Kommandeur Schmör über Auslandseinsätze und Kritik aus Rotenburg

„Der Standort ist gesichert“: Kommandeur Holger Schmör steht inmitten der Burgwaldkaserne. „Wir gewinnen mit unserer Infrastruktur wahrscheinlich keinen Schönheitspreis, aber die Funktionalität ist sehr gut“, sagt der 44-Jährige im HNA-Interview. Foto:  Paulus

Frankenberg. Das Afghanistan-Mandat endet, im Kosovo ist ein neuer Einsatz gestartet, und die eigene Kaserne wird modernisiert: Spannende Zeiten für Oberstleutnant Holger Schmör, der seit einem Jahr als Kommandeur an der Spitze der Frankenberger Burgwaldkaserne steht.

Im Interview mit der HNA blickt der 44-Jährige auf das Gelöbnis am Mittwochabend in Frankenberg („Das ist keine Werbeveranstaltung“), zieht Bilanz seines ersten Jahres als Kommandeur („Die großen personellen Dinge sind durch“) und äußert sich zu Kritik aus Rotenburg, wo die Kaserne geschlossen wird: „Die Entscheidung, den Standort Frankenberg zu erhalten, ist aus meiner Sicht sehr gut nachzuvollziehen.“

Herr Schmör, heute ist ein öffentliches Gelöbnis in Frankenberg. Wie wichtig ist das, um für die Ausbildung bei der Bundeswehr zu werben?

Holger Schmör: Ein Gelöbnis ist keine Werbeveranstaltung, Nachwuchsgewinnung in der Bundeswehr ist in erster Linie in Verantwortung der Nachwuchsgewinnungs-Organisation. Bei einem öffentlichen Gelöbnis können wir Präsenz zeigen und dass wir nicht abgekapselt sind. Wir sind immer noch da und brauchen uns nicht hinter Kasernenmauern zu verstecken.

Welchen Stellenwert hat die Bundeswehr seit dem Wegfall der Wehrpflicht bei jungen Leuten und in der Öffentlichkeit? 

Schmör: Es gibt wissenschaftliche Untersuchungen, dass das Standing der Bundeswehr nach wie vor sehr positiv ist. Wir sind Garant für die äußere Sicherheit des Landes, und die jungen Leute sind sich dieser Rolle bewusst. Und dass wir unser Gelöbnis an einer so prominenten Stelle wie dem Obermarkt machen dürfen, zeigt ja auch die Wertschätzung für die Bundeswehr. Wir leisten unseren Dienst für das deutsche Volk. Die Soldaten sind nach wie vor Söhne und Töchter von Familien dieses Landes.

Mit der Wehrpflicht mussten die jungen Männer zur Bundeswehr. Die, die heute zu Ihnen kommen, machen das freiwillig. Ist damit auch die Qualität Ihres Personals gestiegen? 

Schmör: Man merkt ganz deutlich, dass die Leute freiwillig hier sind: Sie sind hoch motiviert und sehr engagiert. Die wollen! Und durch die höheren Verpflichtungszeiten von bis zu 23 Monaten haben wir ganz andere Ausbildungsmöglichkeiten. Dadurch steigt natürlich die Qualität des Personals.

Sie sind jetzt seit Oktober 2013 in Frankenberg. Wie lief das Jahr aus Ihrer Sicht? 

Schmör: Es ist eine spannende Tätigkeit, sehr fordernd, auch zeitlich. Die Bandbreite meiner Aufgaben ist enorm, jede der fünf Kompanien ist spezialisiert. Ich habe die Kaserne in einer Zeit des großen Umbruchs übernommen.

Was hat sich in dem Jahr personell, materiell und organisatorisch getan? 

Schmör: Die großen personellen Dinge nach der Bundeswehrreform sind durch. Am 30. September konnten wir melden: Das Bataillon ist einsatzbereit! So können wir arbeiten. Aktuell haben wir etwa 600 Soldaten und Zivilbedienstete. Und materiell sind wir auf einem sehr guten Niveau, im Gegensatz zu Medienberichten, die suggerieren, die Bundeswehr habe nur Schrottwaffen. Der Sportplatz ist neu gebaut, wir haben einen neuen Fitnessraum bekommen und derzeit wird die alte Tankstelle abgerissen.

Aus Richtung Rotenburg/Fulda gibt es nach wie vor Kritik an der Bundeswehrreform: Die Alheimer-Kaserne dort wird geschlossen, die Burgwaldkaserne bleibt erhalten. Was hat den Ausschlag für Frankenberg gegeben? 

Schmör: Die Entscheidung, den Standort Frankenberg zu erhalten, ist aus meiner Sicht sehr gut nachzuvollziehen. Bei allem Verständnis für Rotenburg. Die Infrastruktur der Burgwaldkaserne ist auf dieses Bataillon zugeschnitten. Es gibt hier auftragsbezogene Besonderheiten, Ausbildungs- und Instandsetzungseinrichtungen, die wir brauchen, damit es funktioniert. Und die gibt es nur hier.

In Rotenburg heißt es, die nicht sanierten Gebäude dort seien in einem besseren Zustand als die in Frankenberg. Nach unseren Informationen müssten in Frankenberg 78 Millionen Euro investiert werden, in Rotenburg nur 20 Millionen. Was ist dran an diesen Zahlen? 

Schmör: Da bin ich der falsche Ansprechpartner, in diesen Planungen stecke ich nicht im Detail drin. Und an Spekulationen will ich mich nicht beteiligen.

Sie wissen aber sicherlich, welche Investitionen in den nächsten Jahren am Standort Frankenberg anstehen. 

Schmör: Der Sicherheitsbereich bekommt neue Server und neue Klimatechnik, das Blockheizkraftwerk wird gerade modernisiert. Der zweistöckige Sanitätsbereich wird nächstes Jahr abgerissen und barrierefrei neu gebaut. 2016 werden die Sporthalle und eine Waffenkammer gebaut. Langfristig werden auch Unterkünfte und Dienstgebäude überarbeitet. Und wir bekommen neues Mobiliar. Die Attraktivitätsoffensive von Verteidigungsministerin von der Leyen kommt hier an.

Der Standort Frankenberg ist also auf Dauer gesichert? 

Schmör: Nach meinem Kenntnisstand ja. Wir gewinnen mit unserer Infrastruktur wahrscheinlich keinen Schönheitspreis, aber die Funktionalität ist sehr gut.

Von Jörg Paulus

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