Kreiskrankenhaus informiert über Keime - und gibt Tipps

Das UV-Licht zeigt die vergessenen Stellen: Die Stellen, die dunkel erscheinen, hat das Desinfektionsmittel nicht erreicht. Eine ordentliche Handdesinfektion dauert 30 Sekunden. Für die korrekte Anwendung sollten etwa drei Milliliter Flüssigkeit so lange in den Händen verrieben werden, bis sie trocken sind. Oft werden dabei Zwischenräume und die Handoberfläche vergessen. Foto:  Plug

FRankenberg. „Über Krankenhauskeime sind viele Gerüchte im Umlauf, Ängste werden geschürt und das Vertrauen in die Sicherheit eines Klinkaufenthalts erschüttert", sagt Ralf Schulz, Geschäftsführer des Kreiskrankenhauses. Dagegen wolle man mit der Ausstellung „Keine Keime" vorgehen.

Bis 3. März sind im Foyer und auf den Stationen Plakate in Neonfarben zu finden, die Aufklärungsarbeit leisten. Werktags zwischen 10 und 11 Uhr stehen außerdem die drei hauptamtlichen Hygienemitarbeiter der Klinik für Fragen zur Verfügung. Mit zwei von ihnen, Diplom-Pflegewirtin Silvia Vesper und Krankenhaushygienikerin Dr. Katharina Schuppan, haben wir uns unterhalten.

? Was sind denn eigentlich Keime?

!Keime sind Bakterien, Viren und Pilze. Sie besiedeln unseren Körper, sie leben auf unserer Haut und Schleimhaut und im Darm. Sie stärken unser Immunsystem, helfen bei der Verdauung und verhindern Krankheiten. Dies sind die guten Keime - die da hingehören, wo sie leben. Keime können aber auch Schaden anrichten, wenn sie am falschen Ort oder zu viel auftreten. So werden aus normalen Keimen Krankheitserreger, die Haut- und Wundinfektionen, Magen- und Darmerkrankungen, Lungenentzündungen oder Blutvergiftungen verursachen können. Diese Keime sind aber bekannt und können antibiotisch behandelt werden.

? Warum sind manche Keime dann resistent?

!Auch die Keime kennen die Antibiotikatherapien. Und sie wehren sich dagegen, indem sie versuchen, Abwehrstrategien zu entwickeln, so dass bestimmte Antibiotika bei ihnen nicht mehr wirken. Sie werden zu resistenten Erregern. Wenn mindestens zwei Antibiotikagruppen nicht mehr wirken, nennt man Erreger multiresistent.

? Wie merkt man, dass man einen multisresistenten Keim hat?

!Keime wie der bekannte Methicillinresistente Staphylococcus aureus (MRSA) leben im Nasen-Rachen-Raum und sind an sich erst einmal unschädlich. Solange das Immunsystem gut arbeitet, man nicht operiert wird oder eine Wunde hat, bemerkt man diese Besiedlung gar nicht. Um nun eine Besiedlung mit diesen Erregern zu finden, wird bei Aufnahme eines jeden Patienten eine Checkliste abgearbeitet. Bei Risikopatienten, Menschen mit intensivmedizinischem Bedarf und solchen mit Symptomen wie Erbrechen werden bei Aufnahme Abstriche von Nase und Rachen oder Wunden gemacht. Risikopatienten sind etwa Patienten aus Altenheimen, mit chronischen Wunden, mit vorherigen Aufenthalten in einem ausländischen Krankenhaus oder Landwirte, die intensive Tiermast betreiben.

? Was macht das Krankenhaus gegen MRE?

!Ein Patient, bei dem nun ein MRSA oder ein anderer multiresistenter Erreger gefunden wird, wird isoliert, bekommt also ein Einzelzimmer und das Zimmer wird mit erklärenden Schildern für Besucher und Personal versehen. Es gelten nun spezielle Hygieneregeln, die zum Schutz für Patienten, Angehörige und Personal verbindlich sind . Das Reinigungspersonal ist ebenfalls geschult. Außerdem werden regelmäßig mikobakterielle Untersuchung von Flächen vorgenommen.

? Wie kann ich mich und meine Angehörigen nun schützen?

!Hände waschen und desinfizieren. Beim Händeschütteln, beim Anfassen der Türklinke oder der Toilettenspülung, beim Naseputzen oder auf der Toilette, Menschen tragen Keime hin und her. Diese ungewollten Übertragungen kann man zuhause durch Händewaschen mit Seife reduzieren. Denn Wasser allein reicht nicht. Im Krankenhaus sollte man sich die Hände desinfizieren. Nicht nur beim Betreten, sondern auch beim Verlassen und nach dem Kontakt mit dem Patienten und seinen Gegenständen. Wichtig ist außerdem der verantwortungsvolle Umgang mit Antibiotika. Man sollte den eigenen Arzt auf Alternativen ansprechen. Außerdem muss darauf geachtet werden, dass man sich an die vorgeschriebene Dosis und Dauer hält.

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