Einladung des Kulturrings

Buntes mit schwarzem Humor: Kabarettist Abdelkarim trat in Frankenberg auf

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Jugendsprache im Ohr: „Wenn ihr irgendwo Jugendliche seht, setzt euch dazu. Ihr werdet viel lernen“, sagt Kabarettist und TV-Comedian Abdelkarim. 

Frankenberg – Abdelkarim, der fröhliche Deutsch-Marokkaner aus der Bielefelder Bronx, kam nach Frankenberg mit der Bahn.

 „Todenhausen, Ernsthausen – will man da aussteigen?“ fragt er seine Zuhörer, als er auf Einladung des Frankenberger Kulturrings nach zwei Jahren wieder einmal auf der Bühne der Ederberglandhalle steht. Und er erfährt im Gespräch mit ihnen gleich so allerhand aus der Region. „Bad Wildungen? Klingt ja sehr klein!“ Zuruf aus der zweiten Reihe: „Aber hat 22 Krankenhäuser!“

Der prominente Kabarettist und Fernsehmoderator bekennt sich zu seiner Lebensgeschichte als Sohn marokkanischer Einwanderer. Er ist in Deutschland geboren, hat hier studiert, will aber auch äußerlich mit seinen grellbunten T-Shirts und der abgewetzten Lederjacke weiter als Marokkaner erkannt werden.

Wenn er mit lockeren Späßen seine Rollen wechselt, zwischen den Welten von Einheimischen und Migranten hin- und herpendelt, Integration, die Angst vor dem Islam, soziale Brennpunkte und Jugendkultur vor seiner eigenen Biografie spiegelt, dann wirkt das immer authentisch, glaubhaft, auch wenn es manchmal vielleicht weh tut. Beispiel Flüchtlinge: „Als sie kamen, konnten wir Migrantenkinder den Schwarzen Peter eine Runde weiterreichen!“ 

Er schildert das Warten in der Ausländerbehörde oder auch, wie es ist, wenn er am Flughafen als Marokkaner mit seinem Freund Ali gleich erstmal unter hundert anderen Passagieren freundlich von Polizeibeamten herausgewunken und nach den Papieren gefragt wird. Abdelkarim schildert Erlebnisse eines durch und durch integrierten Gastarbeiterkindes, das am St.-Martins-Abend stolz mit anderen Kindern durch die Stadt wandert, wenn auch „zu Ungläubigenmusik“, und drei Mandarinen geschenkt bekommt. „In deutschen Familien lesen die Eltern abends ihren Kindern Geschichten vor“, weiß er. „Ich kenne das nur so: dass wir Kinder den Eltern Briefe vorlesen mussten, in denen immer das Wort ‚Frist’ vorkam.“

So wie in seinen lockeren Gesprächen mit dem Frankenberger Publikum – die Plätze in der ersten Reihe sind im Kabarett immer risikoreich – fällt es dem erfahrenen Bühnenmann nicht schwer, Stand-Up-Komik zu entwickeln, auch vertraute Figuren aus der großen Politik anzuschießen.

Von Kanzlerin Angela Merkel hat er seine ganz eigene Sicht: „Sie wirkt auf mich seit 30 Jahren wie ein Mafia-Boss. Keiner hört sie, keiner sieht sie. Aber ihre Feinde verschwinden mit der Zeit alle!“

Nach zwei frech-fröhlichen Kabarettstunden mit viel Regenbogenfarbe unter schwarzem Humor feiert das Publikum in Frankenberg den „Marokkaner seines Vertrauens“ mit herzlichem Beifall.

Was hat Abdelkarim gesagt? „Man darf nicht alles ernst nehmen. Wir sind nicht alle aus Ernsthausen!“ Er kennt Ernsthausen nicht wirklich.

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