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Landkreis plant Machbarkeitsstudie zur Zukunft des Kreiskrankenhauses in Frankenberg

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Von: Jörg Paulus

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Das Kreiskrankenhaus in Frankenberg soll mit Hilfe einer Machbarkeitsstudie neu aufgestellt werden. Dabei kommt als Option ausdrücklich auch ein Neubau in Frage.
Das Kreiskrankenhaus in Frankenberg soll mit Hilfe einer Machbarkeitsstudie neu aufgestellt werden. Dabei kommt als Option ausdrücklich auch ein Neubau in Frage. © Jörg Paulus

Die Zukunft des Kreiskrankenhauses in Frankenberg ist schon seit Jahren ein Thema in der öffentlichen und politischen Debatte in Waldeck-Frankenberg. Jetzt will der Landkreis als Träger eine Machbarkeitsstudie erstellen lassen, um die Gesundheitsversorgung im Südkreis neu zu planen.

Frankenberg – Wie kann man das Kreiskrankenhaus in Frankenberg und insgesamt die Gesundheitsversorgung in Waldeck-Frankenberg zukunftsfähig aufstellen? Mit dieser Frage beschäftigen sich aktuell die Kreispolitik und der Aufsichtsrat des Frankenberger Krankenhauses – bislang noch hinter den Kulissen. Antworten soll eine Machbarkeitsstudie für das Kreiskrankenhaus bringen, die der Kreis dieses Jahr in Auftrag geben will. Eine Option könnte auch sein, das Kreiskrankenhaus an anderer Stelle neu zu bauen.

„Wir stehen in der Gesundheitslandschaft insgesamt vor einem Strukturwandel, es gibt eine Debatte über die Sicherstellung der stationären, aber auch ambulanten Versorgung im ländlichen Raum. Das ist auch unser Thema als Träger des Krankenhauses in Frankenberg“, erläuterte Landrat Jürgen van der Horst in einem Pressegespräch.

„Wir wollen das Thema grundsätzlich betrachten. Das haben wir jetzt konkret angepackt, haben das schon in den Gremien und dem Personal des Krankenhauses kommuniziert.“ Jetzt werde auch die Öffentlichkeit informiert.

Zielmotto: „Gesundheitsversorgung 2030“

Unter dem Zielmotto „Gesundheitsversorgung 2030“ soll die Frage beantwortet werden, wie die medizinische Versorgung im Raum Frankenberg dann aufgestellt sein muss. Und eben nicht nur in der stationären Behandlung, sondern insgesamt. „Die Idee ist, die ganze breite Palette der Gesundheitsversorgung zusammenzuführen“, so der Landrat.

Es gehe nicht mehr nur darum, „hier zu sanieren, da umzubauen oder diese oder jene Stellschraube zu drehen“, sagte er im Gespräch mit unserer Zeitung. „Wir müssen das ganzheitlich betrachten. Hinzu kommen so riesige Themen wie Digitalisierung und Fachkräftemangel.“

„Die Idee ist, die ganze breite Palette der Gesundheitsversorgung zusammenzuführen.“

Landrat Jürgen van der Horst

Antworten und Lösungsmöglichkeiten soll eine Machbarkeitsstudie liefern. Um diese zu erstellen, wird der Landkreis nun bei Fachbüros anfragen. Van der Horst spricht von einem „intensiven Beteiligungsprozess“, in den neben den externen Büros auch die ärztliche Leitung, die Pflegedienstleitung und der Personalrat des Krankenhauses eingebunden werden. Die Studie werde dann in die weitere politische Diskussion einfließen.

1,1, Millionen Euro aus dem Kreishaushalt

„Die Diskussion über das Kreiskrankenhaus ist in der Vergangenheit oft sehr zahlenlastig geführt worden. Also über Geld und Defizite“, sagt Vize-Landrat Karl-Friedrich Frese. Im Kreishaushalt 2022 ist ein weiterer Zuschuss von 1,1 Mio. Euro für das Krankenhaus eingeplant. Ziel der Studie sei auch, wie die Klinik effizienter aufgestellt werden kann, ohne dass die Qualität leide, sagt Landrat van der Horst. Es sei aber auch nicht der Auftrag des Krankenhauses, Geld zu verdienen. jpa

„Es geht um die Zukunft des Krankenhauses, aber nicht um das Ob, sondern um das Wie“, sagte der Erste Kreisbeigeordnete Karl-Friedrich Frese. Der Landkreis stehe als Träger zum Kreiskrankenhaus, betonte auch van der Horst.

