Abriss statt Sanierung an der Wehrweide

Kritik an Brücken-Neubau in Frankenberg - Stadt reagiert

Die Brücke zwischen großer und kleiner Wehrweide in Frankenberg soll abgerissen werden. Das kritisiert HNA-Leser Ömer Balkaya.
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Die Brücke zwischen großer und kleiner Wehrweide in Frankenberg soll abgerissen werden. Das kritisiert HNA-Leser Ömer Balkaya.

Die Stadt Frankenberg plant, zwischen der großen und der kleinen Wehrweide eine neue Rad- und Fußgängerbrücke zu bauen. Die bisherige Brücke, über die zum Beispiel beim Pfingstmarkt schon Tausende von Menschen gegangen sind, wird abgerissen. Ömer Balkaya kritisiert diese Pläne in einem Leserbrief an die HNA. Er spricht von einem „massiven Eingriff in eine besonders schützenswerte Landschaft“.

Der junge Frankenberger engagiert sich beim NABU und gehört den Freien Wählern Frankenberg an, hat aber kein Amt. Es sei „schon absurd“, sagt er, dass die Stadt zahlreiche Bäume auf der Wehrweide rode, obwohl eine Rad- und Fußgängerbrücke zwischen Kleiner und Großer Wehrweide bereits vorhanden ist.

„Jeder, der die Brücke schon mal überquert hat, wird bestätigen, dass diese dringend sanierungsbedürftig ist“, räumt Balkaya ein. „Warum aber eine neue Brücke bauen? Warum nicht eine neue Brücke auf die vorhandenen Fundamente setzen? Diese sind bis auf die illegal angebrachten Graffitis, augenscheinlich in einem guten Zustand“, findet er.

Da die Baukosten mit dem Bauboom seit der Niedrigzinspolitik gestiegen seien, müsse auch die Stadt mit gestiegenen Kosten rechnen. „So stimmte der Haupt- und Finanzausschuss zuletzt am 22. März den bis zu 40 Prozent höheren Ausgaben von ca. 1,9 Millionen Euro für die Sanierung der Ederberglandhalle zu“, sagt Balkaya.

Und er fragt: „Wie rechtfertigt die Stadt den Neubau der Brücke? Etwa mit Fördergeldern? Sind diese Fördermittel nicht letztendlich auch unsere Steuergelder? Ist der Eigenanteil der Kosten für den Neubau der Brücke nicht höher als der volle Anteil für die Sanierung der bereits vorhandenen Brücke? Gäbe es nicht auch dafür Zuschüsse?“

Das sagt die Stadt zu der Kritik

Die Kritik und die Fragen von Ömer Balkaya zur neuen Brücke zwischen den beiden Wehrweiden haben wir mit seiner Zustimmung an die Stadt Frankenberg weitergeleitet. Pressesprecher Florian Held hat uns geantwortet:

„Die Brücke zwischen großer und kleiner Wehrweide stellt für Fußgänger und Radfahrer eine wichtige Verbindung zwischen dem Ederdorf und der Innenstadt dar“, sagt Held. „Der geplante Abriss der alten und der Bau einer neuen Fußgänger- und Radwegebrücke sind im großen Zusammenhang des von der Stadtverordnetenversammlung 2020 beschlossenen Radverkehrskonzepts zu sehen.“ Die Route führe vom Ederdorf über die Wehrweiden in Richtung Geismarer Straße.

Für den Bau der neuen Brücke wurden bereits Bäume auf beiden Seiten der Eder gefällt. Im Hintergrund ist das Kreiskrankenhaus zu sehen.

Mit dem Bau der neuen Brücke soll es noch im Mai losgehen, Ende des Jahres soll sie fertig sein. Die Projektkosten für Planung, Neubau und Abriss sind mit 1,2 Millionen Euro kalkuliert. 75 Prozent davon werden über Fördermittel finanziert, sodass ein Eigenanteil der Stadt von rund 300 000 Euro bleibe.

„Die Anforderungen an eine Fußgänger- und Radwegebrücke haben sich in den letzten Jahrzehnten stark geändert.“

Pressesprecher Florian Held, Stadt Frankenberg

Dazu erläutert Held: „Die Anforderungen an eine Fußgänger- und Radwegebrücke haben sich in den letzten Jahrzehnten stark geändert. Der von der Stadt Frankenberg beauftragte Neubau der Brücke orientiert sich in Breite, Oberflächenbeschaffenheit und Barrierefreiheit an der Richtlinie des Landes Hessen zur Förderung der Nahmobilität. Mit vier Metern Breite bietet die Brücke Fußgängern und Radfahrern gefahrlos Platz. Die Barrierefreiheit (Steigung max. 6 Prozent) ist in unmittelbarer Nähe zur Seniorenresidenz zwingend notwendig. Mit der ökologischen und wirtschaftlichen Konstruktion mit viel Holz im vor Witterung geschützten Unterbau leistet die Stadt Pionierarbeit in Hessen und trägt aktiv zum Klimaschutz bei.“

Die Kurhessenbahn wird, wie berichtet, den Bahnübergang am Goßberg noch dieses Jahr umbauen. Das hat zur Folge, dass der Zugang auf die große Wehrweide danach für größere Mähfahrzeuge des städtischen Betriebshofes nicht mehr möglich sein werde. Auch diese Fahrzeuge würden in Zukunft die neue Brücke nutzen.

„Wie bei städtischen Bauprojekten üblich, werden nach Abschluss der Maßnahme alle Eingriffe in die Natur mindestens ausgeglichen“, sagt Held. „Der Umbau der Uferstraße wie auch die geplante Umgestaltung des Landratsamtsparkplatzes zeigen beispielhaft, wie mit Entsiegelung, Renaturierung und Neupflanzungen mehr Grün in die Stadt kommt. Nach Abriss der alten Brücke wird auch dort das Gelände für eine ausgeglichene ökologische Bilanz naturnah wiederhergestellt.“

Alte Brücke „nicht mehr sanierungsfähig“

Zur bestehenden Brücke sagt Florian Held: „Sie wurde 1990 gebaut. Sie steht bereits seit Jahren unter Beobachtung und wird jährlich durch Sachverständige kontrolliert. Der Überbau, also die eigentliche Brücke, ist in so schlechtem Zustand, dass er gemäß DIN 1076 abgängig und damit nicht mehr sanierungsfähig ist. Die Fundamente sind für eine zeitgemäße, barrierefreie Brücke schlicht nicht geeignet, eine Sanierung und Anpassung der Fundamente an die Anforderungen wäre aufwändig und teurer als der Eigenanteil der neuen Brücke. Lange Rampen auf beiden Seiten sowie weitere Stützpfeiler hätten zudem negative Auswirkungen auf den Hochwasserabfluss.

Eine Sanierung müsste die Stadt komplett aus Eigenmitteln finanzieren. Die Brücke steht im Grunde nur noch, um die wichtige Wegeverbindung übergangsweise und während des Neubaus aufrechtzuerhalten.“

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