Interview über Personal, Pflege und die geplante Fusion mit Vitos Haina

Kreiskrankenhaus Frankenberg: Ehemalige Personalrätin besorgt - Klinik-Leitung antwortet

+
Hoch über der Stadt: Das Kreiskrankenhaus in Frankenberg.

Frankenberg. In einem Leserbrief an die HNA zeigt sich die ehemalige Personalratsvorsitzende Gerlinde Kopecky-Pelzetter besorgt über die Zukunft des Kreiskrankenhauses in Frankenberg. Wir haben die Klinik-Leitung um Stellungnahme gebeten. 

Seit 2014 wird das Kreiskrankenhaus durch die Vitos Haina gGmbH geführt. Geschäftsführer beider Einrichtungen ist Ralf Schulz.

Herr Schulz, warum hat sich das Kreiskrankenhaus von langjährigen, erfahrenen Mitarbeitern wie Herrn Bergener, dem Leiter der Finanzabteilung, getrennt? Wie wurden und werden diese Stellen neu besetzt?

Ralf Schulz: Werner Bergener verlässt das Kreiskrankenhaus in beiderseitigem Einvernehmen. Konkrete Personalveränderungen werden vom Kreiskrankenhaus öffentlich nicht begründet. Die Stelle wird nicht nachbesetzt.

Personelle Veränderungen in der Verwaltung sind im Gesamtkontext zu bewerten. Die Nutzung von Synergien mit der Vitos Haina gGmbH ist eine der vereinbarten Maßnahmen. So arbeiten das Finanz- und Rechnungswesen seit 2014 eng zusammen. Die Personalabteilungen beider Gesellschaften stehen unter gemeinsamer Leitung. Dies ist nicht nur wirtschaftlich sinnvoll, sondern, vor allem vor dem Hintergrund der geplanten Verschmelzung beider Gesellschaften, inhaltlich vorteilhaft. Die Organisationsveränderungen wurden jedoch ohne betriebsbedingte Kündigungen vollzogen. Die vakante Stelle des Personalleiters wurde zum 1. Januar 2017 durch einen externen Bewerber besetzt. Er verfügt über Handlungsvollmacht für die Betriebsstätten von Vitos und für das Kreiskrankenhaus. Die Finanzabteilung des Kreiskrankenhauses wird durch den Leiter Finanz- und Rechnungswesen und stellvertretenden Geschäftsführer von Vitos Haina mitverantwortet.

Wie viele Entlassungen und Neueinstellungen hat es am Kreiskrankenhaus seit der Übernahme durch Vitos 2014 gegeben? Wie hat sich Mitarbeiterzahl seitdem verändert?

Ralf Schulz

Schulz: Stellenreduzierungen sind überwiegend in patientenfernen Bereichen erfolgt. Im ärztlichen, medizinisch-technischen sowie Pflegedienst wurde die Anzahl an Stellen in Teilen sogar signifikant gesteigert.

Am 31. Dezember 2013 waren inklusive Servicegesellschaft 566 Mitarbeiter im Kreiskrankenhaus beschäftigt, am 30. Juni 2017 waren es 560. Ohne die Mitarbeiter des Medizinischen Versorgungszentrums sind es aktuell 542, Ende 2013 waren es 550. Trotz des Sanierungsauftrages war der Mitarbeiterbestand in den dreieinhalb Jahren unter Vitos Geschäftsführung nahezu konstant.

Bereits vor Abschluss des Geschäftsbesorgungsvertrages waren Teile des Reinigungsdienstes ausgelagert. Der Teil, der noch durch Krankenhausmitarbeiter gereinigt wurde, wurde im Zuge der Neuvergabe auch ausgelagert. Jedoch haben fast alle ehemaligen Mitarbeiter vom externen Dienstleister einen Arbeitsvertrag angeboten bekommen. Nur wenige schlugen das Angebot aus und nahmen eine Abfindung des Kreiskrankenhauses an. Der Dienstleister ist auf die Krankenhausreinigung spezialisiert.

Parallel wurde die Mitarbeiterzahl in der Hygiene erhöht. Besetzt wurde die Stelle der Krankenhaushygienikerin. In allen Kliniken des Kreiskrankenhauses wurden hygienebeauftragte Ärzte und Pfleger ausgebildet. In personeller Hinsicht ist somit deutlich in die Hygiene investiert worden.

Am Kreiskrankenhaus sollen gelegentlich nötige Überstunden zum Abarbeiten von akut erhöhtem Arbeitsanfall nicht gestattet werden. Warum nicht, wenn doch die Personaldecke in der Pflege und anderen Bereichen knapp bemessen ist?

Schulz: Die Personaldecke im ärztlichen und pflegerischen Dienst entspricht den gesetzlichen Vorgaben und fachlichen Empfehlungen. Anfallende Überstunden werden soweit möglich in Freizeit ausgeglichen, in manchen Fällen und auf Wunsch der Mitarbeiter ausgezahlt. Die Vorgaben des Arbeitszeitgesetzes werden beachtet und erfüllt. Seit Übernahme der Geschäftsführung durch Vitos wurden allein in der Pflege mehr als 2500 Überstunden abgebaut.

Wie sieht die Personalplanung in der Pflege am Kreiskrankenhaus aus? Wird es Aufstockungen geben, um Mitarbeiter zu entlasten und weiterhin eine qualifizierte Betreuung der Patienten zu gewährleisten?