Versuche mit Vitos, Korbach und Marburg

Es gab in der jüngeren Vergangenheit schon einige Versuche, das Frankenberger Kreiskrankenhaus neu zu strukturieren. „Erst war die Überlegung, es mit Vitos aufzustellen. Das hat halt nicht funktioniert“, erinnert der Erste Kreisbeigeordnete Karl-Friedrich Frese.

„Dann gab es den Prozess über zwei Jahre: Machen wir mit den Krankenhäusern im Landkreis insgesamt etwas? Da war die Fusion oder enge Zusammenarbeit mit dem Stadtkrankenhaus in Korbach ein Thema. Ein Gutachten kam zu dem Ergebnis: Das macht keinen Sinn. Die letzte Idee – und die wird ja auch weiterhin verfolgt – ist, uns enger mit der Uniklinik in Marburg zu verbinden. Personell, strukturell, gegenseitig Aufgaben zu übernehmen. Das funktioniert ja auch. Und jetzt denken wir das nochmal neu.“

Der Haupteingang des Kreiskrankenhauses in Frankenberg.
Der Haupteingang des Kreiskrankenhauses in Frankenberg. © Paulus, Jörg

Van der Horst: „Mit den Zukunftsfragen hat man sich immer beschäftigt. Und es gab auch Lösungsansätze, die man verfolgt hat, die aber nicht zum Ziel geführt haben. Jetzt machen wir einen Strich drunter und müssen schauen, wie wir es neu geordnet bekommen.“

Die Erwartung der Landespolitik seien Verbundlösungen, Die seien aber hochkomplex, sagt der Landrat: „Wir sprechen ja von vier Standorten von Akut-Kliniken in Waldeck-Frankenberg mit vier Trägern mit unterschiedlicher Historie. Das ist nicht zusammenzuführen. Deshalb müssen wir uns jetzt stärker auf den Süden und den Frankenberger Raum konzentrieren. Das ist der Auftrag.“

Gesundheitszentren in Battenberg und Frankenau

„Wir haben zum Beispiel demnächst auch die beiden Gesundheitszentren in Battenberg und Frankenau mit einer hausärztlichen und zahnärztlichen Versorgung und medizinischen Dienstleistungen“, erinnert Frese. „Aber wir brauchen auch andere Versorgungseinheiten. Fachärzte müssen in die Region. Wie entwickelt sich die Versorgung durch den Rettungsdienst? Ein großes Thema wird die Telemedizin sein – da brauchen wir auch einen Anker. So ein Krankenhaus ist natürlich auch eine Kompetenzstelle. Wir müssen in die Fläche denken, an eine ganzheitliche Versorgung. Ein Krankenhaus allein reicht nicht mehr.“

Frese: „Die stationäre Versorgung geht zurück – das ist ja auch gewollt, weil die Medizintechnik das hergibt. In der Vergangenheit hat man mehr an die stationäre Behandlung gedacht und an Räume dafür. Natürlich müssen wir auch baulich denken. Aber der erste Schritt muss sein, die Gesundheitsversorgung in der Region auf die Zukunft auszurichten. Wir müssen Kräfte bündeln. Das kriegst du allein nicht hin. Deshalb gehen wir in ein moderiertes Verfahren.“

Die aktuellen Themen am Kreiskrankenhaus wie die Digitalisierung, notwendige Investitionen und bauliche Maßnahmen würden aktuelle trotzdem weitergeführt, betont Landrat van der Horst. „Das andere mit dem Ziel 2030 ist eher ein 10.000-Meter-Lauf.“ (Jörg Paulus)

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