Keks hat ein kaputtes Ohr

Frankenberg: 300 Kinder in der Teddy-Klinik

Im OP: Der Plüschhund Keks von Joel Klein aus Battenberg wird am Ohr genäht; Charlotte Söling (links) und Theresa Liese verarzten das Kuscheltier. Fotos:  Paulus

Frankenberg. Keks ist ganz tapfer. Der kleine Plüschhund gibt keinen Laut von sich, als ihm Theresa Liese vorsichtig mit der Nadel ins Ohr sticht.

„Keks hat ein kaputtes Ohr", erzählt Joel Klein. Er hat Keks mit in die Teddy-Klinik gebracht, damit es dem Plüschhund bald wieder besser geht.

Es herrscht Hochbetrieb an diesem Mittwoch in der Ederberglandhalle. Rund 300 Kinder sind mit ihren Kuscheltieren und ausgedachten Krankheiten und Wehwehchen gekommen. Was für die Kinder ein Spiel ist, hat einen pädagogischen Hintergrund: „Wir wollen den Kindern die Angst vor dem Arztbesuch nehmen“, erklärt Klaus Weise, bis vor zwei Jahren selbst Oberarzt am Kreiskrankenhaus in Frankenberg.

Der Lions-Club Frankenberg, dem Weise angehört, finanziert und organisiert die Teddy-Klinik. In diesem Jahr zum sechsten Mal. Dafür sind wieder gut 30 Studenten der Medizin, Pharmazie und Zahnmedizin von der Universität Marburg nach Frankenberg gekommen.

Auch für die 19- bis 30-jährigen angehenden Ärzte, Apotheker und Zahnärzte ist die Teddy-Klinik nicht nur eine willkommene Abwechslung, sondern auch eine Erfahrung, erklärt Studentin Lena Niehoff: „Das ist für uns eine gute Übung, die Dinge kindgerecht zu erklären. Wir hatten im Vorfeld eine Schulung über das Krankheitsverständnis von Kindern.“

Üblicherweise, so erläutert Klaus Weise, seien Kinder eher unselbständig bei Arztbesuchen dabei, weil sie ja mit ihren Eltern dorthin gehen. In der Teddy-Klinik übernehmen die Kinder nun selbst die Rolle des Begleiters für ihre kranken Kuscheltiere. Die Krankheiten von Teddy und Co. denken sie sich selbst aus. „Viele sind von der Schaukel gefallen und haben sich ein Bein gebrochen“, erzählt Lena Niehoff. „Andere haben Bauch- oder Halsschmerzen - was die Kinder eben von sich selbst kennen.“

Der kleine Teddy von Max Schindzielorz aus Berghofen hat ein eher ungewöhnliches Problem: Er hat zu viel Müll gegessen, erzählt der Vierjährige. Studentin Lotte Dahmen zeigt Max an einem fingierten Ultraschallgerät, wie das im Bauch des Teddys aussieht. Das kleine Plüschtier bekommt später in der Apotheke Tee und Kuscheleinheiten verschrieben. Und für Max gibt‘s was Süßes und ein kleines Spielzeug, weil er ihn so toll begleitet hat.

Wartezimmer, Untersuchungsräume, Ultraschall, Röntgen, OP und Apotheke - „hier wird der ganze Arztbesuch nachgespielt“, sagt Klaus Weise. Ein Kinderarzt aus Frankenberg habe ihm schon berichtet, dass Kinder bei ihrem eigenen Arztbesuch begeistert von der Teddy-Klinik erzählt hätten. Auch vor einer Fahrt im Krankenwagen müssen die Kinder zukünftig keine Angst mehr haben: In einem Rettungswagen des DRK können sich die Kinder draußen vor der Ederberglandhalle ansehen, wie so ein Wagen eingerichtet ist.

13 Kindergärten haben am Mittwoch an der Teddy-Klinik teilgenommen, über den Tag verteilt waren rund 300 Kinder da, sagt Klaus Weise, der der Stadt Frankenberg dankt, dass sie die Ederberglandhalle kostenlos zur Verfügung gestellt hat.

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