Schulz: Die qualifizierte ärztliche und pflegerische Versorgung der Patienten war in der Vergangenheit und wird auch in der Zukunft jederzeit garantiert. Die Stellenbemessung in der Pflege ist angemessen. In der Personalentwicklung wird besonderen Wert auf die fachliche Weiterbildung gelegt.

Seit Übernahme der Geschäftsbesorgung wurden offene Stellen im Pflegedienst nachbesetzt. In absoluten Zahlen hat es in den vergangenen dreieinhalb Jahren unter Vitos kaum Schwankungen im Pflegedienst gegeben. 2013 waren 263 Mitarbeiter der Pflege zuzuordnen, Mitte 2017 waren es 257.

Zu Beginn des Geschäftsbesorgungsvertrages verfügte das Kreiskrankenhaus allerdings im Pflegedienst über einen personellen Überhang. Dieser wurde nach umfassender Analyse dem Bedarf angepasst. Mit der Etablierung neuer Leistungsbereiche wie der Geriatrie wurde das pflegerische Personal jedoch wieder aufgestockt. Im Tagdienst wird im Kreiskrankenhaus mit einem Pflegeschlüssel von 1:10 bzw. 1:12 gearbeitet; also ein examinierter Gesundheits- und Krankenpfleger auf zehn/zwölf Patienten. Diese Quote ist deutlich besser als in vielen anderen Krankenhäusern. Temporär werden sogar mehr pflegerische Mitarbeiter eingestellt als Stellen frei sind. Damit wird das Ziel verfolgt, durch übliche Fluktuation entstehende Vakanzen möglichst kurzfristig besetzen zu können. In der Regel sind freie Stellen spätestens binnen acht bis zwölf Wochen nachbesetzt.

Die Weiterentwicklung und Modernisierung des Kreiskrankenhauses bedeutet auch für die Pflege umfangreiche Anpassungen. So wurde beispielsweise für die neue Klinik für Geriatrie Personal eingestellt bzw. aus anderen Bereichen dorthin versetzt.

Temporär stillgelegt wurde die frühere Station 2 – ohne damit einhergehende Kündigungen. Sämtliche festangestellten Mitarbeiter arbeiten seitdem auf anderen Stationen. Es wurde versucht, die individuellen Wünsche der Mitarbeiter zu berücksichtigen. In den freien Räumen waren in den vergangenen Monaten die Kreißsäle untergebracht. Nach umfangreicher Modernisierung der Geburtshilfe erfolgt dieser Tage der Rückzug. In den nächsten Monaten wird dann in der früheren Station 2 die Mutter-Kind-Station eingerichtet, damit die jetzige Station 11 umfassend saniert werden kann.

Wie sieht die Personalplanung in der Verwaltung aus? Sollen Stellen am Kreiskrankenhaus durch Vitos übernommen werden? Wie wird die Verwaltung nach der angestrebten Fusion organisiert?

Schulz: Die Verwaltungsabteilungen beider Gesellschaften kooperieren bereits seit mehr als drei Jahren eng. In Frankenberg wurden eine Reihe von Mitarbeitern neu eingestellt; allein vier Neueinstellungen in der IT-Abteilung, diverse Neueinstellungen in der Personalabteilung und in der Unternehmenskommunikation. Zum Großteil erforderte das altersbedingte Ausscheiden von Mitarbeitern die Neueinstellungen.

Sollten die Kreiskrankenhaus Frankenberg gGmbH und die Vitos Haina gGmbH verschmelzen, würde es nur noch eine zentrale Verwaltung geben, die in Teilen aber an zwei Standorten – Haina und Frankenberg – arbeitet.

Was wird die geplante Fusion von Kreiskrankenhaus und Vitos für die Mitarbeiter in beiden Einrichtungen bedeuten? Was ist zum Beispiel mit den Tarifverträgen, behalten die für die Mitarbeiter ihre Gültigkeit?

Schulz: Vor allem für die Mitarbeiter in Frankenberg würde die neue Gesellschaft ein Höchstmaß an Arbeitsplatzsicherheit bringen. Die Vitos Haina gGmbH ist im Gegensatz zum Kreiskrankenhaus ein wirtschaftlich gesundes Unternehmen, in dem die jährlich erwirtschafteten Überschüsse ausschließlich für die Sicherung der Zukunftsfähigkeit und den Ausbau des medizinischen Leistungsangebotes verwendet werden. Im Mittelpunkt der strategischen Entwicklung steht die Gesundheitsversorgung der Menschen in Waldeck-Frankenberg.

Die Arbeitsverträge gehen auf den neuen Arbeitgeber über. Es bleiben alle Kündigungsfristen, Jubiläumsberechnungen, Schutzfristen und ähnliches zugunsten des Mitarbeiters des Kreiskrankenhauses erhalten. Nach dem jetzigen Stand der Verhandlungen mit den Gewerkschaften Verdi und Marburger Bund soll die weitere Anwendung des TVöD und des TV Ärzte im Überleitungstarifvertrag verankert werden.

Wie es um die finanzielle Situation des Kreiskrankenhauses bestellt ist, lesen Sie in der gedruckten Mittwochsausgabe der HNA Frankenberger Allgemeine.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.