Veranstaltung in der Aula der Edertalschule

Literarischer Frühling: Hölderlin-Revue mit Scheck und Krohn in Frankenberg

Literarischer Frühling: Hölderlin-Revue mit Anne-Dore Krohn und Denis Scheck in Frankenberg.
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Literarischer Frühling: Hölderlin-Revue mit Anne-Dore Krohn und Denis Scheck in Frankenberg.

„Wir lieben Friedrich Hölderlin wirklich sehr“, sagte der Literaturkritiker Denis Scheck zu Beginn der literarischen Revue „Dich lieb ich, Erde!“, in der er zusammen mit Anne-Dore Krohn vom Rundfunk Berlin Brandenburg seine Verehrung für den schwäbischen Dichter (1770-1843) ausdrückte.

Frankenberg – Die Veranstaltung des Literaturfestivals Literarischen Frühling in Waldeck-Frankenberg fand in der Aula der Edertalschule Frankenberg vor rund 50 teils kundigen Besuchern statt – sie zitierten textsicher gleich einige Verse mit.

Anhand einer Art Pilgerreise zu wichtigen Lebensstationen des Dichters erklärten Scheck und Krohn dessen Werdegang von der Geburt in Lauffen/Neckar bis zur letzten Phase, dem 36 Jahre dauernden Aufenthalt in einem Turm in Tübingen. Bei den Gedichten Hölderlins „ringe man häufig um ein Verstehen“, räumte Scheck ein.

Viele seiner Verse seien dennoch als geflügelte Worte in die Gegenwartssprache eingegangen. „Wir sind nichts; was wir suchen, ist alles“, gehöre dazu oder: „Man kann auch in die Höhe fallen, so wie in die Tiefe.“

Die beiden Kritiker gaben gerne zu, dass auch ihnen der Zugang zu Hölderlin anfangs schwergefallen sei, und der natürlich ironisch gemeinten Aussage des Entertainers Harald Schmidt, Hölderlin-Gedichte seien die geeignete Lektüre für „zwischendurch am Strand“, müssten sie heftig widersprechen.

Im 19. Jahrhundert galt das Werk Hölderlins fast als verloren. Der Dichter Stefan George sorgte Anfang des 20. Jahrhunderts für eine Neuentdeckung des Lyrikers, später missbrauchten die Nationalsozialisten Hölderlin für ihre Zwecke. „Nicht jeder Lyrikleser hat eine schöne Seele“, lautete dazu Schecks Kommentar. Hölderlin glaubte felsenfest an eine Mission des Dichters, den man, so Krohn, als eine Art Dolmetscher zwischen Mensch und Göttern verstehen könne. „Es war ihm wirklich sehr ernst mit seinem Beruf“, beteuerte sie. Dem dringenden Wunsch seiner Mutter, Pfarrer zu werden, konnte er auf keinen Fall nachgeben.

Hölderlin hatte verschiedene Hauslehrerstellen inne, unter anderem bei der Liebe seines Lebens, der verheirateten Susette Gontard. Mit „Wem sonst als dir“, der laut Scheck schönsten Zueignung in deutscher Sprache, widmete er ihr „Hyperion“, seinen einzigen Roman.

Was genau der Auslöser für Hölderlins geistige Zerrüttung war, lasse sich nicht restlos klären. Sicher sei, dass der Tübinger Tischler Ernst Zimmer ihn bis zu seinem Tod bei sich aufnahm.

Doch wer die folgenden Verse verfasst habe, könne, so Scheck, nicht verrückt gewesen sein: „Die Linien des Lebens sind verschieden/ Wie Wege sind, und wie der Berge Grenzen./Was hier wir sind, kann dort ein Gott ergänzen/ Mit Harmonien und ewigem Lohn und Frieden.“

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