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Förderverein kritisiert schlechte Stimmung an Frankenberger Kreiskrankenhaus

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Von: Susanna Battefeld

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Das Kreiskrankenhaus in Frankenberg aus der Luft
Das Kreiskrankenhaus in Frankenberg aus der Luft © Jörg Paulus

Unzufriedenheit mit dem Führungsstil der Geschäftsführung und der Stimmung am Kreiskrankenhaus Frankenberg kamen in der Jahreshauptversammlung des Fördervereins zur Sprache.

Frankenberg – Unzufriedenheit mit dem Führungsstil der Geschäftsführung und der Stimmung am Kreiskrankenhaus kamen jetzt bei der Jahreshauptversammlung des Krankenhaus-Fördervereins zur Sprache. Thema war unter anderem der Weggang von Chefarzt Dr. Alfred Cassebaum, der, wie berichtet, zum 1. Juli an eine Klinik nach Bad Wildungen gewechselt ist. „Er ist ein Arzt mit Leib und Seele und glänzender Lehrer“, sagte Vereinsvorsitzender Dr. Harald Schmid über Cassebaum, der über große Expertise in der Adipositas-Chirurgie verfüge.

Zu Wort meldete sich auch der 2. Vorsitzende, Dr. Thomas Ludolph, ebenfalls ehemaliger Chefarzt des Kreiskrankenhauses, der seit Mai vergangenen Jahres in Rente ist und scharfe Kritik an der Geschäftsführung übte. Den Umgang mit den Mitarbeitern habe er als „extrem respektlos und unhöflich“ erlebt, sagte Ludolph. In wichtige Entscheidungen werde man nicht einbezogen, sondern stattdessen „abgebügelt.“ „Die Unzufriedenheit ist überall“, sagte Ludolph und verwies darauf, dass in der Vergangenheit etliche Mitarbeiter – aus allen Bereichen – gekündigt hätten.

Grundproblem sei das „kranke Gesundheitswesen“. Die Geschäftsführungen – und das gelte auch für andere Krankenhäuser – würden versuchen, den Druck weiterzugeben. „Ich möchte hier nicht so erscheinen, als ob ich einen Streit vom Zaun brechen will“, stellte Ludolph klar und wollte nicht ausschließen, dass bei ihm sicher auch Emotionen mit im Spiel seien. Er sei aber für ein „offenes Wort“.

Der HNA gegenüber wurde zudem auch der „ohne jegliche Rücksprache“ mit den Ärzten oder dem Pflegepersonal erfolgte Umzug des Medizinischen Versorgungszentrums (MVZ) innerhalb des Krankenhauses als Kritikpunkt genannt.

„Es gibt viel Unzufriedenheit am Krankenhaus“, bestätigte Vereinsvorsitzender Dr. Harald Schmid. Am meisten hapere es an der Menschlichkeit und an der notwendigen Empathie, kritisierte er. Das Krankenhaus durchlaufe derzeit betriebswirtschaftliche Reformen. Es sei aber ein Unterschied, ob so etwas in einem Industriebetrieb oder einem Sozialbetrieb wie einem Krankenhaus erfolge.

Auch Aufsichtsratsmitglied Friedhelm Pfuhl sprach von „Frust in großen Bereichen“ am Krankenhaus. Die Stimmung sei betrübt und gedrückt. Er führt das auch darauf zurück, dass es seit 2003 ständig wechselnde Geschäftsführer gegeben habe. „Es wird nichts besser dadurch, dass man die Geschäftsführung immer mal wieder austauscht“, sagte Pfuhl. Auch er sprach Alleingänge der Geschäftsführung an, beispielsweise bei Personalentscheidungen.

„Baulich, inhaltlich und auch menschlich muss im Krankenhaus alles besser werden“, forderte Pfuhl. Er sei – ebenso wie Dr. Schmid – Verfechter eines Neubaus, weil dann alte Strukturen aufgelöst werden könnten.

Dr. Schmid hatte in seinem Jahresbericht auch darüber informiert, dass die Kardiologische Überwachungsstation am Kreiskrankenhaus kürzlich geschlossen wurde. Für die Patienten bedeute dies eine Verschlechterung, weil ein erfahrenes und kompetentes Team aufgelöst worden sei, sagte Schmid der HNA.

Bei einem Gespräch mit Landrat Jürgen van der Horst und Krankenhaus-Geschäftsführerin Margarete Janson im März habe er den Landrat „energiegeladen und engagiert“ erlebt, berichtete Schmid. „Der Landrat möchte das Krankenhaus zur Chefsache machen.“ Nach Schmids Ansicht stehe der Bestand des Krankenhauses politisch außer Frage: „Es ist zur Versorgung unentbehrlich.“

Das sagt das Krankenhaus zur Kritik: Strukturen und Abläufe verbessern

Corona-Pandemie, hohe Krankenstände, wirtschaftliche Herausforderungen oder auch der Fachkräftemangel im Gesundheitsbereich: Insbesondere die kleinen, kommunal geführten Kliniken im ländlichen Raum stehen derzeit unter enorm hohem Druck – auch das Kreiskrankenhaus Frankenberg“, sagt dessen Aufsichtsratsvorsitzender Landrat Jürgen van der Horst auf Nachfrage der HNA zu der aktuell schlechten Stimmung im Krankenhaus.

Und weiter: „Für das Klinikpersonal stellt das eine zusätzliche Belastung im ohnehin fordernden Arbeitsalltag dar und frustriert manche Mitarbeitenden. Margarete Janson hat vor zwei Jahren die Geschäftsführung übernommen, um in der Klinik etwas zu bewegen und dazu beizutragen, Frankenberg auch langfristig als Krankenhausstandort zu sichern.

Ziel der Strategie ist es, die Strukturen und Abläufe im Haus so zu verbessern, dass der Patient oder die Patientin auch weiterhin bestmöglich versorgt wird und sich gut aufgehoben fühlt. Von der Optimierung der Prozesse werden aber auch die Mitarbeitenden profitieren. Wir freuen uns über jeden, der aktiv dazu beiträgt, Arbeitsabläufe in seinem Zuständigkeitsbereich noch weiter zu verbessern und eine konstruktive und respektvolle Arbeitsatmosphäre fördert. Das ist ein gemeinsamer Weg, den wir zusammen mit den Mitarbeitenden nur als Team schaffen können“, sagt der Landrat.

Geschäftsführerin Margarete Janson ergänzt, dass der Prozess der Umgestaltung des Medizinischen Versorgungszentrums (MVZ) gemeinsam mit den Mitarbeitenden umgesetzt worden sei und sie auf dem Weg dahin, stets mitgenommen worden seien.

Keine Angaben wollte das Krankenhaus dazu machen, wie viele des bislang sehr standorttreuen Personals und wie viele Mitarbeiter aus anderen Bereichen in den vergangenen zwei Jahren tatsächlich gekündigt haben.

Auch auf den Vorhalt, dass man aus mehreren Bereichen von einem schlechten Klima, unter anderem durch den Führungsstil der Geschäftsführung, höre, wurde keine Stellungnahme seitens der Klinik abgegeben.

Zur Kündigung von Chefarzt Dr. Alfred Cassebaum, der bei den Patienten sehr beliebt war und zum 1. Juli – ein Jahr vor dem Rentenalter – das Krankenhaus verlassen hat, ließ die Geschäftsführung mitteilen, dass Dr. Cassebaum fristgerecht gekündigt habe und man ihm alles Gute gewünscht habe. (Susanna Battefeld)

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