
Mit den Flyern der Integrationskommission Frankenberg: die Vorsitzenden Bürgermeister Rüdiger Heß (links) und Ali Korkmaz. © Martina Biedenbach

Seit März gibt es in Frankenberg eine Integrationskommission. Was hat das Gremium bisher erreicht? Wir haben nachgefragt.

Frankenberg – Im März hat sich die Integrationskommission der Stadt Frankenberg konstituiert. Sie ersetzt den bisherigen Ausländerbeirat. Ihre Aufgabe ist es, die Gremien der Stadt in allen Angelegenheiten, die ausländische Einwohner betreffen, zu beraten und für mehr Teilhabe zu sorgen.

Wie berichtet, gehören ihr fünf Frauen und Männer mit Migrationshintergrund an – mit türkischem, syrischem und afrikanischem (Guinea) Hintergrund – sowie Vertreter aus dem Parlament und Stadtrat (Hintergrund unten). Vorsitzender ist Bürgermeister Rüdiger Heß, Co-Vorsitzender der aus der Türkei stammende Ali Korkmaz. Die Vorsitzenden ziehen im Gespräch mit der HNA eine erste Bilanz über die Arbeit des Gremiums.

Die Kommissionsmitglieder mit Migrationshintergrund treffen sich laut Korkmaz in der Regel einmal im Monat und arbeiten eng mit der Migrationsberatung des Deutschen Roten Kreuzes Frankenberg zusammen. Sie befassen sich mit Anfragen, die in erster Linie über die E-Mail-Adresse integration-fkb@gmx.de an sie gerichtet werden. Zirka 20 Anfragen waren es bisher, sagt Korkmaz.

Sehr hilfreich für die Kommission sei die Unterstützung der türkisch-islamischen Gemeinde Frankenberg, die eine Anlaufstelle für Flüchtlinge aus muslimischen Ländern sei, schildert Korkmaz, der lange Zeit Vorsitzender dieser Gemeinde war. Der 53-Jährige, der auch Betriebsrat bei der Firma Hasenclever ist, lebt seit 1979 in Frankenberg.

Integrationskommission: Wohnungssuche ein Problem

„Meistens geht es bei den Mails um die Bitte zur Unterstützung bei Behördengängen, bei der Wohnungssuche und der Ausstattung mit Möbeln“, schildert er. „Das größte Problem ist, bezahlbaren Wohnraum zu finden. In neugebauten Häusern in Frankenberg kosten Zweizimmer-Wohnungen 800 Euro kalt. Für einen Geflüchteten ist das unerschwinglich“, sagt Korkmaz.

Die meisten Anfragen stammten von Geflüchteten aus Ländern des Nahen Ostens und Afrika. Nur ganz wenige Anfragen seien bisher von Geflüchteten aus der Ukraine gekommen. „Die allermeisten von ihnen bekommen Hilfe von hier lebenden Übersiedlern aus der Ukraine“, sagt Bürgermeister Heß. Übersiedler, etwa Russlanddeutsche, seien in der Kommission nicht vertreten, weil sie Deutsche sind, erläutert er.

Integrationskommission: Hilfe in verschiedenen Sprachen

Die Kommissionsmitglieder können Sofort-Hilfe in folgenden Sprachen leisten: Englisch, Französisch, Arabisch, der westafrikanischen Sprache Fulla, Kurdisch und Türkisch. „In anderen Sprachen unterstützen wir gern mit Hilfe von Dolmetschern, die wir dann organisieren“, heißt es auf der Homepage der Stadt.

Weitere Aktivitäten der Integrationskommission waren laut Korkmaz die Teilnahme am Vorlesetag in der Kita Röddenau. Mitglieder lasen Kindern Geschichten in verschiedenen Sprachen vor. Geplant war auch, einen Deutschkurs für Frauen und Nachhilfeunterricht für Kinder zu organisieren. Dies ist laut Korkmaz aber wegen zu geringer Teilnehmerzahl nicht zustande gekommen.

Integrationskommission: Flyer in verschiedenen Sprachen

Unter dem Titel „Wir sind für euch da!“ hat die Integrationskommission Flyer und Plakate mit dem Hinweis auf ihr Angebot und der Kontakt-E-Mail drucken lassen, die an verschiedenen Stellen ausgelegt wurden. Diese Flyer sollen nun auch in anderen Sprachen erscheinen, erläutert Korkmaz. Die Kosten übernimmt die Stadt.

Korkmaz dankt den Kommissionsmitgliedern für ihre Arbeit. Aus persönlichen Gründen könne er selbst erst jetzt richtig in die Arbeit einsteigen. (Martina Biedenbach)

frankenberg.de/integrationskommission.html

Hintergrund: Integrationskommission

Auslöser der Gründung der Integrationskommission in Frankenberg war die Reform der Ausländerbeiräte in Hessen, nach der Kommunen ab 1000 ausländischer Einwohner entweder einen Ausländerbeirat oder eine Integrationskommission haben müssen.

Der Ausländerbeirat hätte aufgrund der Reform von den ausländischen Mitbürgern gewählt werden müssen – parallel zur Kommunalwahl 2021. Frankenberg entschied sich für die Gründung einer Integrationskommission. Die Kommission wurde von der Stadtverordnetenversammlung im Februar 2022 gewählt. Sie besteht aus fünf sogenannten sachkundigen Einwohnern, dem Bürgermeister, einem weiteren Magistratsmitglied sowie zwei Mitgliedern der Stadtverordnetenversammlung. Sie berät den Magistrat und die Stadtverordnetenversammlung bei allen relevanten Fragen.

Unter anderem mit Hilfe des Frankenbergers Herbert Keim, der im Türkisch-Deutschen Verein und in der Geflüchtetenhilfe sehr engagiert ist, wurden Frankenberger Bürger mit Migrationshintergrund gefunden, die sich als Kandidaten für die Kommission zur Verfügung stellten.

Mitglieder sind neben den Vorsitzenden Bürgermeister Rüdiger Heß und Ali Korkmaz: Herr Mohammad Sulati Sow (Guinea/Afrika), Frau Baror Youssef (Syrien), Frau Özgül Aras (Türkei), Frau Benana Senjkdar (Syrien), Stadtrat Holger Kreis, die Stadtverordneten Leon Frick und Harald Rudolph.

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