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Kinder machen Radio: Frankenberger bietet Workshops an

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Von: Kira Müller

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Aufnahmegerät, Kopfhörer und Mikrofon: Phil Röse hat alles dabei, was die Kinder und Jugendlichen brauchen, um Radio und Hörspiele zu machen.
Aufnahmegerät, Kopfhörer und Mikrofon: Phil Röse hat alles dabei, was die Kinder und Jugendlichen brauchen, um Radio und Hörspiele zu machen. © Kira Müller

Der Frankenberger Phil Röse gibt Medienkurse für Kinder und Jugendliche. In Workshops vermittelt der 27-Jährige, wie man Radio und Hörspiele macht.

Frankenberg – Quietschende Türen einer Gruselvilla, Wasserplätschern oder Schritte auf einem knarrenden Boden. Eine Umfrage auf dem Schulhof, ein Interview mit der Schulleitung oder Tipps für die besten Serien und Bücher.

Radio machen und Hörspiele sprechen – bei den „Radiorabauken“ ist das möglich. Unter diesem Titel bietet Phil Röse aus Frankenberg seit September Medienworkshops an. Für Kinder und Jugendliche heißt es dann: Zuhören, Atmen lernen und Sprechen üben.

„Ich bin schon lange überzeugt von der Idee. Ich hatte sie schon vor zwei Jahren, aber dann kam Corona“, sagt Phil Röse, der selbst schon als Radio-Reporter für HR3 gearbeitet hat. Jetzt hat seine Freundin eine Stelle als Lehrerin angeboten bekommen und so sind die beiden wieder zurück ins Frankenberger Land gezogen. „Das war der Punkt, an dem ich dachte, dann mache ich das jetzt.“

Nun bietet der 27-Jährige verschiedene Workshops an: „Ich möchte Schulen und Vereinen die Möglichkeit geben, selbst zu entscheiden, wie viel Zeit sie in das Thema Radio und Hörspiele investieren wollen. Wir können uns schnell und kurzfristig absprechen.“ Schulen und Vereine müssten so kein festes Programm buchen.

Radio-AG

Ein Angebot von Phil Röse ist eine Radio-AG. An der Edertalschule in Frankenberg und am Gustav-Stresemann-Gymnasium in Bad Wildungen sind schon einige Folgen erschienen. Die AGs leitet der Radiobegeisterte einmal die Woche je 90 Minuten für Schüler ab der fünften Klasse. „Ich habe einige Schulen angefragt und die haben sofort gesagt, das machen wir.“ Mikrofone, Aufnahmegeräte, Kopfhörer, ein Schnittprogramm – alles, was ein Reporter braucht, bringt Röse mit.

Je nachdem, wie fit die Schüler im Bereich des Radios sind, kann Phil Röse die Übungen anpassen, erklärt er. Meist starte er aber mit Sprech- und Atemübungen. Wie muss ich atmen, damit ich klar und deutlich sprechen kann? Dafür nimmt er Hilfsmittel wie Zungenbrecher oder einen Korken zur Hand. Der Korken wird zwischen die Lippen genommen – plötzlich ist das deutliche Sprechen gar nicht mehr so leicht. „Am Anfang war es auch für mich schwierig, die Übungen vorne vorzumachen und den Hampelmann zu machen“, sagt Röse und lacht.

Welche Themen die Kinder aufarbeiten, überlässt er den Kindern selbst. „Ich versuche, so wenig wie möglich vorzugeben. Die Schüler sind mittlerweile so fit, dass sie sagen, was für Ideen sie haben und worauf sie Lust haben.“ Zum Beispiel interviewen sie den Hausmeister oder stellen andere AGs vor. Ganz beliebt sei auch ein Interview mit dem Schulleiter.

„Radio kann man gut an Schulen bringen und nebenbei super viel vermitteln“, erklärt Röse.

Für seine bisherigen Workshops und AGs hat er gutes Feedback bekommen und so will er das „jetzt auf breitere Beine stellen“. Gerade nach der Corona-Zeit sei das eine dankbare Sache, weil die Kinder auf viel verzichten mussten.

Hörspiele

Für Schüler ab der dritten Klasse bietet der Frankenberger einen Workshop zum Thema Hörspiele an. „Für die Kids ist das eine tolle Möglichkeit, sich in Rollen einzufühlen.“

Manchmal bringen Schüler dann auch ihre eigene Hörspiele mit. „Da habe ich gemerkt, dass das Thema Hörspiel noch präsent ist.“ Welche Geschichte das Hörbuch haben soll, dürfen die Kinder alleine entscheiden. Für den Notfall habe er aber ein paar Hörbücher dabei, bei denen er „die Figuren mit ihren Charakterzügen schon aufgearbeitet hat“.

Auch seine Geräusche-Kiste ist prall gefüllt: Kokosnüsse klappern wie Hufe, ein Geschirrtuch als schlagendes Herz, alte Kassettenbänder, um Regen nachzumachen. Und aus einem Schnapsglas wird ein quakender Frosch. „Jedes Geräusch kann man irgendwie nachmachen“, sagt Phil Röse.

Am Anfang lässt er die Kinder aber erst einmal ausprobieren – welches Geräusch wird gebraucht und wie kann es nachgemacht werden? In einer Projektwoche wird ein Hörspiel meist 15 bis 20 Minuten lang. Nicht nur das Aufnehmen, sondern auch die Vorbereitung und der Schnitt nehmen Zeit in Anspruch. Zum Beispiel müssen Figuren ausgearbeitet werden: Was hat der Mensch für einen Charakter? Ist er eher fröhlich oder grummelig? Wie spricht er?

Am meisten ist Röse das erste Hörspiel in Erinnerung geblieben: „Das waren Dritt- oder Viertklässler; die haben ein Hörspiel über eine Gruselvilla gemacht. Am Anfang waren sie noch sehr skeptisch, aber sie sind super schnell aufgetaut. Das erste richtige Hörspiel fertig zu haben, war auch für mich voll cool“, erinnert sich Röse.

„Als die Kids die CD, die ich ihnen gebrannt hatte, dann freudestrahlend an ihre Eltern übergeben haben, wusste ich: Ich hab alles richtig gemacht.“

Mehr Infos: radiorabauken.de

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