Synode tagte online

Kirchenkreis Eder: Corona-Krise hat auch die Arbeit in der Kirche verändert

Live aus dem Martin-Luther-Haus: Präses Hubertus Marpe moderierte von Bad Wildungen aus vor einem großen Bildschirm, auf dem mehr als 80 Teilnehmer zugeschaltet waren, die Kirchenkreissynode.
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Live aus dem Martin-Luther-Haus: Präses Hubertus Marpe moderierte von Bad Wildungen aus vor einem großen Bildschirm, auf dem mehr als 80 Teilnehmer zugeschaltet waren, die Kirchenkreissynode.

Die Corona-Krise hat gezeigt: Mit der Gesellschaft hat sich auch die Arbeit der evangelischen Kirche verändert. Das wurde auch in der Frühjahrssynode des Kirchenkreises Eder deutlich, die online stattfand.

Frankenberg/Bad Wildungen – Ungewisse Planungen für Konfirmationen, Chöre, die nur noch online üben, Seelsorger im Spagat zwischen Telefonaten und direkten Gesprächen, Angehörige von Verstorbenen, die eigentlich mehr Nähe und Unterstützung brauchten -– Dekanin Petra Hegmann (Frankenberg) hielt am Wochenende vor der Frühjahrssynode des Kirchenkreises Eder kritisch Rückschau. „Trotzdem gibt es auch Neuaufbrüche wie neue Gottesdienstformate, die eigentlich nur eine Notlösung waren und jetzt auch Menschen jenseits der Kerngemeinde ansprechen, oder eine Wertschätzung von Begegnungen, gerade weil sie gerade so selten sind“, berichtete die Dekanin.

Erstmals tagte das Kirchenkreisparlament mit mehr als 80 Laien, Geistlichen und Gästen unter Leitung von Präses Hubertus Marpe per Video-Schalte digital, öffentliche Teilnahme wurde durch eine Live-Übertragung aus dem Martin-Luther-Haus in Bad Wildungen hergestellt.

Die Zahl der Mitglieder im Kirchenkreis Eder zwischen Freienhagen im Norden und Gemünden im Süden beträgt derzeit 42137, das sind 749 weniger als Ende 2019. Damit liege der durchschnittliche Rückgang im prognostizierten Bereich von 1,75 Prozent, wie Dekanin Hegmann bei der Vorlage ihres Berichts des Kirchenkreisvorstandes mitteilte, sodass die Pfarrstellenanpassung wie geplant umgesetzt werden müsse.

Petra Hegmann, Dekanin im Kirchenkreis Eder, bei ihrem online vorgetragenen Geschäftsbericht.

„Unsere Botschaft ist und bleibt unanfechtbar: das Evangelium von Jesus Christus“, betonte Hegmann. Aber neben den klassischen Formen der Verkündigung gehe es nun darum, neue Formen, andere Gesprächskulturen zu nutzen.

Sie zitierte den EKD-Theologen Klaus Douglass, der in der digitalen Kirche eine „dezentrale Beteiligungskirche“ sehe: „Der durch Corona ausgelöste digitale Schub in unserer Kirche ist unumkehrbar.“ Die Dekanin ermunterte die Synodalen, angesichts von Abbrüchen oder Austritten in gemeindeübergreifender Zusammenarbeit den Innovationsschub, die Freude am Ausprobieren neuer Kommunikationsformen und Veranstaltungsformaten zu nutzen. Hegmann: „Jetzt ist der Moment, uns auf den Weg zu machen und Gemeinde auch einmal anders zu leben als gewohnt!“

Pfarrer Andreas Schütz demonstrierte dies am erfolgreichen Beispiel eines interaktiven Online-Gottesdienstes in Reinhardshausen, bei dem sich Zuschauer durch eigene Gebete und Fragen zur Predigt selbst mit einbringen konnten. Kerze und Kreuz über den Dächern von Kirchlotheim waren der Hintergrund für die digitale Live-Andacht von Pfarrer Matthias Bringmann zur Synodeneröffnung.

Propst Helmut Wöllenstein (Marburg), Vorsitzender der Liturgischen Kammer der Landeskirche, stellte den Synodalen die neue Taufagende mit einer Vielfalt von Anregungen (wir berichteten) vor, bevor sie in Kleingruppen diskutiert wurde. Über die Tagung der Landessynode infomierte Pfarrer Jan-Friedrich-Eisenberg (Vöhl).

In seinem Grußwort berichtete Landrat Dr. Reinhard Kubat über das erfolgreiche Corona-Impfkonzept des Kreises.

Scharfe Kritik am neuen Finanzgesetz

Auf scharfe Kritik stieß bei den Synodalen des Kirchenkreises Eder das geplante Finanzzuweisungsgesetz der Landeskirche Kurhessen-Waldeck, das ab 2022 eine Verschlankung des Verwaltungsverfahrens, mehr Transparenz und stärkere Eigenverantwortung der Kirchengemeinden in der Fläche bewirken soll. Altpräses Adam Daume (Bottendorf), seit zwölf Jahren Mitglied im Finanzausschuss der Landeskirche, stellte den Entwurf vor.

Ein wesentliches Merkmal dieser neuen Finanzverfassung ist, wie Daume erläuterte, eine auf die Zahl der Gemeindeglieder, Grundbudgets und Bewirtschaftungskosten der Gemeindehäuser bezogene Grundzuweisung. Nachdem Stand 2021 sei dies künftig ein Betrag von 26,88 Euro pro Gemeindemitglied (Ist-Stand derzeit nur 18,37 Euro). Da diese Grundzuweisung aber dynamisch erfolge, könnten sich Kirchensteueraufkommen und Personalkosten auch negativ auswirken. Daume zeigte an einer Modellrechnung, dass derzeit 446 kleinere Kirchengemeinden bis 1200 Mitglieder einen Gewinn, 242 größere Gemeinden einen Verlust verzeichnen würden.

Da von 9,5 Millionen Euro zentralen Baumitteln künftig nur noch 2 Millionen auf landeskirchlicher Ebene für Denkmalpflege, Kirchenunterstützungsfonds und Orgelpflege blieben, komme es zu einer Ausschüttung von 7,5 Millionen Euro zusätzlich an Kirchenkreise und -gemeinden, bewertete Daume positiv. Die bisherigen Unterhaltungsmittel für die Gemeindehäuser flössen künftig in die Grundzuweisung, die Kirchenkreise erhielten dafür aber 12 Millionen statt bisher 6,3 Millionen Euro.

In die von Bernd Mehrhoff, Leiter des Kirchenkreisamtes Korbach, geäußerte generelle Kritik an der Planung stimmten Synodale ein. „Kirchengemeinden, die auf Werbung der Landeskirche seit 2005 unter großem Aufwand aus strukturpolitisch gesetzten Anreizen fusioniert haben, erhalten keine weiter gehende finanzielle Unterstützung mehr. Hier wird Vertrauen zerstört,“ sagte Mehrhoff. Pfarrer Werner Hohmeister (Nieder Werbe) nannte es „einen Stoß vor den Kopf der Gemeinden, die fusioniert haben“. Karola Emde (Basdorf): „Hier wird das Rad zurückgedreht. Das tut weh.“

Auch wenn man solche finanziellen „Fehlanreize“ nun kritisch sehe, gelte es doch, die in den größer gewordenen Kirchengemeindeverbänden gefundene engere Zusammenarbeit zu würdigen, gab Pfarrer Konrad Schullerus (Bottendorf) zu bedenken.

Von Karl-Hermann Völker

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