Fünf Bewerber, Land entscheidet 2021

Landesgartenschau 2027: Nach Bewerbung arbeitet Frankenberg an Konzept

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Der Frankenberger Burgberg von oben: Er könnte bei der Landesgartenschau ein Teil des Hauptgeländes bilden – zusammen mit Teichgelände und Ederauen. Oben rechts im Bild: Das Landratsamt im ehemaligen Kloster.

Das Jahr 2027 scheint noch weit weg – in Frankenberg ist es bereits heute Thema: Die Stadt hat sich für die Landesgartenschau in sieben Jahren beworben.

  • Frankenberg hat sich für die Landesgartenschau 2027 beworben
  • Es gibt noch vier weitere Bewerber
  • Das Land Hessen entscheidet 2021

Nach der formalen Bewerbung wird jetzt an der Erstellung einer Machbarkeitsstudie gearbeitet. Die Studie ist Pflicht für alle fünf Bewerber, sie soll ein tragfähiges Konzept für die Landesgartenschau liefern. Deren Ergebnisse bilden die Grundlage, auf der das hessische Kabinett 2021 entscheidet, wer die Landesgartenschau 2027 ausrichten darf.

Machbarkeitsstudie

Für die Machbarkeitsstudie konnte Frankenberg „zwei renommierten Partner“ gewinnen, teilte die Stadt in einer Pressemitteilung mit. Mit ihnen arbeite sie seit Februar eng zusammen: das bundesweit tätige Planungsbüro „RMP Stephan Lenzen Landschaftsarchitekten“ und die „ift Freizeit- und Tourismusberatung GmbH“ mit Büros in Köln und Potsdam. Beide seien auf Landes- und Bundesgartenschauen spezialisiert und hätten erfolgreiche Projekte vorzuweisen. „Wenn wir antreten, wollen wir auch gewinnen“, sagt sich Christian Rast von ift. „Frankenberg hat auf jeden Fall das Zeug dazu.“

Die Machbarkeitsstudie befasst sich in zahlreichen Analysen mit den Potenzial- und Defizitflächen vor Ort und zeigt auf, was bei einer Landesgartenschau in Frankenberg möglich wäre. „Da geht es um Flächen, zukünftige Siedlung und Stadtentwicklung, mögliche Kosten, Besuchsprognosen und vieles mehr“, sagt Landschaftsarchitekt Clas Scheele. „Am Ende steht ein Konzept, das zeigt, wie die Landesgartenschau in Frankenberg aussehen könnte.“

Vor allem die Innenstadt ist im Fokus der Planungen. Vorhandene Wasserflächen und Gewässer sollen einbezogen werden. Städtischer Grünraum wie das Teichgelände, der Burgberg und die Ederauen könnten – miteinander verbunden – das Hauptgelände der Gartenschau bilden.

Ein Vorgeschmack auf das, was die Landesgartenschau für Frankenberg bedeuten könnte: Der 2019 gestaltete Ederuferpark bringt die Stadt näher ans Wasser und erhöht die Aufenthaltsqualität in der Natur. 

„Wie auch immer die Entscheidung des Kabinetts am Ende ausfällt – bereits die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie sind für die zukünftige Stadtplanung wichtig und wertvoll. Ein Gewinn ist das für Frankenberg also in jedem Fall“, sieht Karsten Dittmar, Leiter des städtischen Fachbereichs Stadtentwicklung, schon jetzt positive Effekte für die Stadt.

Bürgerbeteiligung

Die Stadt will die Gartenschau nicht nur am Schreibtisch planen. Bereits jetzt gibt es die Möglichkeit, Ideen, Wünsche und Gedanken zur Landesgartenschau per E-Mail an landesgartenschau@frankenberg.de zu schicken. Um im Vorfeld eine breite Unterstützung und möglichst viele Ideen von außerhalb zu bekommen, werden sogenannte Expertenrunden stattfinden, mit Interessenvertretern aus Politik, Wirtschaft, Naturschutz und Tourismus sowie Vertretern der Nachbarkommunen. Der Zeitplan sieht außerdem vor, alle Bürger an der Machbarkeitsstudie zu beteiligen. Ob, in welcher Form, oder wann es in der aktuellen Situation dazu kommt, ist noch unklar. „Sicher ist aber, dass wir die Menschen hier vor Ort einbeziehen wollen. Wir erhoffen uns viele gute Ideen für die Landesgartenschau“, sagt Bürgermeister Rüdiger Heß.

Finanzierungsplan

Wenn sie den Zuschlag erhält, muss die Stadt für die Infrastrukturinvestitionen wie auch für die Durchführung der Landesgartenschau Geld in die Hand nehmen. Auch eine Finanzplanung ist deshalb Teil der Machbarkeitsstudie. Das Land fördert die durchführende Kommune mit bis zu 60 Prozent der investiven Maßnahmen, zusätzlich fließt meistens weiteres Geld aus Fördertöpfen. Den Höchstbetrag der Zuwendung beschließt das Kabinett.

„Erfahrungsgemäß bringt jeder investierte Euro rund drei bis fünf Euro zurück in die Region“, sagt der Bürgermeister.

Entscheidung

Schon 2017 hatte das Frankenberger Parlament einstimmig für die Bewerbung gestimmt. Ende der Bewerbungsfrist war im März 2020. Aufgrund der Corona-Krise hat das Ministerium die Einreichungsfrist für die Machbarkeitsstudie auf Dezember verlegt. Eine Entscheidung wird für 2021 erwartet.

Das sagt der Bürgermeister

„Besonders für ein Mittelzentrum wie Frankenberg kann die Landesgartenschau zum Turbo in Sachen Stadtentwicklung werden“, sagt Bürgermeister Rüdiger Heß. Die Landesgartenschau verknüpfe Themen wie Besiedlung, Naturraum, Mobilität und Tourismus miteinander und erziele in der Regel langfristige Effekte – für das Stadtklima, den Tourismus, die Wirtschaft und die Infrastruktur. „Die ganze Region wird von einer Gartenschau in Frankenberg profitieren – touristisch, wirtschaftlich und imagemäßig“, ist er sicher. Zu den Erfolgsaussichten der Frankenberger Bewerbung sagt Heß: „Wir müssen einfach gut sein!“

Hintergrund: Landesgartenschau

Landesgartenschauen werden alle zwei Jahre im Wechsel in Hessen und Thüringen veranstaltet. Sie haben zum Ziel, dauerhafte und vorbildliche Grünzonen zu schaffen, die die Lebensbedingungen für Menschen sowie die heimische Tier- und Pflanzenwelt verbessern. Die Dauer einer Landesgartenschau beträgt zwischen 12 und 26 Wochen. Neben den wechselnden Bepflanzungen gibt es in der Regel zahlreiche Ausstellungen sowie größere und kleinere Veranstaltungen auf dem Gartenschaugelände. Die die letzte Landesgartenschau in Hessen fand 2018 in Bad Schwalbach statt, die nächste findet 2023 in Fulda statt. 2006 war sie in Bad Wildungen. 

Bis Ende März mussten sich alle interessierten Kommunen in Hessen bewerben. Dem Aufruf sind fünf Kommen gefolgt, Ministerin Priska Hinz zufolge so viele wie noch nie: Die Region Oberhessen mit elf beteiligten Kommunen sowie Frankenberg, Dillenburg, Schwalmstadt und Bad Homburg.

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