Interview mit Pfarrerin Wickert: Beten kann uns verändern

Tipps zum Beten: Die Frankenberger Pfarrerin Felicita Wickert mit dem evangelischen Gesangbuch sowie mit einem Kinderbuch mit Gebetsvorschlägen und einem Gebetswürfel für Kinder. Sie befindet sich in der Marienkapelle der Liebfrauenkirche in Frankenberg, die gerne von Menschen für persönliches Gebet genutzt wird. Foto: Biedenbach

Frankenberg. Für sie ist Beten „ein Gespräch mit Gott" und Gott ein „guter Freund". Die HNA hat anlässlich der Allianz-Gebetswoche mit Pfarrerin Felicita Wickert gesprochen.

Die 31-Jährige ist überzeugt: „Beten hat Wirkung und kann uns verändern.“ Und sie gibt Tipps, wie man mit Kindern beten kann.

Frau Wickert, was ist die Allianz-Gebetswoche genau? 

Felicita Wickert: Regelmäßig zu Beginn des Jahres laden alle evangelischen Christen - also die Christen der Landeskirche, der evangelischen Gemeinschaften und der Freikirchen - eine Woche lang zu gemeinsamen Gebetsabenden ein. Wir tragen dann gemeinsam die Anliegen der Zeit vor Gott vor. Neben aktuellen Themen ist das Leitthema in diesem Jahr das „Vaterunser“.

Warum sollten Ihrer Meinung nach die Menschen überhaupt beten? 

Wickert: Wir können im Gebet unser Leben vor Gott bedenken und als Folge daraus etwas verändern.

Hat Beten wirklich eine Wirkung oder ist das nicht eine naive Vorstellung? 

Wickert: Gott ist kein Wunscherfüllungs-Automat. Aber Gebete können mir eine neue Sicht auf Dinge bringen und mir dadurch helfen, mich zu verändern. Gebete werden vielleicht nicht sofort erfüllt - und vielleicht auch nicht so, wie ich es mir vorstelle oder wünsche. Aber Gott hört unsere Gebete, da bin ich mir sicher. Gebete helfen uns Menschen, insbesondere auch in schweren Situationen, zum Beispiel bei einer schweren Krankheit. Wenn wir beten, sind wir nicht allein.

Die Allianzgebetswoche beinhaltet ein Kinderprogramm. Was schlagen Sie vor, wie man mit Kindern beten sollte? 

Wickert: Ich empfehle, schon mit ganz kleinen Kindern zu beten. Auch wenn sie den Sinn der Worte noch nicht verstehen, so nehmen sie doch die damit verbundene Stimmung, die Ruhe und das Vertrauen wahr. Kindergebete sind oft gereimt. Das Erstaunliche ist, dass Kinder sie schnell auswendig lernen und den Inhalt oft von selbst auf ihre Umwelt beziehen, zum Beispiel, dass sie um Hilfe für den kranken Nachbarn beten. Die Kinder lernen so, mit Gott zu reden wie mit einem Freund.

Wann sollte man am besten mit den Kindern beten? 

Wickert: Ein guter Zeitpunkt ist das Tischgebet. Dabei lernen die Kinder, dass Nahrung nicht selbstverständlich ist, dass das Brot durch viele Hände gegangen ist, bevor es auf dem Tisch liegt, dass wir auf die Schöpfung angewiesen sind. Der andere Zeitpunkt ist der Abend, wenn man zur Ruhe kommt und den Tag noch einmal bedenkt.

„Ich bin klein, mein Herzchen ist rein“, ist ein bekanntes Kindergebet. Empfehlen Sie solche Kindergebete aus dem Volksgut auch heute noch? 

Wickert: Ja natürlich. Es gibt schöne Kinderbücher mit Gebetsvorschlägen und auch Gebetswürfel sind beliebt. Oft ist es so, dass sich die Eltern beim Beten mit den Kindern an Gebete erinnern, die sie früher selbst gebetet haben. Mir fällt da spontan das Gebet „Müde bin ich, geh zur Ruh, schließe beide Augen zu…“ ein. Wenn Eltern diese Gebete mit ihren Kindern sprechen, sorgt das für besondere emotionale Verbundenheit. Die Mischung aus solchen Gebeten und freiem Beten kommt meist von ganz allein.

Wie sich das Beten bei Jugendlichen verändert, warum das Vaterunser noch aktuell ist und wie oft die Pfarrerin selbst betet, das lesen Sie in den gedruckten Sonntagsausgaben der HNA Frankenberger und Waldecker Allgemeine.

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