Ostern ohne Gottesdienste

Interview: Pfarrer predigt an Ostern vor leeren Bänken

In der Coronakrise sprechen Pfarrer in leeren Kirchen. Die Gottesdienste werden dann im Internet übertragen.
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In der Coronakrise sprechen Pfarrer in leeren Kirchen. Die Gottesdienste werden dann im Internet übertragen.

Wir haben mit dem evangelischen Pfarrer Konrad Schullerus von der Kirchengemeinde Bottendorf-Willersdorf über Ostern ohne Gottesdienste in Zeiten von Corona gesprochen.

  • Corona: Ostern fällt nicht aus
  • Gottesdienste werden im Internet übertragen
  • Pfarrer Konrad Schullerus von der evangelischen Kirchengemeinde Bottendorf-Willersdorf spricht auf Youtube zu den Gläubigen

Bottendorf – „Womit ich mich schwertue, ist das Sprechen vor leeren Bänken“, sagt der evangelische Pfarrer Konrad Schullerus von der Kirchengemeinde Bottendorf-Willersdorf. Wir haben mit ihm über Ostern ohne Gottesdienste in Zeiten von Corona gesprochen – und die damit verbundenen Herausforderungen.

Wie geht es Ihnen damit, dass wegen Corona die Ostergottesdienste ausfallen?

Ich bin nicht glücklich damit, und ich kann mir auch nicht vorstellen, dass ein Gottesdienstbesuch, wenn man Abstand hält, gefährlicher ist als der Besuch im Baumarkt. Die Vorgaben sind da aber völlig eindeutig. Und sich in dieser Zeit einfach über Schutzvorschriften hinwegzusetzen, wäre ein miserables Vorbild.

Konrad Schullerus: Pfarrer in Bottendorf und Willersdorf.

Gottesdienste im Internet: Ursprüngliche Pläne wurden überarbeitet

Was ist erlaubt? Was untersagt?

Für uns gelten die gleichen Vorgaben wie für alle anderen. Einzige Ausnahme sind Gott sei Dank Beerdigungen im Freien. Da dürfen es bis zu 20 Personen sein, mit dem gebotenen Sicherheitsabstand.

Was hätten Sie ohne Corona geplant?

Da wäre das ganz normale Gottesdienstprogramm gelaufen: Passionsandachten, Vorstellungsgottesdienst der Konfirmanden, Palmsonntag, Gründonnerstag mit Abendmahl, Karfreitag, Osternacht und Ostersonntag, Ostermontag, und dann Ende April und Anfang Mai die Konfirmationen.

Das ist alles abgesagt. Gerade für die Konfirmanden hat mir das sehr leidgetan. Und auch für die Chöre und Posaunenchöre, die einen Teil dieser Gottesdienste mitgestalten.

Wie halten Sie es mit dem Abendmahl für die Gläubigen?

Die Frage stellt sich aktuell nur für das Hausabendmahl. Die Menschen, die das in Anspruch nehmen würden, gehören zur Risikogruppe, und ich komme durch Kita und Trauergespräche mehr herum als andere. Es bräuchte schon einen guten Grund, dass ich zu alten und kranken Menschen ginge. Ausnahme sind natürlich Sterbende. Da ginge ich sofort hin.

Gottesdienste im Internet: Kirchengemeinde hat Youtube-Kanal

Wie bleiben Sie mit den Gläubigen in Kontakt?

Da bin ich Gott sei Dank nicht allein. Über unseren Posaunenchor und sein Spielen hat Ihre Zeitung berichtet. Die Kirchen sind täglich offen. Diese Woche ist um unsere Kirchen ein Kreuzweg aufgebaut worden, den man abschreiten kann – bitte Sicherheitsabstand wahren.

Nach wie vor gibt es die Predigten ausgedruckt, und man kann sie sich holen oder bringen lassen. Und seit zwei Wochen hat die Kirchengemeinde Bottendorf-Willersdorf einen eigenen Youtube-Kanal, wo wir Aufnahmen der Gottesdienste einstellen. Der letzte hatte nach zwei Tagen über 400 Aufrufe – da war ich überrascht. Offenbar erreichen wir auf diesem Weg auch Menschen, die wir sonst nicht erreichen.

Finden die Menschen es schade, dass die üblichen Ostergottesdienste nicht stattfinden?

Da bin ich mir sicher. Der Osternachtsgottesdienst in Bottendorf mit anschließendem Frühstück ist immer etwas Besonderes, der Gottesdienst mit Eiersuche für die Kinder in Willersdorf ebenso.

Und zum ersten Mal nach sechs Wochen wieder „Halleluja“ singen – vielleicht versteht das nicht jeder, aber da merke ich einmal mehr, dass „Evangelium“ wörtlich „FROHE Botschaft“ bedeutet.

Bekommt Ostern unter den neuen Bedingungen eine größere Bedeutung?

Ostern hat maximale Bedeutung, wenn Ihnen die Erkenntnis etwas bedeutet, dass nicht der Tod, sondern Gott und das ewige Leben das letzte Wort behalten. Wenn Menschen durch diese Krise die Bedeutung von Ostern neu einschätzen lernen – gut, wenn sie es lernen. Schade, dass es dazu eine Krise mit all ihren negativen Begleiterscheinungen braucht.

Gottesdienste im Internet: Pfarrer spricht vor leeren Bänken

Ändert sich Ihre Vorbereitung auf die Ostergottesdienste?

Kaum. Ich muss etwas früher fertig sein, damit wir Zeit für die Aufnahme und das Schneiden haben. Normalerweise versuchen wir, das Video zur Gottesdienstzeit freizuschalten. Womit ich mich schwertue, ist das Sprechen vor leeren Bänken.

Wissen Sie, die Leute reden zwar nicht in die Predigt hinein, aber ihre Gesichter antworten sehr deutlich auf das, was ich sage. Das fehlt mir. Und es fehlen mir die Menschen, mit denen ich singe und bete und denen ich nach dem Gottesdienst die Hand geben kann.

Was ist Ihre Botschaft an diesem außergewöhnlichen Osterfest?

Dieselbe wie immer: Der Herr ist auferstanden – er ist wahrhaftig auferstanden. Und keine Krise ändert was daran, dass, wie vorhin gesagt, nicht Leid, Not, Tod, sondern Gott das letzte Wort behält. Und das heißt Auferstehung.

Zur Person: Konrad Schullerus

Konrad Schullerus (48) wurde in Schäßburg (Siebenbürgen, Rumänien) geboren. Er studierte im rumänischen Hermannstadt und in Marburg Theologie. Ab 2003 arbeitete er als Pfarrer in Singlis/ Lendorf bei Borken im Schwalm-Eder-Kreis.

Seit Juni 2012 ist Schullerus, der geschieden ist und drei Kinder hat, Pfarrer in Bottendorf und Willersdorf. In seiner Freizeit liest er gerne und sammelt Edelsteine im Kellerwald.

Wegen Corona ist Ostern in Kassel erheblich eingeschränkt. Gottesdienste und Kirchenmusik gibt es trotzdem - im Internet. Wir sprachen mit der Kirchenmusikerin Friederike Höppner.

Die Coronakrise wirkt sich auf Ostern aus. Gottesdienste sind aufgrund der Verordnungen zum Schutz vor Virus-Ansteckungen auch am höchsten christlichen Feiertag untersagt.

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