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Kita Röddenau sammelt Unterschriften für den Erhalt der „Sprach-Kita“

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Von: Martina Biedenbach

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Sprachförderung mit Puppen: Erzieherin Sabrina Tripp (links) und Leiterin Gudrun Keim vom Kindergarten Röddenau werben für den Erhalt des Programms Sprach-Kita. Auch die Puppen in ihren Armen tragen zur erfolgreichen Sprachförderung bei. Ihr Einsatz ist eine der vielen Anregungen des Sprach-Kita-Programms.
Sprachförderung mit Puppen: Erzieherin Sabrina Tripp (links) und Leiterin Gudrun Keim vom Kindergarten Röddenau werben für den Erhalt des Programms Sprach-Kita. Auch die Puppen in ihren Armen tragen zur erfolgreichen Sprachförderung bei. Ihr Einsatz ist eine der vielen Anregungen des Sprach-Kita-Programms. © Martina Biedenbach

Die Kita Röddenau (Stadt Frankenberg) beteiligt sich an der bundesweiten Unterschriften-Aktion für den Erhalt der Sprach-Kitas.

Röddenau – Mit einer Unterschriftenaktion wirbt die städtische Kindertagesstätte Röddenau für den Erhalt des Bundesprogramms „Sprach-Kita: Weil Sprache der Schlüssel zur Welt ist“. „Wir haben so gute Erfahrungen damit gemacht und wollen diese Sprach-Förderung weiterführen“, sagt Kita-Leiterin Gudrun Keim.

Zusammen mit Kindern hat Erzieherin Sabrina Tripp, die mit einer halben Stelle als Sprachkraft in der Kita beschäftigt ist, Unterschriftenlisten in Röddenauer Geschäften ausgelegt. Auch Eltern und Bekannte sammeln Unterschriften für eine Petition an den Deutschen Bundestag. Wenn bundesweit bis 14. September 50 000 zusammenkommen, führt das zu einer Anhörung im Petitionsausschuss des Bundestages.

Hintergrund: Das Bundesfamilienministerium beabsichtigt, dieses 2011 gestartete Programm Ende 2022 zu beenden und die Weiterführung den Ländern zu überlassen. Die Förderung war laut Ministerium erfolgreich. „In rund 6900 Kitas wurden durch fast 7500 zusätzliche Fachkräfte mehr als 500 000 Kinder erreicht. Damit ist fast jede 8. Kita in Deutschland eine Sprachkita“, heißt es in einem Schreiben.

Nach diesem „gelungenen Kompetenzaufbau“ will der Bund nun die „erprobten Strukturen“ in die Verantwortung der Länder übergeben. Das Familienministerium verweist darauf, dass der Bund über das Gute-Kita-Gesetz die Länder in den kommenden beiden Jahren mit bis zu zwei Milliarden Euro unterstützen werde.

Die Röddenauer Kitaleiterin Gudrun Keim befürchtet aber, dass ab kommendem Jahr die halbe Stelle der Sprachkraft Sabrina Tripp wegfällt. Dabei trage ihre Arbeit gute Früchte. Der Einsatz der eigens für diese Aufgabe geschulten Mitarbeiterin ist vielfältig, schildert Keim: Sie sichtet die aktuelle Fachliteratur und neuen pädagogischen Angebote und gibt sie an die Kolleginnen weiter, auf Wunsch auch an die anderen Kitas der Stadt Frankenberg.

Das sind zum Beispiel Sprachspiele, wie etwa „Die Raupe füttern“. In langen Dosen, die wie Raupen aussehen, sind Karten mit Bildern zu Themenfeldern enthalten. Immer wenn ein Kind das Wort für das dargestellte Bild sagt, darf es die Karte durch einen Schlitz wieder in die Raupe stecken. „Das ist sehr beliebt bei den Kindern“, sagt Sabrina Tripp.

Vieler solcher Spiele und Methoden wenden sie und ihre Kolleginnen an. Und: Kinder können sich einzeln oder in Gruppen an sie wenden, um mit ihr zu reden. „Das machen sie immer wieder sehr gerne“, sagt Tripp. „Die Sprachförderung findet im Alltag statt – beim Spielen, Mittagessen, der Mittagsruhe – und nicht als Unterricht. Ziel ist eine vertrauensvolle Atmosphäre zu schaffen und Kindern Wörtern geben“, erläutert sie.

Den Effekt beschreibt dieKitaleiterin so: „Wer Worte für sein eigenes Befinden hat, kann mit Worten sagen, was ihn stört, und muss zum Beispiel Unmut nicht durch aggressives Verhalten ausdrücken.“ Das Programm richtet sich an alle Kinder, nicht nur an Kinder mit Migrationshintergrund. Und auch auf das Team habe es gute Auswirkungen. Auch die Erzieherinnen seien achtsamer für Sprache geworden. Das fördere das Verständnis, das Team sei zusammengewachsen. Und das wirke wiederum positiv auf die Kinder, sagt Keim und hofft auf viele Unterschriften. (Martina Biedenbach)

Weitere Infos

Weitere Infos und Möglichkeit, die Aktion zu unterstützen auf sprachkitas-rette.de

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