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Kabarettist Mathias Richling parodiert in Frankenberg die Ampel

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Von: Karl-Hermann Völker

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Mathias Richling sarkastisch in der Kulturhalle: Beethoven sei taub, depressiv, unglücklich verliebt gewesen und habe dennoch große Musik hervorgebracht. „So viele Politiker sind doch heute auch unglaublich taub – wo bleiben ihre herrlichen Sinfonien?“
Mathias Richling sarkastisch in der Kulturhalle: Beethoven sei taub, depressiv, unglücklich verliebt gewesen und habe dennoch große Musik hervorgebracht. „So viele Politiker sind doch heute auch unglaublich taub – wo bleiben ihre herrlichen Sinfonien?“ © Karl-Hermann Völker

Der aus dem Fernsehen bekannte Kabarettist Mathias Richling ist in Frankenberg aufgetreten. Dabei ging es vor allem um die aktuelle Bundespolitik in Deutschland.

Frankenberg – Die Ampel blinkt grün-gelb-rot, auf einer Riesenleuchttafel strahlt der Reichstag - und dazwischen quirlt Mathias Richling über die Bühne der Frankenberger Kulturhalle. Er ist mit kabarettistischem Volldampf zurück, auf Deutschland-Tournee nach Zeiten von Corona, freut sich, dass es mit dem Besuch beim Frankenberger Kulturring nach zwei Verschiebungen endlich geklappt hat, wird vom Publikum freundlich begrüßt.

Da hat sich einiges angestaut in Zeiten von Krisen und wirtschaftlichen Problemlagen, ein Koffer voll Zündstoff für aktuelle Satire. Endlich wieder Gelegenheit, sämtliche politischen Großköpfe gnadenlos zu entzaubern, neue gesellschaftliche Wirklichkeiten genüsslich zu karikieren.

Es geht gleich los mit Robert Habecks Vorschlägen zum Energiesparen, nachdem Putin das Gas abgedreht hat: Öffentliche Gebäude und private Whirlpools im Garten sollen angeblich nicht mehr beheizt werden! Richling erleichtert: „Ich habe gar keinen!“ Daher sucht er nach Möglichkeiten der persönlichen Reinigung, „wenn einem das Duschen schon verwehrt wird“.

Der Meister des superschnellen Sprachflusses macht sich lustig über das „Ablenkverhalten mit Familienbüchern und Heimatfilmen“, an den Rassismus-Vorwurf gegen Winnetou-Geschichten („Indianer waren für mich immer das Allergrößte!“) und gegen die „Diskriminierung von Römern“ bei Asterix und Obelix.

Der mit vielen Preisen ausgezeichnete Kabarettist Richling spielt routiniert mit Sprache, landet gezielte Versprecher, ahmt in seinen Parodien Tonfall und Dialektfärbungen nach, hat den Sprachduktus und die Gesten seiner Satire-Zielfiguren studiert und kommt deshalb auf der Bühne, anders als in seinen Fernseh-Shows, ganz ohne typische Kleidung, Akzessoires oder Perücken aus - Altkanzler Gerhard Schröders Armani-Anzug entsteht allein aus dem Wortspiel heraus („Das Geld, das Putin für mich zahlt, kann er nicht einsetzen gegen die Ukraine“).

Kanzler Olaf Scholz als „Second-Hand-Merkel“

Mathias Richling erweist sich als Seismograf für Sprache, denkt ans politisch korrekte Gendern selbst bei einer „Fahrzeug/Innen-Reinigung“ und verzweifelt, „weil Sprache nicht mehr sprechbar ist“. Alle wolle er auf die Bühne der Kulturhalle holen, hatte Richling im HNA-Interview versprochen. Und er lässt sie der Reihe nach aufmarschieren, von real bis grotesk übersteigert, wobei er sich auf Kanzler Olaf Scholz als „Second-Hand-Merkel“ besonders eingeschossen hat.

Natürlich sind Gesundheitsminister Karl Lauterbach dabei („hat vier eigene Talkshows mit prominenten Gästen wie Lanz, Maischberger, Will, Plasberg“), Friedrich Merz, Christian Linder, Frank-Walter Steinmeier, auch Andreas Gabalier oder Alice Schwarzer. Besonders gut gelingt dem Schwaben Richling die Figur seines Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann im geschmatzten Dialog mit Innenminister Thomas Strobl. Dann Licht aus, Silhouette, zwei Pappröhren im Anschlag: eine Persiflage über Wladimir Putin. Sie kann nur bitter sein. Richling versucht selbst Abgründe des Bösen auch hier mit Sprache zu überspringen.

Erst steckte Kabarett in Zeiten von Corona in der Krise. Öffentliche Satire hatte Pause. Und nun muss sie plötzlich humorvoll mit Weltkrisen umgehen - Mathias Richling schaffte diese Ambivalenz mit der ihm eigenen kritischen Schärfe, elegantem Sprachspiel und persönlich sympathischer Ausstrahlung. Manchmal beim intelligenten Politiker-Bashing so grotesk, dass man schon wieder ein bisschen Mitleid für die Realfiguren empfand. Es gab am Schluss herzlichen Beifall für den Künstler und Dank des Kulturrings von Susanna Krobisch.

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